Erbschein: Welche Kosten fallen dabei an?

Kurz und knapp

  1. Für den Erbschein fallen grundsätzlich Kosten an, die sich aus dem Nachlasswert ergeben.
  2. Dieser kann sowohl beim Nachlass­gericht als auch beim Notar beantragt werden.
  3. Die Gebühren fallen beim Erbschein für den Antrag und die Erteilung an.
Was kostet ein Erbschein? In diesem Ratgeber erfahren Sie es?

Was kostet ein Erbschein? In diesem Ratgeber erfahren Sie es?

Um nach dem Tod eines Verwandten alle notwendigen Behördengänge zu absolvieren und anderen Verpflichtungen nachzukommen, benötigen die Erben nicht selten einen Erbschein. Einen solchen Nachweis über das Erbrecht müssen Sie extra beantragen. Dabei fallen für den Erbschein Kosten an.

Erbscheinkostenrechner (unverbindliche Einschätzung)

Wann sind die Ausgaben eines Erbscheins nötig?

Beim Erbschein handelt es sich um einen Nachweis über Ihr Erbrecht, welcher beim Nachlassgericht oder bei einem Notar beantragt werden muss. Allerdings benötigen Sie nicht in jedem Fall einen solchen Nachweis dazu, weshalb Sie vorab prüfen sollten, ob ein Erbschein samt anfallender Kosten auch notwendig sind.

Erbrecht: Liegt ein Testament vor, können unter Umständen die Kosten für einen Erbschein vermieden werden.

Erbrecht: Liegt ein Testament vor, können unter Umständen die Kosten für einen Erbschein vermieden werden.

So ist es beispielsweise möglich, die beim Erbschein anfallenden Gebühren zu vermeiden, wenn ein Testament oder ein Erbvertrag vorliegen. Gleiches kann unter Umständen gelten, wenn eine General­vollmacht existiert, die auch über den Todesfall hinweg ihre Gültigkeit behält.

Allerdings bestehen insbesondere Banken auf die Vorlage eines Erbscheins, bevor diese größere Transaktionen oder eine Kontoauflösung durchführen. Bei geringen Beträgen können Sie unter Umständen aber auf die Kulanz des Finanzdienstleisters hoffen.

Befinden sich allerdings Immobilien in der Erbmasse, bestehen die Grundbuchämter in der Regel auf einen Erbschein. Liegt dieser nicht vor, erfolgt die Berichtigung der Einträge im Grundbuch nicht.

Was kostet der Erbschein?

Wenn Sie einen Erbschein beantragen, verursacht dies Kosten. Diese ergeben sich aus dem Nachlasswert und werden anhand des Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) berechnet. Das Kostenverzeichnis (KV) sieht dabei eine 1,0 Gebühr nach Nr. 12210 vor.

Wie sich beim Erbschein die Kosten berechnen und wie diese abhängig vom Nachlasswert variieren, zeigt der nachfolgende Auszug aus der Kostentabelle B des GNotKG:

Nachlasswert in Euro1,0 Gebühr Nr. 12210 KV GNotKG
500,0015,00
5.000,0045,00
50.000,00165,00
500.000,00935,00
1.000.000,001.735,00

Allerdings fallen noch weitere Kosten beim Erbscheinsantrag an, denn auch für die Erteilung des Nachweises erhebt das Nachlassgericht eine Gebühr. Auch dabei handelt es sich gemäß GNotKG um eine einfache Gebühr, weshalb sich die Angaben in der Tabelle verdoppeln.

Durch das GNotKG werden beim Erbschein einheitliche Kosten sowohl beim Nachlassgericht als auch beim Notar gewährleistet. Allerdings ist der Notar dazu verpflichtet, die gesetzliche Mehrwertsteuer in Höhe von 19 Prozent abzurechnen. Diese entfallen beim Nachlassgericht, sodass dort nur die Gerichtskosten für den Erbschein anfallen.

Wer muss die Kosten für den Erbschein tragen?

Wer beim Erbschein die Kosten zu tragen hat, ist in § 22 GNotKG festgelegt. Darin heißt es:

In gerichtlichen Verfahren, die nur durch Antrag eingeleitet werden, schuldet die Kosten, wer das Verfahren des Rechtszugs beantragt hat, soweit nichts anderes bestimmt ist.

Demnach muss der jeweilige Antragsteller – zumeist der jeweilige Erbe – für die Kosten des Erbscheins aufkommen. Prüfen Sie daher, ggf. mithilfe eines Anwalts für Erbrecht, ob Sie diesen Nachweis wirklich benötigen.

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3 thoughts on “Erbschein: Welche Kosten fallen dabei an?

  1. Irene

    Mein Schwager (Bruder meines geschiedenen Mannes) ist hoch verschuldet verstorben. Muss mein Sohn das hoch verschuldete Erbe annehmen, wenn er keine Kenntnis vom Tod seines Onkels hatte?

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    1. familienrecht.net

      Hallo Irene,

      die Frist für die Erbausschlagung beginnt in der Regel ab dem Zeitpunkt der Kenntnisnahme des Erbanfalls.

      Ihr familienrecht.net-Team

      Reply
  2. Christine

    Ich habe ein 1/4 wohnung von meinem Vater in Frankreich geerbt, seine jetzige Frau hat ein Lebenslanges Wohnrecht darin. Nun kann ich dem Französischen Notar, die gebühren in höhe von 900 € nicht bezahlen.
    Meine Schwester muss auch 900€ bezahlen seine Frau 1800€
    Durch meine kleine Rente ist es mir nicht möglich dies zu bezahlen. Bargeld hat mir mein Vater nicht hinterlassen.

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