Kinderarmut in Deutschland: Kinder am Existenzminimum

Kurz und knapp

  1. Fast jedes fünfte Kind in Deutschland von Kinderarmut betroffen.
  2. Ab wann jemand als arm gilt, ergibt sich aus dem Netto-Einkommen.
  3. Die Verringerung der Kinderarmut kann als aktiver Beitrag zum Kinderschutz gezählt werden.
Kinderarmut in Deutschland: Eine Definition sowie Zahlen und Fakten liefert dieser Ratgeber.

Kinderarmut in Deutschland: Eine Definition sowie Zahlen und Fakten liefert dieser Ratgeber.

Nur zu gerne würden Eltern ihren Kindern jeden Wunsch von den Augen ablesen. Egal, ob es sich dabei um einen Urlaub in den Sommerferien oder eine Süßigkeit an der Kasse des Supermarktes handelt. Allerdings ist dies aufgrund der finanziellen Situation nicht immer möglich, denn immer mehr Mädchen und Jungen sind von der Kinderarmut in Deutschland betroffen.

Was ist Kinderarmut? – Eine Definition

Laut Definition hängt Kinderarmut vom Netto-Einkommen des Haushalts ab.

Laut Definition hängt Kinderarmut vom Netto-Einkommen des Haushalts ab.

In unserem alltäglichen Sprachgebrauch ist eine Definition der Kinderarmut eigentlichen unnötig. Denn im allgemeinen Verständnis gelten Personen als arm, die zu wenig Geld zur Verfügungen haben, um sich die notwendigen Nahrungsmittel und Bedarfsgüter zu leisten.

Für die Politik und auch für statistische Auswertungen reicht eine solche Definition allerdings nicht aus. Stattdessen sind hier konkrete Richtlinien für die Bemessung von Armut und Kinderarmut notwendig. In der Europäischen Union gelten Menschen als arm, wenn diese über weniger als 60 Prozent des mittleren Netto-Einkommens verfügen. Somit misst sich Armut am Wohlstand der jeweiligen Gesellschaft.

Allerdings ist Kinderarmut viel mehr als nur eine statistische Berechnung. Vielmehr wird diese von den betroffenen Kindern und Jugendlichen im Alltag erlebt. Denn häufig ist die Teilhabe an Bildung, Kultur und Sport an die materiellen Voraussetzungen geknüpft.

Kinderarmut in Deutschland: Zahlen und Fakten

Kinderarmut in Deutschland: Statistik eines immer größer werdenden Problems.

Kinderarmut in Deutschland: Statistik eines immer größer werdenden Problems.

Wie zuvor bereits erwähnt, definiert sich Armut bzw. Kinderarmut anhand des monatlichen Netto-Einkommens der jeweiligen Familie. Gemäß einer Auswertung durch die Hans-Böckler-Stiftung lag das mittlere Netto-Monatseinkommen 2016 für eine Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren bei 3.158 Euro.

60 Prozent davon entsprechen einem Wert von 1.894,80 Euro. Erreicht das Netto-Einkommen einer entsprechenden Familie nicht diesen Richtwert, gelten die Mitglieder laut Definition als arm. Die Mädchen und Jungen sind somit von der Kinderarmut betroffen.

Laut einer Statistik der Hans-Böckler-Stiftung lebten 2015 durchschnittlich 2,55 Millionen Kindern und Jugendlichen in Deutschland mit so wenig Geld, dass sie als arm bzw. armutsgefährdet gelten. Dies entspricht einer Armutsquote bei Kindern unter 18 Jahren von 19,7 Prozent. Von Kinderarmut ist in Deutschland somit durchschnittlich fast jedes fünfte Kind betroffen.

Zu den Risikogruppen für Kinderarmut zählen insbesondere die Familien von Erwerbslosen, Alleinerziehende sowie kinderreiche Familien. Darüber hinaus können auch Aspekte wie das Qualifikationsniveau oder ein Migrationshintergrund Einfluss nehmen.

Welche Gründe gibt es für die Kinderarmut in Deutschland?

Kinderarmut in Deutschland: Ursachen können unter anderem der Verlust der Arbeit oder eine Scheidung sein.

Kinderarmut in Deutschland: Ursachen können unter anderem der Verlust der Arbeit oder eine Scheidung sein.

„Deutschland geht es gut.“ Diese Meldung können wir immer wieder aus den Nachrichten entnehmen. Denn die Arbeitslosenzahlen sinken stetig, die Steuereinnahmen steigen und auch die Exporte von Waren sind grundsätzlich zufriedenstellend. Aufgrund solcher Aussagen stellt sich allerdings die Frage, warum noch immer fast jedes fünfte Kind unterhalb der Armutsgrenze lebt.

Die Ursachen von Kinderarmut in Deutschland können grundsätzlich sehr vielfältig sein. Als häufigster Grund gilt allerdings die Arbeitslosigkeit der Eltern. Dabei erhöht sich das Risiko insbesondere dann, wenn die Familie Hartz 4 bezieht. Dies liegt unter anderem an den definierten Regelsätzen für Kinder.

Jobs mit einem geringen Einkommen, welche nur knapp den Sozialhilfesatz übersteigen, können ebenfalls zur Kinderarmut führen. Die Eltern arbeiten in diesen Fällen meist in Vollzeit, können damit ihre Familie aber dennoch nur knapp über Wasser halten.

Ebenfalls als gefährdet gelten alleinerziehende Eltern, denn nicht selten erhalten diese nur unzureichende oder teilweise sogar gar keine zum Unterhaltszahlung. Darüber hinaus sind diese bei den Arbeitszeiten eingeschränkter und stehen daher meist nur in Teilzeit zur Verfügung. Zudem scheuen sich Arbeitgeber teilweise auch Alleinerziehende einzustellen, da sie vermehrte Krankheitstage für die Betreuung des Kindes erwarten. Mit ähnlichen Problemen sehen sich auch kinderreiche Familien konfrontiert.

Aber auch ein Unfall, eine schwere Krankheit oder der Tod eines Elternteils können Familien an die Grenzen der finanziellen Existenz bringen. Gleiches gilt auch, wenn die Beziehung der Eltern zerbricht und eine Scheidung folgt.

Was sind die Folgen von Kinderarmut in Deutschland?

Kinderarmut und Bildung stehen nicht selten miteinander in Verbindung.

Kinderarmut und Bildung stehen nicht selten miteinander in Verbindung.

Kinderarmut wirkt sich auf vielfältige Weise auf das Leben der Mädchen und Jungen aus. Das beginnt beim Besuch im Kino oder der Mitgliedschaft in einem Sportverein, welche für viele Klassenkameraden selbstverständlich sind und endet beim Ausschluss aus den Gesprächen zu den Erlebnissen im Sommerurlaub. Denn nicht selten lässt sich Kinderarmut mit einer gesellschaftlichen Ausgrenzung gleichsetzen.

Neben den gesellschaftlichen Einschnitten der Kinderarmut, wirkt sich diese auch auf die Bildung aus. So sind die Kinder und Jugendlichen jeden Tag mit ihrer scheinbar hoffnungslosen Situation konfrontiert, was sich nicht selten auch auf die schulischen Leistungen auswirkt. So entschließen sich viele, von der Kinderarmut Betroffene dazu, frühzeitig von der Schule abzugehen, was zu einer schlechten Berufsausbildung und schlecht bezahlten Jobs führen kann. Es beginnt ein Teufelskreis.

Nicht zuletzt kann Kinderarmut auch Folgen für den Gesundheitszustand der betroffenen Kinder haben. So sind die Minderjährigen aus armen Familien im Durchschnitt öfter übergewichtig. Dies liegt unter anderem daran, dass eine gesunde Ernährung häufig teurer ist und sportliche Aktivitäten in der Regel mit Kosten verbunden sind.

Kinderarmut beeinflusst außerdem die Selbstwahrnehmung der Mädchen und Jungen und wirkt sich oft schädlich auf das Selbstbewusstsein aus. Dies kann dazu führen, dass sich die Betroffenen zurückziehen und sich gesellschaftlich isolieren. So schämen sich arme Kinder und Jugendliche für die Größe der Wohnung oder der günstigen Einrichtung und vermeiden daher den Besuch durch Freunden bzw. Klassenkameraden.

Verschiedene Studien stellen darüber hinaus auch einen Zusammenhang zwischen Kinderarmut und Kindeswohlgefährdung her. So können ständige finanzielle Sorgen zum Beispiel die Gefahr für Gewalt gegenüber Kindern erhöhen.

Maßnahmen gegen Kinderarmut in Deutschland

Der Staat ist gefragt, um Maßnahmen gegen die Kinderarmut zu ergreifen.

Der Staat ist gefragt, um Maßnahmen gegen die Kinderarmut zu ergreifen.

Um die Situation in Deutschland für Kinder und Jugendliche zu verbessern und die Kinderarmut zu reduzieren, fordern Verbände und Vereine Veränderungen durch den Gesetzgeber. Dabei soll es sich zum einen um direkte Maßnahmen, wie die Erhöhung des Kindergeldes oder auch des Hartz-4-Regelsatzes handeln.

Zum anderen ließe sich die Kinderarmut bekämpfen, indem sich die finanzielle Situation der Eltern verbessert. Dazu gehört unter anderem die Erhöhung des Mindestlohnes oder auch der Ausbau der Kinderbetreuung.

Ein größeres Angebot an kostenlosen Freizeitmöglichkeiten oder freier Eintritt für kulturelle Veranstaltungen, könnte ebenfalls zur Integration armer Kinder beitragen und gleichzeitig der Umsetzung der Kinderrechte dienen. Damit diese nicht den Anschluss in der Schule verlieren und den Teufelskreis der Kinderarmut durchbrechen können, erachten Experten auch eine kostenlose Nachhilfe und Hausaufgabenbetreuung für sinnvoll.

Eine repräsentative Umfrage aus dem Jahr 2014, welche im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerkes durchgeführt wurde, kam zu einen interessanten Ergebnis. Demnach wären 66 Prozent der Bundesbürger bereit dazu, mehr Steuern zu zahlen, wenn sich damit das Problem der Kinderarmut in Deutschland bekämpfen ließ.
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