Erbe annehmen: Wie müssen Sie dabei vorgehen?

Kurz und knapp

  1. Die Erbannahme erfolgt automatisch, wenn Sie nicht ausdrücklich eine Erbausschlagung erklären.
  2. Möchten Sie das Erbe nicht annehmen, müssen Sie eine entsprechende Erklärung innerhalb von sechs Wochen abgeben.
  3. Bestimmte Verhaltensweisen – wie die Beantragung eines Erbscheins – können aber auch vor dem Ablauf dieser Frist zur Annahme der Erbschaft führen.
Wie muss man ein Erbe annehmen? Informationen für den Weg zum Nachlass liefert dieser Ratgeber.

Wie muss man ein Erbe annehmen? Informationen für den Weg zum Nachlass liefert dieser Ratgeber.

Nach einem Erbfall stellt sich den Erbberechtigten häufig die Frage, ob Sie das Erbe annehmen sollen. Schwierig ist diese Entscheidung insbesondere dann, wenn unklar ist, ob der Nachlass möglicherweise überschuldet ist. Doch wie müssen Sie vorgehen, wenn Sie sich dazu entschieden haben, dass das Erbe nicht ausgeschlagen werden soll?

Erbfolge und Erbschaftsannahme

Erst durch die Annahme vom Erbe können Sie über den Nachlass verfügen.

Erst durch die Annahme vom Erbe können Sie über den Nachlass verfügen.

Gemäß deutschem Erbrecht können Sie grundsätzlich auf zwei Weisen einen Anspruch auf das Erbe erhalten. So kann der Erblasser entweder mittels einer letztwilligen Verfügung von Todes wegen – also einem Testament oder Erbvertrag – selbst bestimmen, an wen sein Nachlass gehen soll oder es greift die im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) definierte gesetzliche Erbfolge. Durch diese werden allerdings nur Verwandte und Ehegatten bedacht.

Besteht ein Anspruch auf dem Nachlass, bedeutet dies allerdings nicht automatisch, dass Sie über die Vermögenswerte auch frei verfügen können, da Sie erst als vorläufiger Erbe gelten. Die Stellung als vollwertige Erben nehmen Sie erst ein, wenn Sie die Erbschaft annehmen.

Es steht somit jeder Person, welche durch die gesetzliche Erbfolge oder eine Verfügung von Todes wegen bedacht wird, frei, das Erbe nicht annehmen zu wollen. Juristen sprechen in diesem Zusammenhang von einer Erbausschlagung.

Erbe annehmen: Diese Frist gilt es zu beachten!

Entscheidung innerhalb der 6-wöchigen Frist: Erbe antreten oder nicht?

Entscheidung innerhalb der 6-wöchigen Frist: Erbe antreten oder nicht?

Viele potenzielle Nachlassempfänger tun sich mit der Frage schwer, ob sie das Erbe tatsächlichen antreten wollen, denn Schulden oder sonstige Verpflichtungen können weitreichende Folgen haben. Daher gilt es, die möglichen Nachlasswerte gründlich zu überprüfen.

Allerdings sollten Sie sich dafür nicht allzu viel Zeit lassen, denn wenn Sie die Erbausschlagung nicht innerhalb von sechs Wochen erklären, gilt das Erbe als automatisch angenommen. Diese Ausschlagungsfrist ergibt sich aus § 1944 BGB. Auch wann diese Frist im Einzelnen beginnt, ist im Bürgerlichen Gesetzbuch festgelegt. In § 1944 Abs. 2 BGB heißt es dazu:

Die Frist beginnt mit dem Zeitpunkt, in welchem der Erbe von dem Anfall und dem Grund der Berufung Kenntnis erlangt. Ist der Erbe durch Verfügung von Todes wegen berufen, beginnt die Frist nicht vor Bekanntgabe der Verfügung von Todes wegen durch das Nachlassgericht.

Befand sich der letzte Wohnsitz des Erblassers im Ausland oder hielt sich ein Erbe zu Beginn der First im Ausland auf, verlängert sich diese auf sechs Monate. In diesem Fall haben die Beteiligten also mehr Zeit, um sich zu entscheiden, ob sie das Erbe annehmen wollen.

Die Erbannahme und auch die -ausschlagung sind bereits ab dem Zeitpunkt möglich, ab dem der Erbfall eingetreten ist.

Annahme einer Erbschaft – So ist es möglich!

Es lassen sich grundsätzlich drei Optionen unterscheiden, durch welche Sie ein Erbe annehmen können:

  • verstreichen der Ausschlagungsfrist
  • schlüssiges Verhalten
  • ausdrückliche Annahmeerklärung
Wann gilt ein Erbe als angenommen?

Wann gilt ein Erbe als angenommen?

Wie zuvor bereits erwähnt, erfolgt mit dem Verstreichen der Frist für eine Erbausschlagung die Annahme der Erbschaft. In diesem Fall reicht es daher bereits aus, wenn Sie nicht aktiv handeln und abwarten.

Darüber hinaus werden bestimmte Verhaltensweisen der Erben als Erbannahme gewertet. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn Sie Erbschaftsansprüche gegenüber Dritten geltend machen oder Sie die Erbschaft verkaufen.

Das Nachlassgericht geht zudem davon aus, dass Sie das Erbe annehmen, wenn ein Erbschein beantragt wird. Schließlich handelt es sich dabei um einen Nachweis über ein bestehendes Erbrecht.

Nicht zuletzt können Sie die Erbschaft auch durch eine entsprechende Erklärung annehmen. Worauf es bei einem solchen Schreiben ankommt und ein Muster zur Veranschaulichung finden Sie im nachfolgenden Absatz.

Lässt sich aufgrund Ihres Verhaltens oder einem entsprechenden Schreiben darauf schließen, dass Sie das Erbe annehmen, ist eine Ausschlagung nicht mehr möglich. Unter Umständen kann die Annahme allerdings noch angefochten werden. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn die Erklärung durch Bedrohung oder Täuschung zustande kam.

Annahmeerklärung für eine Erbschaft: Ein Muster

Erbe annehmen: Schriftlich ist dies möglich, allerdings nicht generell notwendig.

Erbe annehmen: Schriftlich ist dies möglich, allerdings nicht generell notwendig.

Es ist grundsätzlich nicht notwendig, wenn Sie das Erbe annehmen wollen, ein Formular auszufüllen oder das Nachlassgericht über Ihren Wunsch in Kenntnis zu setzen. Denn mit dem Verstreichen der Frist für eine Erbausschlagung erfolgt die Annahme automatisch.

Es besteht allerdings die Möglichkeit, das Nachlassgericht mittels einer Erklärung darüber zu informieren, dass Sie die Erbschaft annehmen.

Das nachfolgende Muster dient dabei der Veranschaulichung. Ein möglicher Grund dafür, kann zum Beispiel die Verkürzung der Ausschlagungsfrist sein.

[Absender]

An das
[Adresse des zuständigen Nachlassgerichts]

[Ort, Datum]

In der Nachlasssache von [Name des Erblassers]

Sehr geehrte Damen und Herren,
wie Sie der in Kopie beigefügten Sterbeurkunde von xx.xx.xxxx entnehmen können, ist mein Vater/meine Mutter [Name des Erblassers], zuletzt wohnhaft [Adresse des Erblassers], am xx.xx.xxxx verstorben.

Meines Wissens existieren weder ein Testament noch eine sonstige Verfügung von Todes wegen. Daher bin ich gemäß der gesetzlichen Erbfolge nach meinem aktuellen Kenntnisstand der Alleinerbe.

Die Erbschaft nehme ich mit diesem Schreiben ausdrücklich an.

Mit freundlichen Grüßen

[Unterschrift]

Wichtig! Erklären Sie durch ein solches Schreiben ausdrücklich, dass Sie das Erbe annehmen, verlieren Sie dadurch das Recht auf eine Erbausschlagung. Daher sollten Sie den Nachlass vor Abgabe einer solchen Erklärung unbedingt auf Überschuldung hin prüfen. Denn haben Sie das Erbe erst einmal angenommen, gehen die Schulden in Ihren Besitz über.

Können Sie ein Erbe auch nur bedingt annehmen?

Das Erbe annehmen - nur unter dem Vorbehalt, dass dieses schuldenfrei ist? Dies ist nicht möglich.

Das Erbe annehmen – nur unter dem Vorbehalt, dass dieses schuldenfrei ist? Dies ist nicht möglich.

Nicht selten fällt es den Angehörigen des Erblassers schwer, sich selbst bei einem überschuldeten Nachlass für eine Ausschlagung zu entscheiden.

Denn schließlich gehen mit einer solchen Erklärung alle Rechte am Nachlass – zu dem vielleicht auch das Elternhaus oder ein schon lange in der Familie weitergegebenes Schmuckstück – verloren.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass Sie die Betroffenen fragen, ob Sie das Erbe annehmen können unter der Bedingung, dass das Erbe nicht überschuldet ist oder dass keine Erbschaftssteuer anfällt.

Aus § 1947 BGB ergibt sich allerdings, dass eine solche Möglichkeit nicht besteht, denn darin heißt es:

Die Annahme und die Ausschlagung können nicht unter einer Bedingung oder einer Zeitbestimmung erfolgen.

Im Erbrecht gilt somit der Grundsatz: entweder ganz oder gar nicht. Überlegen Sie daher gründlich, ob Sie ein Erbe annehmen oder ausschlagen möchten. Denn in der Regel lässt sich eine entsprechende Erklärung rückwirkend kaum noch ändern.

Erbe angenommen – Wie gehts nun weiter?

Erbe angenommen: Was erwartet Sie dann?

Erbe angenommen: Was erwartet Sie dann?

Haben Sie sich dazu entschlossen, das Erbe anzunehmen, sind in der Regel die Entscheidungen der Miterben bzw. der Ablauf der Ausschlagungsfrist abzuwarten. Denn erst dann stehen in den meisten Fällen alle Erben und die jeweiligen Erbquoten fest.

Werden mehrere Personen durch die gesetzliche Erbfolge und eine Verfügung von Todes wegen bedacht, bilden diese eine sogenannte Erbengemeinschaft. Im Zuge der Erbauseinandersetzung müssen sich die Beteiligten um mögliche Nachlassverbindlichkeiten und die Aufteilung des Nachlasses kümmern.

Zu einem späteren Zeitpunkt folgt die Aufforderung des Finanzamtes zur Abgabe einer Erbschaftsteuererklärung. Die Erbschaftssteuer fällt beim Vermögenserwerb von Todes wegen an und ist von den Erben zu tragen. Häufig unterschreitet der Nachlasswert allerdings die geltenden Freibeträge, sodass keine Abgabe zu zahlen ist.

Wie hoch der Freibetrag und der Steuersatz bei der Erbschaftssteuer ausfallen, hängt vom Verwandtschaftsgrad zum Erblasser und der Höhe des Nachlasses ab.
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18 thoughts on “Erbe annehmen: Wie müssen Sie dabei vorgehen?

  1. Sandra

    Hallo und vielen Dank für den interessanten Artikel. Ich denke wenn es bei meinem Großonkel einmal so weit sein sollte, dann werde ich einen Rechtsanwalt für Erbrecht in Anspruch nehmen. Mir ist dass etwas zu kompliziert.

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  2. Marion

    Ich habe dazu eine Frage: wenn jemand das Erbe annimmt, andere potentielle Miterben aber ablehnen wollen, erfahren die dann, das jemand das Erbe schon angenommen hat?

    Reply
    1. familienrecht.net

      Hallo Marion,

      in der Regel erhalten nur Miterben eine Auskunft über die Erbschaftsannahme, da diese gemeinsam eine Erbengemeinschaft bilden und sich bezüglich der Aufteilung auseinandersetzen müssen. Welche anderen Auskünfte das Nachlassgericht erteilt und erteilen darf, ist uns an dieser Stelle nicht bekannt.

      Ihr familienrecht.net-Team

      Reply
  3. Claudia

    Wenn man also die 6 Wochen Frist verstreichen lässt und dadurch das Erbe angenommen hat, wird man dann vom Gericht nochmal informiert, oder muss man etwas unternehmen?

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    1. familienrecht.net

      Hallo Claudia,

      in der Regel erhalten die Erben einen Hinweis von dem zuständigen Nachlassgericht über den Todesfall und ggf. weitere Erben. Hiernach kann sich eine potentielle Erbengemeinschaft über den Nachlass auseinandersetzen.

      Ihr familienrecht.net-Team

      Reply
  4. Udo

    Hallo
    Ich erwarte eine Erbauszahlung aus Australien. Das dortige Gericht sieht nicht die Möglichkeit einer Ausschlagung (zugunsten meiner Tochter) vor, sondern das Geld wird an die im Testament benannten Personen ausbezahlt. Aufgrund mehrjähriger Krankheit mit daraus folgender Frührente und Privatinsolvenz müsste ich nun die Hälfte des Geldes abgeben. Nun die Frage: Habe ich dennoch eine Möglichkeit, meine Tochter zu begünstigen, (also nachdem das Geld schon auf meinem Konto ist) ohne Abzüge?
    Dank vorab und Gruß
    Udo

    Reply
    1. familienrecht.net

      Hallo Udo,

      das Erbe fällt in das Eigentum des berechtigten Erben. Eine Übertragung einzelner Vermögenswerte ist in der Regel nur insofern möglich, als Verbindlichkeiten des Erben nicht berührt sind (z. B. bei Gefahr von Insolvenzverschleppung o. ä.). Bitte wenden Sie sich ggf. an Ihren Insolvenzberater.

      Ihr familienrecht.net-Team

      Reply
  5. Ingo

    Hallo

    vielen Dank für die vielen Infos.
    Wenn ich das Erbe annehme, kann ich dann immer noch meinen Pflichtteil einfordern ?
    Wenn ja wie lange ist da die Frist ?

    Vielen Dank im voraus und Grüße
    Ingo

    Reply
    1. familienrecht.net

      Hallo Ingo,

      ein Pflichtteilsanspruch besteht in aller Regel nur bei Enterbung von gesetzlich Erbberechtigten oder zu geringer Zuweisungen im Testament. Die Erbannahme hingegen ist nur für Erben möglich. Der Pflichtteilsanspruch kann gegenüber den Erben des Verstorbenen geltend gemacht werden.

      Ihr familienrecht.net-Team

      Reply
  6. Bernd

    Wenn die Erbengemeinschaft bei Tod des Vaters eine Abschichtung des Erbes zugunsten der noch lebenden Mutter plane, so dass diese Alleinerbin ist. Muss ich und meine beiden Geschwister dann trotzdem zuvor das Erbe annehmen?

    Reply
    1. familienrecht.net

      Hallo Bernd,

      eine aktive Erbannahme ist in aller Regel nicht erforderlich. Wird das Erbe nicht innerhalb der Frist ausgeschlagen, gilt es regelmäßig automatisch als angenommen.

      Ihr familienrecht.net-Team

      Reply
  7. Gerda

    Mein Mann hat nach 9 Jahren sein Erbe noch nicht sangenommen. Hat er noch ein Recht drauf? Und wie muss er das beantragen? Er ist sehr krank.

    Reply
    1. familienrecht.net

      Hallo Gerda,

      die Annahme eines Erbes erfolgt in der Regel automatisch, wenn dieses nicht innerhalb der Frist ausgeschlagen wird. Hier ist ggf. der Kontakt zu den Miterben erforderlich.

      Ihr familienrecht.net-Team

      Reply
  8. Petra

    Meine Eltern haben das Berliner Testament gewählt. Was müssen wir Kinder unernehmen, damit der Pflichtteil nach dem Tod meines Vaters nicht ausgezahlt werden muss?

    Reply
    1. familienrecht.net

      Hallo Petra,

      einen entsprechenden Rat kann der Anwalt Ihrer Eltern im Rahmen der Aufsetzung des Berliner Testaments geben.

      Ihr familienrecht.net-Team

      Reply
  9. Uwe

    Mein Vater und seine Frau hatten ein „Berliner Testament“, indem sie sich gegenseitig als Alleinerben eingesetzt hatten.
    Vor 5 Jahren ist seine Frau verstorben, die hat einen Sohn. Nun ist auch unser Vater verstorben und er hat 2 Kinder. Er lebte die letzten Jahre in einer „Betreuten Wohnung“. Da lernte er auch eine neue Frau kennen, die er in jeglicher Hinsicht zu Lebzeiten gut bedacht hat.
    Wie verhält sich die Aufteilung des Erbes jetzt? Wir haben keine Verbindung zu diesem Sohn – wissen aber, dass er sehr misstrauisch ist. Der Sohn ist als Erbe angeschrieben und hat das Erbe angenommen. Wie geht das jetzt weiter?

    freundlichst Uwe

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  10. Sylvia

    Meine Oma ist am 21. März diesen Jahres verstorben. Ihr Mann verstarb schon 20 Jahre vor ihr. Die beiden hatten ein Berliner Testament, wo auch die drei Erben mit eingeschrieben wurden.(1997) danach verfasste meine Oma eine neue Verfügung, um festzuhalten, dass ihr Enkel aus dem Erbe gestrichen wird. (die Mutter(ihre Tochte) ist verstorben von ihrem Enkel)….
    Nun wurde das gesamte Ersparte von ihrem Konto für die Beerdigung genommen. und jetzt erhielten wir Post vom Amtsgericht, dass ein Erbschein beantragt wurde und die 3! Erben ihr Erbe antreten möchten…..
    Warum jetzt 3! Mein Cousin wurde doch enterbt….(er wollte übrigens auch schon seinen Pflichteil einfordern)

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  11. Hanna

    Die entfernte Verwandte meiner Bekannten ist verstorben und hat meiner Bekannten viel vererbt. Nun ist die Frage, wie sie nun vorgehen sollte. Die drei Schritte, wie man ein Erbe annimmt, werde ich ihr mal weiterleiten. Ich denke aber, sie hat sich nun einen Anwalt für Erbrecht genommen, um nichts falsch zu machen.

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