Erbschein beantragen: Wo ist dies möglich?

Kurz und knapp

  1. Durch einen Erbschein können Personen ihr Erbrecht und somit den Anspruch auf das Erbe nachweisen.
  2. Notwendig ist dieser, wenn die Erben kein Testament bzw. keinen Erbvertrag vorlegen können.
  3. Der Antrag kann beim Gericht oder Notar gestellt werden und geht mit Kosten einher.
  4. Wo Sie den Erbschein beantragen müssen, hängt vom letzten Wohnort des Erblassers ab. Daraus ergibt sich die Zuständigkeit der Nachlassgerichte.
Wie beantrage ich einen Erbschein? In diesem Ratgeber erfahren Sie es!

Wie beantrage ich einen Erbschein? In diesem Ratgeber erfahren Sie es!

Der Tod eines Verwandten ist für die Hinterbliebenen häufig emotional sehr belastend. Allerdings kommt die Zeit für die Trauer nicht selten zu kurz, weil Vorkehrungen für die Beerdigung getroffen werden müssen. Außerdem sind meist verschiedene Behördengänge notwendig, um zum Beispiel einen Erbschein zu beantragen.

Wofür wird ein Erbschein benötigt?

Beim Erbschein handelt es sich um einen Nachweis über das Erbrecht, welcher unter anderem darüber Auskunft gibt, ob es sich bei einer Person um den Alleinerben oder das Mitglied einer Erbengemeinschaft handelt.

Wann muss ein Erbschein beantragt werden? Vor allem bei Immobilien in der Erbmasse ist dies notwendig.

Wann muss ein Erbschein beantragt werden? Vor allem bei Immobilien in der Erbmasse ist dies notwendig.

Das Dokument wird Ihnen weder automatisch zugestellt noch können Sie einen Erbschein einfach bestellen, sondern hierfür ist ein Antrag notwendig.

Dieser ist mit Kosten verbunden, weshalb Sie für sich klären sollten, ob Sie diesen Nachweis wirklich brauchen. Insbesondere wenn ein notarielles Testament oder ein Erbvertrag vorliegt, muss man nicht unbedingt einen Erbschein beantragen.

Um die Beantragung eines Erbscheins kommen Erben meist dann nicht herum, wenn zum Erbe Immobilien gehören, für die eine Grundbuchberichtigung nötig ist. Zudem fordern Banken häufig einen Erbnachweis, zum Beispiel wenn das Konto des Erblassers aufgelöst oder Überweisungen getätigt werden sollen.

Sind Sie im Besitz von Vollmachten, die auch über den Tod hinaus gültig sind, kann unter Umständen darauf verzichtet werden, einen Erbschein zu beantragen.

Wer kann einen Erbschein beantragen?

Grundsätzlich kann jeder Erbe den Antrag auf einen Erbschein stellen, um dadurch ein Zeugnis über sein Erbrecht zu erhalten. Dabei ist irrelevant, ob der Anspruch am Nachlass aufgrund von einem Testament bzw. Erbvertrag oder der gesetzlichen Erbfolge besteht.

Existieren mehrere Erben, die eine sogenannte Erbengemeinschaft bilden, besteht die Möglichkeit, dass jeder einen Teilerbschein beantragt. Dieser wird nur dem jeweiligen Antragsteller erteilt und enthält auch nur die entsprechende Größe des Erbanteils.

Sollen alle Erben mit ihren Anteilen am Nachlass aufgeführt werden, ist ein gemeinschaftlicher Erbschein zu beantragen. Sind Minderjährige erbberechtigt, müssen die Eltern bzw. sorgeberechtigte Personen den Antrag stellen.

Muss jeder Erbe einen Erbschein beantragen?

Sie sind nicht dazu verpflichtet, einen Erbschein zu beantragen.

Sie sind nicht dazu verpflichtet, einen Erbschein zu beantragen.

Sie sind generell nicht verpflichtet, einen Erbschein zu beantragen. Insbesondere wenn Sie Alleinerbe sind und es sich beim Nachlass nur um ein kleines Sparbuch handelt, kann ggf. auf einen Nachweis des Erbrechts verzichtet werden. Nicht selten sind Sie dann aber auf die Kulanz von Banken und anderen Unternehmen angewiesen.

Allerdings gibt es keine Fristen, die festlegen, wann ein Erbschein zu beantragen ist. Aus diesem Grund können Sie auch Jahre später einen Antrag stellen, sollte sich der Erbschein als notwendig erweisen.

Erbschein: Wo beantragen Sie das Dokument?

Möchten Sie den Antrag auf Erteilung eines Erbscheins stellen, stehen Ihnen dafür zwei Optionen zur Verfügung: das Nachlassgericht und ein Notar.

Wo Sie den Erbschein beantragen können, ergibt sich aus dem letzten Wohnort des Erblassers. Denn gemäß dem Gesetz über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit (FamFG) § 343 Abs. 1 und 2 ergibt sich:

  1. Örtlich zuständig ist das Gericht, in dessen Bezirk der Erblasser im Zeitpunkt seines Todes seinen gewöhnlichen Aufenthalt hatte.
  2. Hatte der Erblasser im Zeitpunkt seines Todes keinen gewöhnlichen Aufenthalt im Inland, ist das Gericht zuständig, in dessen Bezirk der Erblasser seinen letzten gewöhnlichen Aufenthalt im Inland hatte.

Möchten Sie nicht selbst vor dem Nachlassgericht vorstellig werden, können Sie auch über einen Notar den Erbschein beantragen. Der Notar beurkundet den Antrag und nimmt zudem die eidesstattliche Versicherung ab, mit der Sie die Richtigkeit Ihrer Angaben bekräftigen.

Nicht immer ist es möglich, beim Nachlassgericht einen (kurzfristigen) Termin zu erhalten. Wer schnell einen Erbschein benötigt, ist deshalb in der Regel mit einem Notar besser beraten.

Unterlagen für den Erbscheinsantrag

Wo beantrage ich einen Erbschein? Das zuständige Amtsgericht ergibt sich aus dem letzten Wohnort des Erblassers.

Wo beantrage ich einen Erbschein? Das zuständige Amtsgericht ergibt sich aus dem letzten Wohnort des Erblassers.

Um einen Erbschein zu beantragen, sind verschiedene Unterlagen notwendig. Diese müssen Sie in der Regel immer als Original mit dem Erbscheinsantrag einreichen bzw. vorlegen. Ist das Verfahren abgeschlossen, erhalten Sie diese zurück.

Benötigen Sie die Dokumente für andere Behördengänge, kann es sinnvoll sein, zuvor notariell beglaubigte Kopien anfertigen zu lassen.

Um einen Erbschein zu beantragen werden beim Notar oder Nachlassgericht folgende Unterlagen benötigt:

  • Personalausweis oder Reisepass
  • Sterbeurkunde vom Erblasser
  • Familienstammbuch
  • Namen und Anschriften der Miterben und sonstiger Verwandter
  • ggf. Testament oder Erbvertrag bzw. Informationen über deren Verwahrstellen

Das Familienstammbuch enthält in der Regel beglaubigte Abschriften der Heiratsurkunde, der Geburtsurkunden der Kinder sowie Sterbeurkunden. Insbesondere durch die Stammbücher früherer Generationen lassen sich die Verwandtschaftsverhältnisse belegen. Dies ist insbesondere dann von großer Relevanz, wenn die gesetzliche Erbfolge greift und Sie Ihr Erbrecht dokumentieren müssen.

Eheleute müssen zudem den Güterstand angeben. Gleiches gilt gemäß Erbrecht für den Vermögensstand bei einer eingetragenen Lebenspartnerschaft.

Erbschein beantragen: Welche Kosten fallen an?

Die Beantragung eines Erbscheins ist grundsätzlich mit Kosten verbunden. Diese sind vom Antragsteller also dem Erben zu tragen und werden nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) berechnet. Die Höhe ergibt sich dabei aus dem Nachlasswert.

Möchten Sie einen Erbschein beantragen, fällt dafür gemäß GNotKG eine 1,0 Gebühr nach Nr. 12210 aus dem Kostenverzeichnis (KV) an. Wie hoch diese Gebühr bei verschiedenen Nachlasswerten ausfällt, zeigt die nachfolgende Tabelle:

Nachlasswert in Euro1,0 Gebühr Nr. 12210 KV GNotKG
500,0015,00
5.000,0045,00
50.000,00165,00
500.000,00935,00
1.000.000,001.735,00

In der Regel bedarf der Antrag zudem einer eidesstattlichen Versicherung, für die ebenfalls eine einfache Gebühr (Nr. 23300 KV GNotKG) berechnet wird. Dadurch verdoppeln sich die in der Tabelle aufgeführten Gebühren.

Grundsätzlich fallen beim Nachlassgericht und Notar die identischen Gebühren an. Allerdings muss der Notar auf diese noch die gesetzliche Mehrwertsteuer in Höhe von 19 Prozent erheben, beim Gericht entfällt hingegen die Steuer für die Erben.
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