Erbschleicher – wenn Gauner an Omas Vermögen wollen

Kurz und knapp

  1. Erbschleicher beeinflussen zukünftige Erblasser, um einen Anteil am Erbe zu erhalten.
  2. Möglich ist dies zum Beispiel durch die Anpassung eines Testamentes zu ihren Gunsten.
  3. Es existiert kein Tatbestand „Erbschleicherei“ im Strafgesetzbuch (StGB), allerdings können andere Vergehen, wie etwa Betrug oder Urkundenfälschung Sanktionen rechtfertigen.
Welche Möglichkeiten Sie bei einem Erbschleicher in der eigenen Familie haben, verrät unser Ratgeber.

Welche Möglichkeiten Sie bei einem Erbschleicher in der eigenen Familie haben, verrät unser Ratgeber.

Durch das deutsche Erbrecht und die darin definierte Testierfreiheit steht es uns grundsätzlich frei darüber zu entscheiden, an wen wir nach unserem Ableben unsere Vermögenswerte vererben. Diese Freiheit kann aber auch ihre Schattenseiten haben, denn hier wittern Betrüger – sogenannte Erbschleicher – ihre Chance.

Was ist ein Erbschleicher?

Bei der Erberschleichung werden in der Regel ältere Menschen getäuscht und betrogen.

Bei der Erberschleichung werden in der Regel ältere Menschen getäuscht und betrogen.

Ein Erbschleicher ist laut Definition eine Person, welche auf widerrechtliche und unmoralische Art und Weise versucht, an den Besitz einer Erbschaft zu gelangen. Dafür nehmen die Täter Einfluss auf den zukünftigen Erblasser, um ein Testament bzw. eine Änderung eines solchen zu ihren Gunsten zu erwirken.

Dabei machen Sie sich in der Regel den Umstand zu Nutze, dass sich die potenziellen Opfer nach Aufmerksamkeit und Unterstützung sehnen. Daher handelt es sich bei diesen häufig um alte und alleinstehende bzw. kranke Menschen.

Die Methoden, mit welchen sich ein Erbe erschleichen lässt, sind grundsätzlich vielfältig. Neben der Einsetzung als Erbe durch ein Testament lassen sich Vermögenswerte zum Beispiel auch durch die Tätigkeit als Testamentsvollstrecker unterschlagen. Durch den engen Kontakt zum Erblasser können Erbschleicher ggf. auch Testamente verschwinden lassen oder eine gefälschte Verfügung von Todes wegen beim Nachlassgericht einreichen.

Zu den extremsten Formen der Erberschleichung zählt vermutlich die Einsetzung als rechtmäßiger Erbe durch eine Heirat oder eine Adoption. Hierbei bauen die Täter eine emotionale Verbindung zum Opfer auf, nur um diese dann nach der Eheschließung bzw. der Adoption wieder erkalten zu lassen. Der Erbschleicher ist durch dieses Vorgehen begünstigt von der gesetzlichen Erbfolge.

Ist Erbschleicherei ein Straftatbestand?

Erbschleicher anzeigen: Die Option besteht zum Beispiel bei Betrug oder Nötigung.

Erbschleicher anzeigen: Die Option besteht zum Beispiel bei Betrug oder Nötigung.

Erbschleicherei ist gemäß Strafrecht grundsätzlich kein Tatbestand, welcher an sich eine Verurteilung rechtfertigt. Schließlich steht es dem künftigen Erblasser durchaus frei, über seinen Nachlass zu verfügen und beliebige Personen mithilfe eines Testaments als Erben einzusetzen. Dies gilt insbesondere dann, wenn dieser den Erbschleicher freiwillig bedenkt.

Allerdings kann sich ein Erbschleicher strafbar machen, wenn er sein Erbrecht aufgrund von Betrug, Nötigung, Urkundenfälschung oder Untreue erworben hat. Zwar kann auch in diesem Fall keine Anzeige wegen Erbschleicherei erfolgen, aber die genannten Tatbestände können zu strafrechtlichen Ermittlungen gegen den Erbschleicher führen.

Erfolgversprechend ist dies allerdings in der Regel nur dann, wenn Sie die Vorwürfe auch mit entsprechenden Beweisen belegen können. Dabei kann es sich zum Beispiel um Briefe oder auch Nachrichten auf dem Anrufbeantworter handeln. Lässt sich dem Erbschleicher ein rechtswidriges Verhalten nachweisen, kann dies zur Erbunwürdigkeit gemäß § 2339 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) führen. Dieser verliert dadurch seinen Anspruch auf das Erbe.

Ob eine Anzeige gegen einen vermeintlichen Erbschleicher in Ihrem individuellen Fall Sinn macht und ob die Beweislage erfolgversprechend ist, sollten Sie ggf. gemeinsam mit einem Anwalt für Erbrecht abwägen.

An welchen Merkmalen lässt sich ein Erbschleicher erkennen?

Erbschleicherin oder freundliche Nachbarin? Die Einschätzung fällt oft nicht leicht.

Erbschleicherin oder freundliche Nachbarin? Die Einschätzung fällt oft nicht leicht.

In der Regel ist es nicht gerade einfach, einen Verdacht auf Erbschleicherei auch zu beweisen. Denn nicht selten fällt die Einschätzung schwer, wo ehrliche Zuwendung aufhört und das Vorgehen von einem Erbschleicher beginnt.

Daher gilt es auf Hinweise, welche auf eine unzulässige Beeinflussung des Erblassers hinweisen, zu achten. Folgende Indizien können dabei unter anderem ein Anzeichen für die Tätigkeit von einem Erbschleicher sein:

  • Jemand äußert gegenüber dem zukünftigen Erblasser gezielte Falschinformationen. („Deine Tochter möchte dich ins Heim abschieben, weil sie sich nicht um deine Pflege kümmern will.“)
  • Eine Bezugsperson verlangt als Ausgleich für Zuwendung oder Pflege einen Anteil am Erbe.
  • Der Erblasser verändert seinen letzten Willen mehrmals in einem kurzen Zeitraum, wobei dies zeitlich mit Besuchen des Begünstigten übereinstimmt.
  • Der vermeintliche Erbschleicher versucht den Kontakt zu anderen möglichen Erben oder Bezugspersonen zu verhindern, um eine Abhängigkeit zu erzeugen.
Schutz vor Erbschleichern können zum Beispiel ein Ehegattentestament oder ein Erbvertrag ermöglichen. Zudem besteht die Möglichkeit, dass Kinder für ihre Eltern eine Betreuung beim Amtsgericht beantragen, wenn diese zum Beispiel an Demenz leiden.
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2 thoughts on “Erbschleicher – wenn Gauner an Omas Vermögen wollen

  1. K.

    Bei mir wird die Erschleichung durch die eignen Schwester betrieben die Jura studiert hat und daher rechtliche Tricks kennt.
    Als sie gekündigt wurde hat sie die Betreuung der dementen Eltern übernommen und diese heimlich bei einem Anwalt eine Vorsorgevollmacht unterschrieben lassen die wohl auch beinhaltet dass sie nicht dokumentieren muss was sie mit dem Vermögen der Eltern macht und gleich einen befreundeten Anwalt beauftragt und den Rest der Familie mit Polizei usw. bedroht als wir die Unterlagen einsehen wollten.. Die Eltern haben dem unbekannten Anwalt ein Mandat erteilt weil die Schwester sonst gedroht hat die Betreuung einzustellen. Einblick in die finanziellen Unterlagen ist nicht möglich aber es wurde ein Neuwagen angeschafft und die Schwester hat eine Schönheit OP gemacht und gibt das Vermögen der Eltern in vollen Zügen aus.

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  2. A.

    In unserem Fall haben sich mehrere Juristen bzw. Politiker am Vermögen der Mutter zu schaffen gemacht. Als die Mutter im Krankenhaus lag und wir leider keinen Kontakt hatten, nutzte einer die Gunst der Stunde und schrieb ein Testament in dem er sich selbst als Alleinerbe eingesetzt hat. Seine Kanzlei befindet sich ggü. vom Krankenhaus…. Er organisierte sich eine Unterschrift, die er der Mutter unter Vortäuschung falscher Tatsachen auf einer Blanco-Seite abverlangte. Die ansonsten leere Seite wurde an das von ihm geschriebene Testament geheftet und schnellstmöglich mit einem befreundeten hochrangigen Politiker und Notar “beurkundet”, um es juristisch “abzusichern”. Die Mutter war indes eine Arbeiterfrau, die nie mit Politkern zu tun hatte. Im Krankenhaus hörten die Ärzte auf den energischen “Anwalt” und taten alles, was dieser verlangte. Sie schrieben sogar einen fragwürdigen Befund zu seinen Gunsten, zur Geschäftsfähigkeit der Mutter. Im Krankenhaus wurde weder nach Angehörigen gefragt noch nach ihnen recherchiert – die Misere im Gesundheitswesen macht’s möglich. Der Anwalt wußte, dass es eine Tochter gibt, hielt diese aber heimlich von der schwerstkranken Mutter fern. Nach dem Tod wartete er noch mehrere Wochen ab, bis alles in trockenen Tüchern war und die Strategie kriminell durchdacht. Dann erst informierte er die Tochter über den Tod der Mutter. Zu dem Zeitpunkt hatte er die Mutter sogar schon einäschern lassen. Auch dies ist möglich: jeder darf jeden in diesem Lande beerdigen, sobald er es bezahlt…. Längst hatte der Anwalt das Konto der Mutter leer geräumt, lange vor Testamentseröffnung, was illegal ist. Die Tochter brauchte er nur noch für den Rest aller Zeiten vom Elternhaus fernzuhalten, um sämtlich Beweise vereiteln zu können, alles in Ruhe zu veräußern, seine Geschäfte bestmöglich zu verdecken. Solange nicht das Gegenteil bewiesen war, galt er vor Gericht erst einmal als Erbe und hatte für die Zwischenzeit vollkommen freie Hand. Vor den Gerichten bekam die Tochter keinerlei Chance, ihr wurde juristisch kein „Beteiligungsrecht“ zugestanden, weil sie aufgrund eines früheren Testamentes der Mutter enterbt war. Das dt. Recht gesteht Enterbten nur ein Recht auf Geldauszahlung und auf Erteilung eines Nachlassverzeichnisses zu, mehr nicht. Elternhaus betreten etc.: keine Möglichkeit! Die völlig überarbeitete Staatsanwaltschaft schob den Fall indes schnellstmöglich und ungeprüft vom Tisch und schützte somit den Anwalts-Kollegen und seine politisch-juristische Entourage. Da es keinen § im StGB gg. Erbschleicherei gibt, ist Erbschleicherei ein kinderleichtes und einträgliches Geschäft, insbesondere für juristisch informierte sog. Vertrauenspersonen wie Anwälte, Betreuer, Notare, Steuerberater, Pfleger etc.. Hierzulande kommen immer mehr Fälle dieser Art vor die Gerichte, es gibt ganze Erbschleichbanden, die sich ggs. Absichern, insbesondere sind auch Juristen involviert. Der kriminellen Erbschleicherei bleiben juristisch alle Türen geöffnet, solange sie staatlich geschützt bleibt, durch Belassen der jetzigen Gesetzgebung und permanente Unterbesetzung der Gerichte und Staatsanwaltschaften!

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