Erbunwürdigkeit: Wann ist das Erbe verwirkt?

Erbunwürdigkeit: Das sollten Sie wissen!

Erbschleicherei Testamentsfälschung

Kurz und knapp

  1. Bei der Erbunwürdigkeit verliert eine erbberechtigte Person ihren Anspruch auf ein Erbe. Dies gilt in der Regel auch für den Pflichtteil.
  2. Dafür müssen allerdings schwerwiegende Gründe vorliegen, welche vom Gesetzgeber definiert sind.
  3. Als erbunwürdig gelten zum Beispiel Erbberechtigte, die den Erblasser vorsätzlich und widerrechtlich töten oder dies versuchen.
Welche Gründe zur Erbunwürdigkeit führen können, erfahren Sie in unserem Ratgeber.

Welche Gründe zur Erbunwürdigkeit führen können, erfahren Sie in unserem Ratgeber.

Befinden sich Personen in einer finanziellen Notlage, kann eine Erbschaft als Glück im Unglück erscheinen. Hilft ein möglicher Erbe allerdings nach und ist zum Beispiel durch eine vorsätzliche Handlung für den Tod des Erblassers verantwortlich, kann dieser damit seinen Anspruch auf den Nachlass verwirken. Juristen sprechen in diesem Zusammenhang von der Erbunwürdigkeit.

Wann gilt eine Person als erbunwürdig?

Bei einem Tötungsversuch können Sie die Anfechtung auf Erbunwürdigkeit geltend machen.

Bei einem Tötungsversuch können Sie die Anfechtung auf Erbunwürdigkeit geltend machen.

Durch die gesetzliche Erbfolge oder eine Verfügung von Todes wegen erhalten Angehörige, Ehepartner oder sonstige Personen einen Anspruch auf das Erbe. Sie gelten daher als erbberechtigt und können daher einen Teil des Nachlasses beanspruchen.

Allerdings kann es unter bestimmten Voraussetzungen auch dazu kommen, dass grundsätzlich erbberechtigte Personen ihr Anrecht auf eine Erbschaft verwirken. Juristen sprechen in diesem Zusammenhang von der Erbunwürdigkeit.

Diese kommt aber nur bei schweren Verfehlungen in Betracht, welche im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) aufgeführt sind. Die strengen Kriterien gelten unter anderem auch deshalb, weil bei der Erbunwürdigkeit ebenso der Pflichtteil oder ein mögliches Vermächtnis entfällt. Gilt ein Erbe also als erbunwürdig, geht er vollkommen leer aus.

Wichtig! Gilt eine Person als erbunwürdig, wird diese so behandelt, als wäre diese nicht mehr am Leben. Bei der gesetzlichen Erbfolge rücken daher in der Regel seine Abkömmlinge nach. Denn diese werden durch die Erbunwürdigkeit gemäß § 2344 BGB nicht automatisch ausgeschlossen.

Erbunwürdigkeit: Welche Gründe können dazu führen?

Welche Voraussetzungen bzw. Ursachen zu einer Erbunwürdigkeit führen können, ist im BGB definiert. In § 2339 Abs. 1 Nr. 1 – 4 BGB werden folgende Erbunwürdigkeitsgründe aufgeführt:

  1. wer den Erblasser vorsätzlich und widerrechtlich getötet oder zu töten versucht oder in einen Zustand versetzt hat, infolge dessen der Erblasser bis zu seinem Tode unfähig war, eine Verfügung von Todes wegen zu errichten oder aufzuheben,
  2. wer den Erblasser vorsätzlich und widerrechtlich verhindert hat, eine Verfügung von Todes wegen zu errichten oder aufzuheben,
  3. wer den Erblasser durch arglistige Täuschung oder widerrechtlich durch Drohung bestimmt hat, eine Verfügung von Todes wegen zu errichten oder aufzuheben,
  4. wer sich in Ansehung einer Verfügung des Erblassers von Todes wegen einer Straftat nach den §§ 267, 271 bis 274 des Strafgesetzbuchs schuldig gemacht hat

Bei den unter viertens aufgeführten Paragraphen handelt es sich unter anderem um die Tatbestände der Urkundenfälschung, mittelbaren Falschbeurkundung, Ausweisänderung, Urkundenunterdrückung oder Veränderung. Somit kann eine Erbunwürdigkeit gemäß BGB auch dann vorliegen, wenn Sie eine aktuellere und für Sie ggf. nachteilige Version eines Testamentes verheimlichen.

Achtung! Eine Erbunwürdigkeit liegt nicht vor, wenn eine, durch Drohung errichtet oder eine manipulierte letztwillige Verfügung noch vor dem Eintritt des Erbfalls für unwirksam erklärt wurde.

Wie können Sie eine Erbunwürdigkeit geltend machen?

Die Erbunwürdigkeitsgründe ergeben sich aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch.

Die Erbunwürdigkeitsgründe ergeben sich aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch.

Liegen einer oder sogar mehrere der zuvor aufgeführten Gründe vor, besteht aufgrund der geltenden Moralvorstellungen die Möglichkeit für eine Erbunwürdigkeit. Allerdings führt ein bestehender Erbunwürdigkeitsgrund nicht automatisch zum Ausschluss des Erbrechts. Denn der Gesetzgeber verlangt in diesem Fall eine Klage gegen den Erbunwürdigen.

Klageberechtigt sind dabei grundsätzlich alle Personen, die von der Erbunwürdigkeit des entsprechenden Erbberechtigten profitieren würden. Dabei handelt es sich bei einem erbunwürdigen, testamentarischen Alleinerben insbesondere um die durch die gesetzliche Erbfolge erbberechtigten Angehörigen.

Die Geltendmachung der Erbunwürdigkeit durch eine Anfechtungsklage ist aber erst nach dem Anfall der Erbschaft zulässig. Das bedeutet, dass das Erbe erst im Nachhinein verloren gehen kann. Allerdings ist eine solche Anfechtung nicht unbegrenzt möglich. Denn gemäß § 2082 muss diese binnen einer Jahresfrist erfolgen. Die Frist beginnt mit dem Zeitpunkt, in welchem der Klageberechtigte vom jeweiligen Anfechtungsgrund Kenntnis erlangt.

Darüber hinaus ist eine Anfechtung zur Geltendmachung der Erbunwürdigkeit auch in dann ausgeschlossen, wenn seit dem Erbfall 30 Jahre verstrichen sind. Erfahren möglichen Erben also nach 31 Jahren, dass ein Testament aufgrund einer Drohung entstanden ist, können Sie den darin Begünstigten nicht mehr für erbunwürdig erklären.

Anfechtungsklage zur Geltendmachung der Erbunwürdigkeit

Möchten Sie einen Erbberechtigten für erbunwürdig erklären, weil er zum Beispiel ein Testament gefälscht oder die Errichtung eines neuen Testamentes verhindert hat? In diesem Fall müssen Sie eine Anfechtungsklage bei Gericht einreichen. Denn der Gesetzgeber wird nicht von selbst aktiv und erklärt den betreffenden Erben automatisch für erbunwürdig.

Im Zuge der Anfechtungsklage muss der Kläger darlegen und auch beweisen, dass einer der im BGB definierten Erbunwürdigkeitsgründe vorliegt. Dabei kann es sich zum Beispiel um ein rechtskräftiges Urteil handeln, aus dem hervorgeht, dass der entsprechende Erbe den Erblasser getötet hat.

Ein entsprechender Klageantrag könnte in diesem Zusammenhang zum Beispiel wie folgt aussehen:

[Anschrift des zuständigen Gerichts]

[Ort, Datum]

Klage
des
[Angaben des Klägers]

-nachfolgend Kläger genannt-

gegen
den
[Angaben des Beklagten]

-nachfolgend Beklagter genannt-

wegen Erbunwürdigkeit.

Vorläufiger Streitwert: [Wert des Nachlasses]

Namens und in Vollmacht des Klägers erhebe ich Klage und werde beantragen:

  1. Der Beklagte wird hinsichtlich des Nachlasses des am [Todestag] in [Todesort] verstorbenen [Name des Erblassers] für erbunwürdig erklärt.
  2. Der Beklagte hat die Kosten des Rechtsstreits zu tragen.

Begründung:
Der Kläger ist der einzige Abkömmling des am [Todestag] in [Todesort] verstorbenen [Name des Erblassers]. Die Mutter des Klägers ist bereits im Jahre 2010 verstorben. Der Beklagte durch sein vorsätzliches Handeln den Tod des Erblasser herbeigeführt.

Beweis: Rechtskräftiges Urteil [Aktenzeichen] vom [Datum des Urteils] gegen den Beklagten wegen des Mordes am Erblasser.

Der Beklagte ist damit gemäß § 2339 Abs. 1 Nr. 1 BGB erbunwürdig.

Der Erbanfall an ihn gilt damit gemäß § 2344 Abs. 1 BGB als nicht erfolgt.

Der Kläger ist als einziger Abkömmling aufgrund der gesetzlichen Erfolge Alleinerbe nach dem Erblasser gemäß § 2344 Abs. 2 BGB.

Beweis: Vorlage der Personenstandsurkunden (Sterbeurkunde des Erblassers, Geburtsurkunde des Klägers)

[Rechtsanwalt]

Wichtig! Die Wirkung der Erbunwürdigkeitsklage tritt erst mit Rechtskraft des Urteils ein. Da sich der Nachlass zu diesem Zeitpunkt in der Regel bereits im Besitz des vermeintlich erbunwürdigen Erben befindet, kann es sinnvoll sein, Maßnahmen zur Sicherung des Vermögens zu ergreifen. Welche Möglichkeiten Ihnen in einem solchen Fall zur Verfügung stehen, können Sie ggf. mit einem Anwalt für Erbrecht abwägen.

Scheitert die Geltendmachung der Erbunwürdigkeit oder sehen die Erfolgsaussichten dafür schlecht aus, besteht grundsätzlich auch die Möglichkeit, das Testament als solches anzufechten. Auch diese Anfechtung ist allerdings bei Gericht zu beantragen.

Verzeihung bei Erbunwürdigkeit

Verzeiht der Erblasser, ist eine Klage auf Erbunwürdigkeit ausgeschlossen.

Verzeiht der Erblasser, ist eine Klage auf Erbunwürdigkeit ausgeschlossen.

In § 2339 BGB führt der Gesetzgeber verschiedene Verfehlungen auf, die dazu führen können, dass eine Person als erbunwürdig gilt. Dabei handelt es sich in erster Linie um Straftaten gegenüber dem zukünftigen Erblasser oder ihm nahestehenden Personen.

Der zukünftige Erblasser kann dem Erben seine Verfehlungen allerdings noch zu Lebzeiten verzeihen. In diesem Fall liegt kein Grund mehr für eine Erbunwürdigkeit vor. Eine Verzeihung gilt dann als gegeben, wenn der Erblasser nach außen zum Ausdruck gebracht hat, dass er das Fehlverhalten nicht länger als unzumutbar für die Teilhabe am Nachlass empfindet.

Die Verzeihung gemäß § 2343 BGB kann sowohl durch Äußerungen als auch durch das Verhalten deutlich gemacht werden. Darüber hinaus ist es grundsätzlich nicht möglich, eine Verzeihung zurückzunehmen.

Die Anfechtung ist ausgeschlossen, wenn der Erblasser dem Erbunwürdigen verziehen hat. Eine Verzeihung setzt dabei stets voraus, dass der Erblasser Kenntnis vom Erbunwürdigkeitsgrund hatte.

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