Erbenermittlung: Die Suche nach Erbberechtigten

Kurz und knapp

  1. Ziel der Erbenermittlung ist es, entfernte Verwandte, die aufgrund der gesetzlichen Erbfolge einen Anspruch auf den Nachlass haben, ausfindig zu machen.
  2. In der Regel fällt diese Suche in den Aufgabenbereich des zuständigen Nachlassgerichts bzw. des entsprechenden Nachlasspflegers. Kommen diese nicht weiter, kann ggf. auch ein professioneller Erbenermittler tätig werden.
  3. Diese arbeiten auf Erfolgsbasis und gehen dabei in Vorleistung. Denn Erbenermittler erhalten ihr Honorar, dessen Höhe in Abhängigkeit zur Erbmasse steht, erst bei der Auszahlung des Erbes.
Wann eine Erbenermittlung durch das Nachlassgericht erfolgt, erfahren Sie in diesem Ratgeber.
Wann eine Erbenermittlung durch das Nachlassgericht erfolgt, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Es kommt immer wieder vor, dass Familien im Streit auseinandergehen und der Kontakt vollkommen abbricht. Über Jahrzehnte und Generationen kann dadurch ein bestehendes Verwandtschaftsverhältnis vollkommen in Vergessenheit geraten. Ein Umstand, der vor allem dann relevant ist, wenn es möglicherweise etwas zu erben gibt. Denn um weitverzweigte Erbfolgen nachzuverfolgen, ist ggf. eine professionelle Erbenermittlung notwendig. 

Wann ist eine Erbenermittlung notwendig?

Durch die Erbensuche können unbekannte Verwandtschaftsverhältnisse aufgedeckt werden.
Durch die Erbensuche können unbekannte Verwandtschaftsverhältnisse aufgedeckt werden.

Die deutsche Geschichte ist bewegt und hat ihre Spuren aufgrund von Flucht, Vertreibung sowie Auswanderung auch innerhalb von Familien hinterlassen. Aus diesem Grund ist es teilweise nicht einfach, bei einem Nachlass die rechtmäßigen Erben zu ermitteln.

Denn hat der Erblasser seinen letzten Willen weder in einem Testament noch einem Erbvertrag festgehalten, greift die gesetzliche Erbfolge. Kommen hierbei nahe Angehörige wie Kinder, Enkel, Eltern oder Geschwister nicht (mehr) infrage, kann sich die Suche nach Erben kompliziert gestalten.

In solchen Fällen muss das Nachlassgericht eine Erbenermittlung durchführen. Denn der Gesetzgeber schreibt eine sogenannte Ermittlungspflicht vor, welche sich aus § 1960 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) ergibt. Alternativ dazu kann auch der Nachlasspfleger, welcher als gesetzlicher Vertreter der unbekannten Erben fungiert und zum Beispiel die Wohnung des Verstorbenen auflöst, mit der Ermittlung von Erben beauftragt werden.

Verläuft die Erbensuche vom Nachlassgericht im Sande, erfolgt eine öffentliche Aufforderung. Hierbei handelt es sich in der Regel um eine öffentliche Bekanntmachung oder es wird eine Anzeige geschaltet. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, einen Profi mit der Erbenermittlung zu beauftragen.

Übrigens! In Süddeutschland erfolgt die Erbenermittlung von Amts wegen durch das Nachlassgericht. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Nachlasswert die Kosten der Beerdigung übersteigt.

Wissenswertes zu professionellen Erbenermittlern

Es ist keine gesonderte Ausbildung vorgeschrieben, um Erben zu ermitteln.
Es ist keine gesonderte Ausbildung vorgeschrieben, um Erben zu ermitteln.

War die Erbenermittlung von Nachlassgericht oder Nachlasspfleger nicht erfolgreich, können diese einen Erbenermittler beauftragen, damit diese mögliche Erben suchen und deren Erbanspruch belegen. Alternativ dazu besteht aber auch die Möglichkeit, dass sich ein solcher aufgrund der öffentlichen Bekanntmachung von selbst mit dem Fall befasst und Nachforschungen betreibt.

Für die Tätigkeit als Erbenermittler ist keine gesonderte Ausbildung vorgeschrieben bzw. notwendig. Allerdings arbeiten häufig Juristen oder Historiker in diesem Bereich. Dabei gilt es aber zu beachten, dass es sich hierbei nicht um eine geschützte Berufsbezeichnung handelt, sodass es auch schwarze Schafe in der Branche geben kann.

Daher sollten Sie vor einer Beauftragung unbedingt darauf achten, dass der Vertrag keine Vorauszahlung vorsieht, sondern die Auszahlung erst nach der Annahme des Erbes und dem Erhalt des Erbteils erfolgt. So bleibt die Zahlung aus, wenn sich am Ende der Erbenermittlung kein Erbanspruch ergibt.

Die Erbenermittlung beschäftigt sich mit sensiblen Personendaten, die unter den Datenschutz fallen können. Aus diesem Grund sind die für die Erbensuche notwendigen Informationen auch nicht für jedermann zugänglich. Daher benötigen Erbenermittler eine rechtliche Legitimation. Diese kann zum Beispiel der Nachlasspfleger ausstellen. Alternativ dazu können Privatpersonen auch eine sogenannte Ermittlungsvollmacht erteilen, um die Aufklärung von Erbangelegenheiten zu ermöglichen.

Vorgehensweise: Wie werden Erben ermittelt?

Die Suche nach Erben kann sehr viel Zeit kosten und in so manche Sackgasse führen.
Die Suche nach Erben kann sehr viel Zeit kosten und in so manche Sackgasse führen.

Bei der Erbenermittlung handelt es sich in den meisten Fällen um eine mühsame und zeitintensive Tätigkeit, bei der es darum geht, die Irrungen und Wirrungen eines Stammbaums aufzudecken. Aus diesem Grund kann die Recherche nach potenziellen Erben durchaus mehrere Monate oder sogar Jahre in Anspruch nehmen. Möglich ist dies, weil bei der Erbenermittlung keine konkreten Fristen gelten.

Ausgangspunkt für die Nachforschungen sind in der Regel der Name des Erblassers sowie Informationen zu nahen Verwandten. Im Zuge ihrer Arbeit durchforsten die Erbenermittler Archive, stellen Anfragen bei Standesämtern sowie Melderegistern und nutzen verschiedenste öffentliche Datenbanken.

Wurde durch die Recherche eine Person mit Erbanspruch gefunden, erhält diese Post vom Erbenermittler. Der Brief informiert über den Nachlass und beinhaltet zudem einen Vertrag, der insbesondere die Vergütung im Austausch für den Nachweis des Erbanspruches beinhaltet.

Der Empfänger ist grundsätzlich nicht dazu verpflichtet, diesen Vertrag einzugehen und kann auch selbstständig Belege für die Verwandtschaft beim zulässigen Nachlassgericht vorbringen. Da die Profis dieses Risiko kennen, enthält das Schreiben oft nicht alle notwendigen Informationen. So können zum Beispiel entscheidende Angaben zum zuständigen Nachlassgericht oder zum Erblasser fehlen.

Verläuft trotz intensiver Recherche die Erbenermittlung erfolglos, tritt gemäß deutschem Erbrecht der Staat in letzter Konsequenz als Erbe auf. Geregelt ist dies durch die sogenannte Fiskalerbschaft. Demnach ist das jeweilige Bundesland, in dem der Erblasser zuletzt gemeldet war, für den Nachlass verantwortlich. In § 1936 BGB heißt es dazu:

Ist zur Zeit des Erbfalls kein Verwandter, Ehegatte oder Lebenspartner des Erblassers vorhanden, erbt das Land, in dem der Erblasser zur Zeit des Erbfalls seinen letzten Wohnsitz oder, wenn ein solcher nicht feststellbar ist, seinen gewöhnlichen Aufenthalt hatte. Im Übrigen erbt der Bund.

Was kann eine Erbenermittlung kosten?

Honorar für die Ermittlung von Erben: Die Erbmasse spielt eine entscheidende Rolle.
Honorar für die Ermittlung von Erben: Die Erbmasse spielt eine entscheidende Rolle.

Wie zuvor bereits ausgeführt, erfolgt bei der professionellen Erbenermittlung die Bezahlung in der Regel auf Erfolgsbasis, also wenn eine Person aufgrund der Nachforschungen als Erbe anerkannt wird und seinen Erbanteil erhält.

Daher müssen die mit der Erbermittlung beauftragten Personen in Vorleistungen treten und zum Beispiel die Ausgaben für Auskünfte von Behörden erst einmal selbst tragen. Besonders kostenintensiv kann sich dies gestalten, wenn die Recherche im Ausland erfolgt. Denn in solchen Fällen fallen unter anderem Kosten für Reisen, Unterkünfte  und Übersetzer an.

Aus diesem Grund müssen Erbermittler immer gründlich abwägen, ob sich der Aufwand und auch das Risiko der Vorkasse bei einem Fall lohnen. Daher erfolgt eine Erbermittlung häufig erst ab einem Nachlasswert von mindestens 25.000 Euro.

Da es sich bei der Tätigkeit als Erbenermittler nicht um eine geschützte Berufsbezeichnung handelt, schreibt der Gesetzgeber keine festen Gebührensätze vor – wie dies beispielsweise bei Anwälten oder Notaren der Fall ist. In der Regel beläuft sich das Honorar abhängig vom Aufwand auf 10 bis 30 Prozent des Nachlasswertes. Somit hängt die Höhe der Vergütung grundsätzlich von der Erbmasse bzw. dem Erbteil ab, welche die ermittelte Person erhält.

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