Gesetzlicher Betreuer: Wann wird eine rechtliche Betreuung nötig?

Kurz und Knapp

  1. Kann eine Person ihre Angelegenheiten wegen einer Krankheit o. Ä. nicht mehr regeln, bestellt das Betreuungsgericht ggf. einen Betreuer.
  2. Durch eine Betreuungsverfügung kann jede volljährige, geschäftsfähige Person einen Betreuer vorschlagen.
  3. Das Betreuungsgericht bestellt den Betreuer vorerst für sechs Monate und überprüft dann den Fall erneut.
Wird ein gesetzlicher Beteuer benötigt? Welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, erfahren Sie hier.

Wird ein gesetzlicher Beteuer benötigt? Welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, erfahren Sie hier.

Laut des Bundesamtes für Justiz standen im Jahr 2015 1.276.538 Menschen unter rechtlicher Betreuung. Können Personen aufgrund einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung oder aufgrund einer psychischen Krankheit sich nicht mehr um ihre Angelegenheiten kümmern, kann ein gesetzlicher Betreuer bestellt werden. Doch ist dies zwangsläufig nötig? Welche Aufgaben übernimmt diese Person? Entstehen durch die gesetzliche Betreuung Kosten? Kommen die Angehörigen für diese auf?

Was ist ein gerichtlich bestellter Betreuer?

Alles rund um die rechtliche Betreuung legt das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) fest. Nach § 1896 Abs. 1 BGB wird ein gesetzlicher Betreuer in folgenden Situationen bestellt:

Kann ein Volljähriger auf Grund einer psychischen Krankheit oder einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung seine Angelegenheiten ganz oder teilweise nicht besorgen, so bestellt das Betreuungsgericht auf seinen Antrag oder von Amts wegen für ihn einen Betreuer. Den Antrag kann auch ein Geschäftsunfähiger stellen. […]
Möchten Sie gesetzlicher Betreuer werden? Eine Ausbildung im klassischen Sinne gibt es nicht.

Möchten Sie gesetzlicher Betreuer werden? Eine Ausbildung im klassischen Sinne gibt es nicht.

Ein durchs Gericht bestellter Betreuer regelt also die Angelegenheiten, um die sich der Betroffene selbst nicht mehr kümmern kann. Liegt eine körperliche Behinderung vor, darf er nur bestellt werden, wenn der Volljährige selbst den Antrag gestellt hat, außer er kann seinen Willen nicht mehr äußern.

Das BGB legt weiter fest, dass ein gesetzlicher Betreuer nur in den Angelegenheiten tätig werden darf, in denen auch wirklich eine Betreuung notwendig ist (§ 1896 Abs. 2).

Ein gesetzlicher Betreuer darf ggf. nicht bestellt werden, wenn der Volljährige einen Bevollmächtigten durch eine Betreuungsverfügung bzw. eine Vorsorgevollmacht mit entsprechendem Passus eingesetzt hat (§ 1896 Abs. 2). Diesem Vorschlag ist nach § 1897 Abs. 4 zu entsprechen, wenn es dem Wohle des Betreuten nicht zuwiderläuft.

Gesetzliche Betreuung: Für welche Bereiche ist dies möglich?

Eine gesetzliche Betreuung umfasst verschiedene Aufgabenkreise. Hierzu gehören:

  • Aufenthaltsbestimmung
  • Vermögenssorge
  • Gesundheitsfürsorge
  • Wohnungsangelegenheiten
  • Öffnen der Post
  • freiheitsentziehende Maßnahmen

Der gesetzliche Betreuer wird vom Betreuungsgericht erst einmal für sechs Monate befugt, entsprechende Aufgaben zu übernehmen. Nach dieser Zeit prüft der Richter, ob eine dauerhafte Betreuung nötig ist. Nach weiteren sieben Jahren erfolgt eine erneute Überprüfung.

Darüber hinaus kann der Betreute laut Betreuungsrecht jederzeit einen Antrag auf Aufhebung beim Betreuungsgericht stellen. Die Richter sind verpflichtet diesen zu prüfen. Fällt der Grund für die rechtliche Betreuung weg, muss das Gericht eine Aufhebung veranlassen.

Gesetzlicher Betreuer: Der Verdienst ergibt sich aus dem Gesetz und der Ausbildung

Eine rechtliche Betreuung können Sie ggf. durch eine Betreuungsverfügung umgehen.

Eine rechtliche Betreuung können Sie ggf. durch eine Betreuungsverfügung umgehen.

Die Vergütung eines gesetzlichen Betreuers legt das Vormünder- und Betreuervergütungsgesetz (VBVG) fest. Hieraus ergibt sich, dass diese in den aller meisten Fällen pauschal abrechnen. Der Stundensatz ergibt sich daraus, ob der Betreute in einem Heim lebt oder nicht und wie viel Vermögen er aufweist.

Nach § 5 Abs. 1 und 2 VBVG ergibt sich folgender pauschalierter Zeitaufwand:

Zeitraumnicht im Heim im Heim
vermögendmittellosvermögendmittellos
1. bis 3. Monat5,5 Stunden4,5 Stunden8,5 Stunden7,0 Stunden
4. bis 6. Monat4,5 Stunden3,5 Stunden7,0 Stunden5,5 Stunden
7. bis 12. Monat4,0 Stunden3,0 Stunden6,0 Stunden5,0 Stunden
ab dem 13. Monat2,5 Stunden2,0 Stunden4,5 Stunden3,5 Stunden

Folgende drei Vergütungsstufen sind pro Stunde anzusetzen:

  1. Allgemeine Eignung: 27 Euro
  2. Abgeschlossene Lehre bzw. Ausbildung: 33,50 Euro
  3. Abgeschlossenes Hochschulstudium: 44 Euro

Vermögende betreute Personen müssen die Kosten selbst tragen, ansonsten übernimmt die Staatskasse. Ein Betreuter gilt als mittellos, wenn er nach § 1836d BGB die Kosten nicht, nur in Teilen oder auf Raten bezahlen könnte oder es vorher einer Geltendmachung von Unterhaltsansprüchen bedarf.

Beispielsweise Vormünder und Gegenvormünder Minderjähriger sowie ehrenamtliche Betreuer können ihren konkreten Zeitaufwand abrechnen. Ein gesetzlicher Betreuer erhält keine Aufwandsentschädigung, während ein ehrenamtlicher Betreuer diese fordern kann, sofern er keine Vergütung beansprucht.

Wie wird man gesetzlicher Betreuer bzw. Berufsbetreuer?

Auch eine ehrenamtlich tätige Person kann als gesetzlicher Betreuer eingesetzt werden.

Auch eine ehrenamtlich tätige Person kann als gesetzlicher Betreuer eingesetzt werden.

Gesetzlicher Betreuer ist eine Person, sobald sie vom Gericht einen Fall zugesprochen bekommt. Zu unterscheiden ist zwischen

    • einem Berufsbetreuer
    • einem ehrenamtlichen Betreuer

Gesetzlicher Berufsbetreuer kann grundsätzlich erst einmal jede volljährige, geschäftsfähige Person werden, die geeignet ist, die einzelnen Aufgabenkreise rechtlich zu besorgen. In der Realität verlangen die Betreuungsgerichte und -behörden allerdings Nachweise über entsprechende Lehrgänge. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit ehrenamtlicher Betreuer zu werden. Auch in diesem Fall gilt, dass jede erwachsene Person dieses Ehrenamt übernehmen kann.

Wenden Sie sich in beiden Fällen an die Betreuungsbehörden und erkundigen Sie sich, wie Sie sich am besten bewerben und welche Unterlagen Sie einreichen müssen.

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13 thoughts on “Gesetzlicher Betreuer: Wann wird eine rechtliche Betreuung nötig?

  1. sandra

    habe eine frage suche einen betreuer
    wo kann ich einen finden

    Reply
    1. familienrecht.net

      Hallo Sandra,

      bitte wenden Sie sich an Vereine, berufliche Betreuer oder an das Betreuungsgericht, das im Zweifel auch einen Betreuer zuweisen kann.

      Ihr familienrecht.net-Team

      Reply
  2. Georg

    Auf Sandras Frage, wo sie einen Betreuer finden könne, nennt das ‘familienrecht.net-Team’ auch: “Vereine”. Ließe sich auch sagen, welcher Art Vereine? Und mit welcher Sucheingabe man fündig werden könnte? (Doch nicht etwa ‘Betreuer-Vereine’??)

    Reply
    1. familienrecht.net

      Hallo Georg,

      wir bieten keine entsprechenden Verzeichnisse an und können an dieser Stelle auch nicht alle Vereine nennen. Es lassen sich jedoch über eine kurze Internetrecherche zahlreiche Betreuungsvereine in den einzelnen Städten und Gemeinden ausfindig machen.

      Ihr familienrecht.net-Team

      Reply
  3. Angelika

    Hallo
    gibt es einen Unterschied zwischen “rechtliche Betreuung” und “gesetzliche Betreuung”?

    Reply
    1. familienrecht.net

      Hallo Angelika,

      der Unterschied zwischen beidem ergibt sich wie folgt:

      – rechtliche Betreuung = Vertretung und Beratung durch einen Juristen
      – gesetzliche Betreuung = Betreuer, der Angelegenheit des Betreuten übernimmt, weil dieser nicht selbst dazu in der Lage ist

      Ihr familienrecht.net-Team

      Reply
  4. Johanna

    Ich habe eine Frage zu der Übernahme der Kosten einer gesetzlichen Betreuung. Meine Mutter hat eine gesetzliche Betreuerin bekommen, da sie suchtkrank ist und ihren Alltag nicht mehr alleine regeln konnte. Seit 2 Jahren arbeitet sie nun nicht mehr wirklich und bestreitet ihr monatliches Einkommen nur durch ein Krankengeld von 1100 Euro, abzüglich Miete etc.
    Nun hat sie eine Rechnung vom Gericht erhalten, in der Kosten für die Dauerbtreuung von 200 Euro und eine Entschädigung für Sachverständige in Höhe von 153 Euro, zu entichten sind. Meine Frage ist nun ob sie mit ihrem geringen Krankengeld nicht eigentlich als mittellos gilt.

    Vielen Dank für die Antwort!

    Reply
    1. familienrecht.net

      Hallo Johanna,

      eine entsprechende Einschätzung ist an dieser Stelle nicht möglich. Wenden Sie sich ggf. an einen Anwalt.

      Ihr familienrecht.net-Team

      Reply
    1. familienrecht.net

      Hallo Anton,

      wenden Sie sich ggf. an das zuständige Betreuungsgericht.

      Ihr familienrecht.net-Team

      Reply
  5. Corinna

    Hallo liebes Team,

    meine Nichte ist 23 Jahre alt und lebt seit 1 1/2 Jahren in Berlin auf der Straße. Mit 21 Jahren bekam sie einen gesetzlichen Betreuer zugewiesen, der sich bis zum heutigen Tage gelegentlich mit ihr trifft, wenn sie denn aufzufinden ist.
    Das Mädchen fing mit 14 Jahren an sich zu ritzen, an Arme und Beine.
    Es folgten Aufenthalte in der Psychiatrie.
    Nachdem sie das Abitur abbrach, raffte sie sich 1 Jahr später auf und holte das Fachabitur nach, welches sie erfolgreich abschloss.
    Sie litt seit ihrem 14. Lebensjahr an einer Endometriose, mehrfache OP’s linderten jedoch den Schmerz nicht.
    Sie nahm seitdem durchgehend starke Schmerztabletten zu sich.
    Ihre Essgewohnheit wechselte von vegetarisch zum veganen.
    Es kam wiederholt zu einer Einweisung in die Psychiatrie.
    Zu dieser Zeit erfuhren wir, dass sie Drogen konsumiert(Heroin).
    Wir erfuhren durch Dritte, das sie diese von einen Patient bekam und somit geriet sie in den Teufelskreis, aus dem sie keinen Ausweg mehr fand.
    Sie wurde aus der Psychiatrie geworfen…
    Der Arztbericht beinhaltet, Selbstmordgefährdung zu Beginn der Einweisung, eine psychische Erkrankung, ihr stetiges Schmerzempfinden liegt bei einer Skala von 1-10 bei 6.
    Sie ist aufgrund ihrer Lebensumstände berufsunfähig.
    Der Rauswurf war für uns alle ein heftiger Schlag, sie brach folglich den Kontakt zu der gesamten Familie ab.
    Ein Richter sprach sich aus für eine Zwangseinweisung, eine weitere Richterin lehnte dies jedoch ab.
    In B. kam es zu einer Situation, dass sie ins Krankenhaus eingeliefert wurde.
    Diese stellten fest, das ihre Organe bereits geschädigt sind, trotzalledem veranlasste der gesetzliche Betreuer keine Zwangseinweisung.

    Meine Frage an Sie.
    Meine Nichte ist nicht in der Lage ihr Leben allein zu bestreiten. Sie ist psychisch erkrankt und ihre Gesundheit ist stark gefährdet.
    Was können wir tun, um sie aus diesem Teufelskreis zu befreien?
    Wir können nicht verstehen, dass ihr gesetzlicher Betreuer ihre Ablehnung gegen jegliche angebotene Hilfe zulässt.

    Ich möchte so gerne handeln. Dieses nichts tun können zerfrisst mich innerlich und ich bin gefesselt von diesem Gedanken, dass der Rauswurf aus der Psychiatrie ihrer psychischen Erkrankung wegen, nicht gerechtfertigt war.
    Alles was sie tat, tat sie aus Verzweiflung.

    Ich wäre Ihnen so dankbar, wenn sie mir diesbezüglich Rat geben könnten.

    Vielen Dank, C.

    Reply
    1. familienrecht.net

      Hallo Corinna,

      wir bedauern ihre derzeitige familiäre Situation, können an dieser Stelle jedoch auch nur auf entsprechende Hilfsangebote der gängigen Träger verweisen.

      Ihr familienrecht.net-Team

      Reply

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