Digitaler Nachlass: Was geschieht mit unseren Daten im Todesfall?

Am 12.07.2018 verkündete der Bundesgerichtshof (BGH) ein richtungsweisendes Urteil zum digitalen Nachlass. Demnach muss Facebook der Mutter eines verstorbenen Mädchens den Zugang zum gesperrten Nutzerkonto ihrer Tochter gewähren. Die Mutter war im Besitz der Zugangsdaten, konnte sich allerdings aufgrund des bereits aktivierten Gedenkzustandes nicht mehr einloggen. Der BGH entschied nun, dass die digitalen Inhalte ebenso wie ein Tagebuch vererbbar sind. Wie sich das Urteil auf alle Nutzer von Facebook und den anderen sozialen Netzwerken auswirkt, ist zum aktuell Zeitpunkt noch unklar.

Kurz und knapp

  1. Als digitaler Nachlass sind alle persönlichen Daten im Internet, aber ggf. auch bestehende Verträge zu verstehen.
  2. Trotz eines Testaments erhalten Erben in der Regel keinen Zugriff auf bestehende Konten in den sozialen Medien.
  3. Soll ein Angehöriger oder Freund Ihren digitalen Nachlass verwalten, müssen Sie selbst entsprechende Vorkehrungen treffen.
Wie ein digitaler Nachlass zu regeln ist und worauf Sie dabei achten sollten, erklärt unser Ratgeber.

Wie ein digitaler Nachlass zu regeln ist und worauf Sie dabei achten sollten, erklärt unser Ratgeber.

Vorbei sind die Zeiten, in denen wir das Internet fast ausschließlich zum Wissenserwerb nutzten. Denn mittlerweile dringt das World Wide Web in fast alle Bereiche unseres Lebens ein. Dabei geben wir insbesondere in den sozialen Netzwerken oder auf eigenen Webseiten eine Vielzahl persönlicher Informationen preis. Allerdings machen sich die wenigsten Nutzer darüber Gedanken, was nach ihrem Tod mit den Daten geschehen soll und welche Angehörigen für die Thematik „Digitaler Nachlass“ verantwortlich sind.

Was umfasst der Begriff „Digitaler Nachlass“?

Ein digitaler Tod muss nicht der einzige Weg sein. Viele nutzen das Internet auch zum Gedenken.

Ein digitaler Tod muss nicht der einzige Weg sein. Viele nutzen das Internet auch zum Gedenken.

Die Bezeichnung „Digitaler Nachlass“ ist als Sammelbegriff für eine Vielzahl von gesetzlichen Vorschriften und Regelungen zu verstehen, die sich mit den Aktivitäten einer verstorbenen Person im Internet befassen.

Dabei kann es sich unter anderem um die Vertragsbeziehungen zu E-Mail-Anbietern oder den Betreibern von sozialen Netzwerken handeln. Darüber hinaus können unter dieser Thematik aber auch Vereinbarungen verstanden werden, die nur in digitaler Form vorliegen. Wie zum Beispiel Einkäufe in Onlineshops oder digitale Verträge mit Stromanbietern oder Versicherungen.

Somit umfasst ein digitaler Nachlass sämtliche Daten und Informationen, die zu und von einem verstorbenen Menschen im Internet ebenso wie auch auf Computern oder Datenträgern existieren. Um wie viele Benutzerkonten, Verträge oder sonstige Verknüpfungen es sich dabei handelt, ist uns im Alltag meist nicht einmal bewusst. Aus diesem Grund ist es durchaus sinnvoll, sich frühzeitig über ein digitales Erbe Gedanken zu machen und entsprechende Vorkehrungen zu treffen.

Digitaler Nachlass in Deutschland: Welche rechtlichen Vorschriften gelten?

Digitaler Nachlass: Was gilt es gemäß Gesetzgeber zu beachten?

Digitaler Nachlass: Was gilt es gemäß Gesetzgeber zu beachten?

Ein Digitaler Nachlass kann grundsätzlich mit vielen verschiedenen Vorschriften und Gesetzen Berührungspunkte aufweisen. Das deutsche Erbrecht und die Rechtsvorschriften bei Verträgen sehen grundsätzlich vor, dass alle Rechte und Pflichten des Verstorbenen auf seine Erben übergehen. Diese sind somit zum Beispiel dafür verantwortlich und auch berechtigt, bestehende Abonnements zu kündigen oder Forderungen aus Kaufverträgen zu begleichen.

Möglich ist dies allerdings nur dann, wenn die Erben auch Kenntnis von existierenden Online-Konten und deren Inhalten haben. Genau an dieser Stelle liegt das vermutlich größte Problem beim digitalen Nachlass. Denn häufig ist es den Erben durch die Vorlage von Erbscheinen und Sterbeurkunden zwar erlaubt, eine Löschung der Konten zu beantragen, Einblicke in die Korrespondenz erhalten diese in der Regel allerdings nicht.

Die Anbieter berufen sich in diesem Fall unter anderem auf das postmortale Persönlichkeitsrecht, wonach der Verstorbenen auch noch Rechte über seinen Tod hinaus besitzt. Dieses Recht soll unter anderem eine mögliche Bloßstellung verhindern. Darüber hinaus fällt die Kommunikation mit Dritten in der Regel auch unter das Brief- bzw. Fernmeldegeheimnis.

Möchten Sie beim Thema „Digitaler Nachlass“ Klarheit schaffen und Ihren Angehörigen in dieser schweren Zeit etwas an Arbeit abnehmen? In diesem Fall sollten Sie sich frühzeitig über die Möglichkeiten informieren und ggf. Dokumente mit den wichtigsten Informationen erstellen.

Digitaler Tod: Das Ableben in den sozialen Netzwerken

Digitaler Nachlass bei Facebook: Im Todesfall stehen Ihnen verschiedene Möglichkeiten zur Wahl.

Digitaler Nachlass bei Facebook: Im Todesfall stehen Ihnen verschiedene Möglichkeiten zur Wahl.

Ein digitaler Nachlass umfasst in den meisten Fällen auch die Nutzerkonten in verschiedenen sozialen Netzwerken. Dabei umfassen die Accounts nicht nur persönliche Daten, sondern auch eigene Bilder, Texte oder Videos, für welche unter Umständen sogar Urheberrechte bestehen können.

Liegen den Erben die jeweiligen Zugangsdaten allerdings nicht vor, ist es nahezu unmöglich, an diese Dateien zu gelangen. Welche Besonderheiten bei den wichtigsten Accounts im Todesfall gelten, zeigt die nachfolgende Übersicht:

  • Facebook
    Facebook gewährt den Erben keinen Zugriff auf das Profil des Verstorbenen. Dieses lässt sich allerdings in einen Gedenkzustand versetzen, wenn eine Sterbeurkunde vorgelegt wird. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, das Facebook-Konto löschen zu lassen. Bei einem Todesfall können nachgewiesene und unmittelbare Familienangehörige dies beantragen.
  • Twitter
    Die Betreiber von Twitter verweigern den Erben ebenfalls den Zugriff auf das Profil des Verstorbenen. Unmittelbaren Verwandten oder Nachlassverwaltern bleibt nur die Option, eine Löschung des Accounts zu beantragen. Dafür verlangt der Kurznachrichtendienst allerdings eine Vielzahl an Dokumenten.
  • Google
    Umfasst ein digitaler Nachlass ein Google-Konto, gilt dieses häufig für verschiedene Dienste gleichzeitig. Dazu zählen unter anderem YouTube, Google+, Gmail oder das Smartphone-Betriebssystem Android. Nutzer können hierbei bereits zu Lebzeiten entscheiden, was mit ihrem Konto bei einer längeren Inaktivität geschehen soll. Dabei lässt sich eine Person, welche Zugriff erhalten soll, oder eine Löschung festlegen.
  • GMX und Web.de
    Legen die Erben bei GMX und Web.de einen Erbschein vor, erhalten diese Zugriff auf das Postfach. Sie haben dann die Möglichkeit, das Postfach zu verwalten oder zu löschen.
Es zeigt sich, dass die verschiedenen Betreiber und Anbieter bei der Thematik „Digitaler Nachlass“ unterschiedliche Herangehensweisen und Bestimmungen haben. Zudem gehen in den meisten Fällen persönliche Daten oder Inhalte für immer verloren.

Digitaler Nachlass: Unsere Checkliste unterstützt Sie bei der Vorsorge

Erstellen Sie eine Übersicht können Angehörige Ihr digitales Erbe leichter verwalten.

Erstellen Sie eine Übersicht können Angehörige Ihr digitales Erbe leichter verwalten.

Innerhalb weniger Klicks schließen wir online Verträge und Abos für Streaming-Angebote, digitale Tageszeitungen oder sonstige Mitgliedschaften ab. Wissen Erben nicht von der Existenz dieser, kann dies insbesondere nach der Auflösung bestehender Bankkonten zu finanziellen und rechtlichen Problemen führen.

Zudem besteht ein digitaler Nachlass häufig auch aus unzähligen Bildern oder Nachrichten, die ausschließlich in den sozialen Netzwerken oder bei Cloud-Diensten gespeichert sind. Möchten Sie nicht, dass diese für immer verschwinden, gilt es daher entsprechende Vorkehrungen zu treffen.

Worauf es dabei insbesondere ankommt, zeigt unsere Checkliste. Das Dokument zum Thema „Digitaler Nachlass“ kann als Vordruck heruntergeladen werden.

MaßnahmeErledigt?
Bestimmen Sie eine oder mehrere Vertrauenspersonen, die sich um Ihr digitales Erbe kümmern sollen.kreis
Erstellen Sie eine Übersicht aller Konten mit zugehörigen Benutzernamen und Kennwörtern.kreis
Bewahren Sie die Übersicht sicher auf. Zum Beispiel auf einem verschlüsselten USB-Stick oder in einem Bankschließfach.kreis
Legen Sie fest, was mit den verschiedenen Profilen und Konten geschehen soll. kreis
Sichern Sie wichtige Dateien (Bilder, Songs, Videos, Texte, ...) ggf. offline.kreis
Halten Sie die Listen immer aktuell.kreis

Achtung! Mittlerweile existieren auch Unternehmen, welche gegen die Zahlung eine Gebühr Passwörter an Angehörige weitergeben oder sich sogar um die Löschung der Accounts kümmern. Zwar nehmen Sie den Hinterbliebenen dadurch Arbeit im Bereich „Digitaler Nachlass“ ab, allerdings sollten Sie genau überlegen, ob Sie Ihre Passwörter weitergeben wollen.

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