Elternzeit: Auszeit für die Erziehung

Kurz und knapp

Was ist Elternzeit?

Hierbei handelt es sich um eine unbezahlte Freistellung von der Arbeit, auf die Eltern nach der Geburt eines Kindes einen Rechtsanspruch haben. Die Elternzeit soll die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglich. Um diese Auszeit auch finanziell stemmen zu können, besteht häufig die Möglichkeit, Elterngeld zu beantragen.

Wann besteht ein Anspruch auf Elternzeit?

Ein Anspruch auf Elternzeit besteht nur, wenn das Kind überwiegend von den Eltern versorgt wird und sich diese in einem Arbeitsverhältnis befinden. Laut Gesetz kann auch bei einer Pflegschaft oder Adoption Elternzeit genommen werden.

Wie lange gilt die Elternzeit?

Beide Elternteile haben pro Kind einen Anspruch auf bis zu drei Jahre Elternzeit. Allerdings besteht auch die Möglichkeit, einen kürzeren Zeitraum zu wählen. Darüber hinaus lässt sich die Elternzeit aufteilen. Mehr dazu erfahren Sie hier.

Was besagt die gesetzliche Regelung zur Elternzeit? In diesem Ratgeber finden Sie die Antwort.
Was besagt die gesetzliche Regelung zur Elternzeit? In diesem Ratgeber finden Sie die Antwort.

Wenn aus einem Paar durch die Geburt eines Babys eine Familie wird, geht dieses freudige Ereignis mit allerhand Veränderungen einher. Damit sich die frischgebackenen Eltern die Zeit nehmen können, um im neuen Alltag anzukommen, räumt ihnen der Gesetzgeber die Option für eine Auszeit vom Berufsleben ein – die sogenannte Elternzeit.

Grundlagen der Elternzeit: Wer hat Anspruch?

Sonderfälle bei der Elternzeit: Öffentlicher Dienst und Bundeswehr haben eigene Vorschriften.
Sonderfälle bei der Elternzeit: Öffentlicher Dienst und Bundeswehr haben eigene Vorschriften.

Um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern, haben Eltern in Deutschland laut Kindschaftsrecht einen Anspruch auf Elternzeit. Dadurch können sie für eine gewisse Zeit beruflich kürzertreten oder sogar aussetzen. Allerdings ist der Anspruch auf Elternzeit an Voraussetzungen geknüpft.

So müssen sich Eltern, die diese Auszeit in Anspruch nehmen wollen, in einem Arbeitsverhältnis befinden. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine geringfügige Beschäftigung, befristete oder unbefristete Arbeitsverträge handelt. Ebenso ist eine Elternzeit in der Ausbildung möglich.

Kein Recht auf Elternzeit haben hingegen Selbständige, Studenten, Schüler, Hausfrauen sowie Arbeitslose. Denn in diesem Fällen besteht kein Arbeitsverhältnis, welches ruhen könnte.

Darüber hinaus ergeben sich aus dem Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) noch weitere Voraussetzungen. So heißt es in § 15 Abs. 1 BEEG:

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben Anspruch auf Elternzeit, wenn sie
1. a) mit ihrem Kind,
b) mit einem Kind, für das sie die Anspruchsvoraussetzungen nach § 1 Absatz 3 oder 4 erfüllen, oder
c) mit einem Kind, das sie in Vollzeitpflege nach § 33 des Achten Buches Sozialgesetzbuch aufgenommen haben,
in einem Haushalt leben und
2. dieses Kind selbst betreuen und erziehen.

Aus diesem Auszug geht hervor, dass nicht nur die leiblichen Eltern eines Kindes einen Anspruch auf Elternzeit haben. Denn auch für Stiefeltern, Adoptiveltern und Pflegeeltern kann diese Option bestehen.

Wichtig ist dabei, dass diese mit dem Kind in einem Haushalt zusammenleben und sich überwiegend selbst um die Betreuung sowie Erziehung kümmern. In Ausnahmefällen besteht zudem auch die Möglichkeit, dass die Elternzeit von den Großeltern genommen wird. Um auf diese die Elternzeit zu übertragen, muss der Vater bzw. die Mutter des Kindes noch minderjährig sein oder sich in einer Ausbildung befinden, die vor dem 18. Geburtstag begonnen wurde. Zudem dürfen in diesem Fall die leiblichen Eltern selbst keine Elternzeit nehmen.

Wie lange ist Elternzeit möglich?

Anspruch auf Elternzeit: Für ein zweites Kind besteht dieser ebenfalls.
Anspruch auf Elternzeit: Für ein zweites Kind besteht dieser ebenfalls.

Der  Gesetzgeber räumt jedem Elternteil pro Kind einen Anspruch auf bis zu drei Jahre Elternzeit ein. Dabei können Eltern diese berufliche Auszeit sowohl gleichzeitig als auch nacheinander beanspruchen. Darüber hinaus besteht die Option, einen kürzeren Zeitraum zu wählen oder sich für eine Aufteilung der Elternzeit zu entscheiden.

Welche Vorschriften dabei für die Elternzeitregelung gelten, hängt vom Geburtsdatum des Kindes ab. Denn für alle Babys, die nach dem 01. Juli 2015 geboren wurden, gilt ein neues Elternzeitgesetz. Beachten Sie daher, dass die nachfolgenden Ausführungen sich ausschließlich auf die neuen Regelungen beziehen.

Bei Kindern, die nach dem 01. Juli 2015 geboren sind, erlaubt die Elternzeit eine Aufteilung in drei Abschnitte. Möchten Eltern ihren Anspruch nicht vollständig in den ersten drei Lebensjahren ihres Kindes nutzen, besteht die Möglichkeit, diesen auf den Zeitraum zwischen dem dritten und dem achten Geburtstag des Kindes zu übertragen. Nicht selten entschließen sich Eltern dann zur Einschulung für eine erneute Auszeit.

Eine Besonderheit stellt die Elternzeit bei Zwillingen oder weiteren Mehrlingen dar, denn in einem solchen Fall besteht bei Geburten ab dem 01. Juli 2015 der gesetzliche Anspruch pro Kind, auch wenn diese gleichzeitig versorgt werden. Doch was bedeutet dies genau für die Dauer der Elternzeit? Unser Beispiel verdeutlicht es:

Frau Mustermann bekommt zweieiige Zwillinge, eine Tochter und einen Sohn. Für ihre Tochter nimmt sie ab der Geburt eine zweijährige Elternzeit und schließt an diese ein Jahr Elternzeit für ihren Sohn an. Somit hat sie bereits drei Jahre Elternzeit für ihre Zwillinge beansprucht und es stehen ihr immer noch drei Jahre zur Verfügung. Diese kann sie ab dem dritten Geburtstag in Anspruch nehmen, sodass sich ein maximaler Anspruch von sechs Jahren ergibt.

Wichtig! Mütter können die Elternzeit nicht ab der Geburt ihres Kindes nehmen, sondern erst im Anschluss an den Mutterschutz. Allerdings entsteht dadurch kein Vorteil, denn diese Zeit wird berücksichtigt und von der Elternzeit abgezogen.

Antrag für Elternzeit: Gesetzliche Regelung beachten!

Befreiung bei der Krankenkasse: Während der Elternzeit müssen keine Beiträge gezahlt werden.
Befreiung bei der Krankenkasse: Während der Elternzeit müssen keine Beiträge gezahlt werden.

Bei der Elternzeit handelt es sich um einen Anspruch, den ein Arbeitnehmer gegenüber seinem Arbeitgeber geltend macht. Denn für diesen Zeitraum ruht das Arbeitsverhältnis und der Angestellte erhält keinen Lohn. Als Ausgleich dafür kann allerdings häufig Elterngeld beantragt werden. 

Zudem gelten gemäß Arbeitsrecht während der Elternzeit besondere Vorschriften, die die Vereinbarkeit von Familien und Beruf ermöglichen sollen. So genießen Eltern während ihrer Auszeit einen Kündigungsschutz. Darüber hinaus soll im Anschluss an die Elternzeit eine Rückkehr an den alten Arbeitsplatz möglich sein.

Damit der Arbeitgeber auch planen kann, muss die Elternzeit spätestens sieben Wochen im Voraus schriftlich angemeldet werden. Ein spezielles Formular gibt es dafür nicht, allerdings sollten Sie sowohl den Beginn als auch das Ende der Elternzeit am besten mit einem konkreten Datum angeben. Außerdem ist es sinnvoll, sich die Anmeldung der Elternzeit schriftlich vom Arbeitgeber bestätigen zu lassen.

In der Elternzeit besteht zudem ein Anspruch auf Teilzeitarbeit. So können Eltern auf Wunsch auch bis zu 30 Stunden die Woche arbeiten. Grundsätzlich spricht auch nichts dagegen, eine Weiterbildung während der Elternzeit zu absolvieren, wenn diese den gesetzlichen Vorgaben entspricht.

Übrigens! Während der Elternzeit muss die Krankenversicherung nicht selbst gezahlt werden, denn pflichtversicherte Arbeitnehmer sind in dieser Zeit beitragsbefreit. Darüber hinaus lässt sich die Elternzeit bei der Rente in Form der Erziehungszeit berücksichtigen.

Wo erhalte ich eine Beratung zur Elternzeit?

Unter Umständen ergeben sich individuelle Fragen zur Elternzeit, auf die ein allgemeiner Ratgeber – trotz größter Bemühungen – nicht die passenden Antworten geben kann. Eine persönliche Beratung ist unter anderem bei den Elterngeldstellen möglich. Darüber hinaus bietet auch das Bundesministerium für Familie zur Elternzeit eine telefonische Beratung an.

Aber auch verschiedene Vereine oder karitative Einrichtungen können über eine Beratungsstelle zur Elternzeit verfügen. Umfassende Informationen finden Sie zudem im Internet wie etwa auf dem Ratgeberportal elternzeit.de.

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