Richtig enterben: Was gilt beim Ausschluss aus der Erbfolge?

Kurz und knapp

  1. Der Erblasser kann grundsätzlich jeden Angehörigen durch ein Testament enterben. Eine Begründung ist dafür nicht notwendig.
  2. Enterben Sie den Ehepartner oder nächste Angehörige – wie die eigenen Kinder – müssen diese nicht vollkommen leer ausgehen. Denn es besteht der Anspruch auf den gesetzlichen Pflichtteil.
  3. Der Pflichtteilsanspruch verwirkt nur unter besonderen Umständen. Dies ist unter anderem bei einer Verurteilung aufgrund einer schwerwiegenden Straftat der Fall.
Wie kann man jemanden enterben? Ist dies bei eigenen Kindern möglich? Antworten liefert unser Ratgeber.

Wie kann man jemanden enterben? Ist dies bei eigenen Kindern möglich? Antworten liefert unser Ratgeber.

In jeder Familie kommt es hin und wieder zu Unstimmigkeiten und nicht immer lassen sich diese durch Gespräche aus der Welt räumen. Sind die Differenzen unüberbrückbar, besteht als letzte Konsequenz die Möglichkeit, die jeweilige Person zu enterben. Der Betroffene wird dadurch gemäß dem deutschen Erbrecht von der gesetzlichen Erbfolge ausgeschlossen.

Enterben: Wenn Kind oder Ehegatte leer ausgehen

Vorgaben aus dem BGB: Wie kann man seine Kinder enterben?

Vorgaben aus dem BGB: Wie kann man seine Kinder enterben?

Durch das Erbrecht kann jeder Bürger frei entscheiden, was mit seinem Vermögen im Falle des eigenen Ablebens geschehen soll. So lässt sich die gesetzliche Erbfolge zum Beispiel durch eine Verfügung von Todes wegen – also einem Testament oder einem Erbvertrag – den eigenen Wünschen anpassen.

Bei der Gestaltung eines Testaments oder eines Erbvertrags besteht auch die Möglichkeit, bestimmte Personen vollständig aus der Erbfolge auszuschließen. Dieses Vorgehen wird als Enterbung bezeichnet.

Die Gründe, warum sich jemand dazu entschließt, nahe Angehörige oder den Ehepartner zu enterben, können sehr vielfältig sein. Neben Streitigkeiten in der Familie, wie zum Beispiel bei Problemen mit dem aktuellen Lebenswandel, kann auch eine vorangegangene Schenkung dazu führen, dass sich Eltern dazu entschließen, ihre Kinder zu enterben.

Grundsätzlich können Sie im Zuge eines Testamentes Ihren Onkel, Bruder oder Vater enterben. Allerdings machen entsprechende Formulierungen nur dann Sinn, wenn tatsächlich die Möglichkeit eines gesetzlichen Erbanspruches besteht. Dies ist bei Eltern zum Beispiel nur dann gegeben, wenn der Erblasser keine Kinder hatte.

Gesetzliche Vorgaben zur Enterbung

Die gesetzlichen Vorgaben, welche es laut deutschem Erbrecht beim Enterben zu beachten gilt, ergeben sich aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB). Darin heißt es zur Enterbung unter § 1938 BGB:

Der Erblasser kann durch Testament einen Verwandten, den Ehegatten oder den Lebenspartner von der gesetzlichen Erbfolge ausschließen, ohne einen Erben einzusetzen.

Aus diesem Auszug geht hervor, dass zum Enterben ein Testament notwendig ist. Dabei handelt es sich um ein Schriftstück, durch welches der Verfasser Regelungen für seinen Erbfall treffen kann. Die Enterbung ist dabei sowohl mit einem notariellen als auch mit einem handschriftlichen Testament möglich.

Wichtig! Möchten Sie durch ein Testament Kind oder Ehefrau enterben, ist es in der Regel sinnvoll, dieses beim Notar zu errichten. Denn dies gewährleistet, dass es sich dabei um eine rechtssichere Verfügung handelt, welche nicht so leicht anzufechten ist.

Berliner Testament: Die eigenen Kinder vorerst enterben

Berliner Testament: Wie kann ich mein Kind dabei enterben?

Berliner Testament: Wie kann ich mein Kind dabei enterben?

Die Enterbung von Kindern ist in der Praxis keine Seltenheit, allerdings muss der Grund dafür nicht immer ein Konflikt zwischen den Generationen sein. Denn setzen sich Ehegatten im Zuge eines Berliner Testaments gegenseitig als Alleinerben ein, werden die eigenen Kinder vorerst übergangen. Faktisch bedeutet dies, dass die Eltern Sohn oder Tochter enterben.

Das Berliner Testament dient in erster Linie der Absicherung des länger lebenden Ehegatten. Dabei ist ein solches besonders sinnvoll, wenn es sich beim gemeinsamen Vermögen der Ehegatten um eine selbst genutzte Immobilie handelt. Diese müsste nämlich unter Umständen verkauft werden, um den Kindern ihr gesetzliches Erbe auszuzahlen.

Doch auch wenn Sie sich dazu entschließen, Ihr Kind zu enterben, geht dieses in der Regel nicht leer aus. Denn meist wird dieses als Schlusserbe eingesetzt.

Eine typische Formulierung könnte zum Beispiel wie folgt aussehen:

Wir, die Eheleute Anke Bauer geborene Müller, geboren in Musterstadt am 01.01.1960, und Anton Bauer, geboren in Musterdorf am 12.12.1958, bestimmen, dass wir uns gegenseitig allein und unbeschränkt beerben.

Als Schlusserben des von uns zuletzt Versterbenden setzen wir unsere Tochter Annika Bauer ein.

Was geschieht mit dem Pflichtteil bei einer Enterbung?

Das eigene Kind enterben: Der Pflichtteil kann in der Regel dennoch gefordert werden.

Das eigene Kind enterben: Der Pflichtteil kann in der Regel dennoch gefordert werden.

Entscheidet sich ein Erblasser dazu einen nahen Angehörigen zu enterben, steht diesem dennoch ein Teil am Vermögen zu. Dabei handelt es sich um den gesetzlich definierten Pflichtteil. Dies ist als eine besondere Form der Fürsorgepflicht zu verstehen, welche unter anderem für folgende Personen gilt:

  • Kinder (unabhängig davon, ob leiblich, nichtehelich oder adoptiert)
  • Ehegatten und Partner einer eingetragenen Lebensgemeinschaft
  • Eltern des Erblasser (sofern dieser keine Kinder hatte)

Besagte Pflichtteilsberechtigte können ihren Anspruch gegenüber den Erben geltend machen, denn eine automatische Übertragung durch das Nachlassgericht erfolgt nicht. In der Regel ist es sinnvoll, den Pflichtteil am Erbe in schriftlicher Form einzufordern.

Die Möglichkeiten eine Person zu enterben, ohne dass ein Pflichtteil fällig ist, sind begrenzt. Hierfür gilt es, bestimmte Voraussetzungen zu erfüllen. Um welche es sich dabei genau handelt, klären wir im späteren Verlauf des Ratgebers.

Wie hoch ist der Pflichtteil bei einer Enterbung?

Wie hoch der Pflichtteil für ein Kind bei der Enterbung ausfällt, hängt auch von der Anzahl der Verwandten ab.

Wie hoch der Pflichtteil für ein Kind bei der Enterbung ausfällt, hängt auch von der Anzahl der Verwandten ab.

Beim Pflichtteil am Erbe handelt es sich um einen reinen Geldanspruch. Dieser besteht in der Regel auch dann, wenn Sie sich zum Beispiel dazu entschlossen haben, Ihre Ehefrau zu enterben. Die Höhe des Pflichtteils bei einer Enterbung wird von den verwandtschaftlichen Verhältnissen und dem ehelichen Güterstand beeinflusst. Denn dieser entspricht grundsätzlich der Hälfte des gesetzlichen Erbteils gemäß §§ 1922-1934.

Die Berechnung beim Pflichtteil erfolgt, soll das nachfolgende Beispiel verdeutlichen. Helga ist verwitwet und hat die drei Kinder Anton, Ben und Chris. Anton hat einen Erbverzicht erklärt und wird daher nicht weiter berücksichtigt. Helga hat sich zudem wegen einer familiären Auseinandersetzung für das Enterben eines Kindes – in diesem Fall Chris – entschlossen. Daher ist Ben Alleinerbe.

Gemäß der gesetzlichen Erbfolge stünden Ben und Chris jeweils die Hälfte des Nachlasses zu. Durch die Enterbung kann Chris allerdings nur einen Viertel des Nachlasswertes fordern.

Hätte Anton keinen Erbverzicht unterzeichnet, würde jedem Sohn ein Drittel des gesetzlichen Erbes zustehen und hätte Chris nur ein Sechstel erhalten.

Wann ist der Pflichtteilsanspruch verwirkt?

Wann kann man vom Pflichtteil enterbt werden?

Wann kann man vom Pflichtteil enterbt werden?

Drohen Familienmitglieder mit einer Enterbung, stellen sich die betroffenen Personen nicht selten die Frage: „Kann man wirklich vollständig enterbt werden, sodass nicht einmal ein Anspruch auf den Pflichtteil besteht?“

Tatsächlich ist es beim Enterben möglich, unter bestimmten Voraussetzungen auch den Pflichtteil zu entziehen. Allerdings muss der Erblasser dies in seinem Testament ausdrücklich anordnen und auch entsprechende Beweggründe anführen.

Gemäß § 2333 BGB kann der Anspruch auf den Pflichtteil beim Enterben unter anderem entfallen, wenn der pflichtteilsberechtige Angehörige:

  • dem Erblasser oder ihm nahestehenden Personen nach dem Leben trachtet,
  • sich eines Verbrechens oder eines schweren vorsätzlichen Vergehens gegenüber dem Erblasser oder ihm nahestehenden Personen schuldig macht,
  • seine gesetzlich geregelte Unterhaltspflicht gegenüber dem Erblasser böswillig verletzt,
  • wegen einer vorsätzlichen Straftat zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr ohne Bewährung verurteilt wird

Der Anspruch auf den Pflichtteil ist ebenfalls verwirkt, wenn Kinder ihre eigenen Eltern umbringen. Zu diesem Ergebnis kam das Bundesverfassungsgericht in seinem Beschluss vom 19. April 2005, Az. 1 BvR 1644/00.

Ist jeglicher Kontakt zur Familie abgebrochen kann dies ggf. die Enterbung von leiblichen Kindern rechtfertigen. Allerdings reicht dies laut Gesetz nicht aus, damit der Anspruch auf den Pflichtteil verfällt und diese vollkommen leer ausgehen.

Achtung! Gemäß § 2337 BGB erlischt das Recht zur Entziehung des Pflichtteils durch Verzeihung. Dies hat zur Folge, dass die Verfügung von Todes wegen, in welcher der Erblasser die Enterbung samt Pflichtteil für sein Kind anordnet, durch die Verzeihung unwirksam wird.

Von den Eltern enterbt – was nun?

Enterbt? Ihren Pflichtteil können Sie einfordern oder ggf. das Testament anfechten.

Enterbt? Ihren Pflichtteil können Sie einfordern oder ggf. das Testament anfechten.

Haben Sie im Zuge der Testamentseröffnung erfahren, dass sich ein naher Angehöriger dazu entschlossen hat, Sie zu enterben, haben Sie grundsätzlich zwei Optionen. Zum einen können Sie diesen Sachverhalt akzeptieren und ggf. Ihren Pflichtteil einfordern. Zum anderem können Sie prüfen, ob das Testament überhaupt wirksam ist. Zwar kann man als Erblasser Kinder prinzipiell enterben – auch ohne die Angabe irgendwelcher Gründe – allerdings besteht auch die Möglichkeit, dass die Verfügung rechtswidrig ist.

Dies kann insbesondere der Fall sein, wenn der Erblasser nicht mehr testierfähig war. Dieser Zustand liegt immer dann vor, wenn der Erblasser nicht länger die Tragweite seiner Anordnungen überblicken kann.

Darüber hinaus kann es auch eine Option sein, das Testament aufgrund von Irrtum oder Drohung anzufechten. Wie erfolgsversprechend ein solches Vorhaben im Einzelfall ist, kann ein Anwalt für Erbrecht einschätzen.

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