Nachlassverwalter und Nachlasspfleger: Welche Aufgaben erfüllen sie?

Kurz und knapp

Was macht ein Nachlassverwalter?

Ein Nachlassverwalter kümmert sich vor allem um Nachlässe, die besonders unübersichtlich oder mit Schulden belastet sind. Bestellt wird dieser häufig in Fällen, in denen eine fristgerechte Erbausschlagung versäumt wurde.

Welche Funktion hat der Nachlasspfleger?

Beim Nachlasspfleger handelt es sich um den gesetzlichen Vertreter von vor allem unbekannten Erben. Bis zur Erbenermittlung kümmert sich der Pfleger um die Sicherung und Verwaltung des Nachlasses.

Wer trägt die Ausgaben für die Verwaltung bzw. Pflege des Nachlasses?

Das Erbrecht sieht für die geleistete Arbeit grundsätzlich eine Vergütung vor. Die Kosten für den Nachlassverwalter bzw. den Nachlasspfleger werden dabei in der Regel aus dem Nachlass beglichen und sind somit indirekt von den Erben zu tragen.

Was ist ein Nachlasspfleger bzw. Nachlassverwalter? Den Unterschied erklärt dieser Ratgeber.
Was ist ein Nachlasspfleger bzw. Nachlassverwalter? Den Unterschied erklärt dieser Ratgeber.

Im Erbrecht gibt es immer wieder Fälle, in denen Dritte als sogenannte Erbverwalter eingeschaltet werden, um sich um den Nachlass einer verstorbenen Person zu kümmern. Abhängig von den Umständen des Erbfalls besteht die Möglichkeit, dafür zum Beispiel ein Nachlassverwalter oder der Nachlasspfleger zu bestellen.

Nachlasspfleger: Wenn die Erben unbekannt sind

Sind die gesetzlichen Erben eines Nachlasses unbekannt oder minderjährig, kann sich das Nachlassgericht für die Bestellung von einem Nachlasspfleger entscheiden. In § 1960 Abs. 2 BGB heißt es dazu:

Das Nachlassgericht kann insbesondere die Anlegung von Siegeln, die Hinterlegung von Geld, Wertpapieren und Kostbarkeiten sowie die Aufnahme eines Nachlassverzeichnisses anordnen und für denjenigen, welcher Erbe wird, einen Pfleger (Nachlasspfleger) bestellen.

Eine Voraussetzung dafür ist die sogenannte Fürsorgebedürftigkeit. So kann es zum Beispiel bei bestehenden Vertragsverhältnissen notwendig sein, den Nachlass zu verwalten, um die Entstehung von Schulden zu verhindern.

Auch wenn „Nachlasspfleger“ und „Nachlassverwalter“ im Alltag häufig synonym verwendet werden, erfüllen sie unterschiedliche Funktionen.
Auch wenn „Nachlasspfleger“ und „Nachlassverwalter“ im Alltag häufig synonym verwendet werden, erfüllen sie unterschiedliche Funktionen.

Zu den Aufgaben, die ein Nachlasspfleger zu erfüllen hat, gehört insbesondere die Sicherung und Verwaltung des Nachlasses. Darunter fällt unter anderem die Erstellung eines Nachlassverzeichnisses. Hierfür müssen sowohl die Nachlassverbindlichkeiten, zu denen etwa bestehende Schulden, offenen Rechnung oder auch die Bestattungskosten zählen, als auch die vorhandenen Vermögenswerte ermittelt werden.

Liegt eine Überschuldung vor, soll der Nachlasspfleger dafür sorgen, die Forderungen abzuschließen. Hierfür werden in der Regel Vergleiche geschlossen. Im Gegensatz zum Nachlassverwalter muss dieser also nicht die volle Befriedigung der Gläubiger erreichen. Nicht zuletzt gehört auch die Erbenermittlung zu den Aufgaben eines Nachlasspflegers. 

Wird ein Nachlasspfleger bestellt, fallen Kosten für die Erben an. Diese setzen sich zum einen aus anfallenden Gerichtskosten sowie der Vergütung für den Nachlasspfleger zusammen. Wie hoch die Gerichtsgebühren ausfallen, hängt dabei maßgeblich vom Nachlasswert ab. Der Gesetzgeber schreibt allerdings mindestens eine Jahresgebühr von 200 Euro vor. Darüber hinaus steht dem Nachlasspfleger eine angemessene Vergütung zu. Bei der Bemessung können dabei unter anderem die Fachkenntnis des Pflegers und der zeitliche Aufwand eine Rolle spielen.

Nachlassverwalter: Wenn der Nachlass verschuldet ist

Bei der Nachlassverwaltung handelt  es sich um eine Sonderform der Nachlasspflege, die vor allem dann Anwendung findet, wenn der Nachlass verschuldet oder undurchsichtig ist. Dabei kann das zuständige Gericht einen Nachlassverwalter nur bestellen, wenn der Erbe oder der Nachlassgläubiger einen entsprechenden Antrag gestellt hat.

Die Aufgaben eines Nachlassverwalters umfassen die Verwaltung und Ordnung des Nachlasses. Dabei geht es vor allem darum, sämtliche Schulden des Verstorbenen aus dem Nachlassvermögen zu begleichen und die Nachlassgläubiger zu befriedigen. Hierfür sind die Vermögenswerte zu erfassen und ein vollständiges Schuldenverzeichnis zu erstellen.

Mit dem Erbe überfordert? Zu den Aufgaben eines Nachlassverwalters gehört es, im Chaos Ordnung zu schaffen
Mit dem Erbe überfordert? Zu den Aufgaben eines Nachlassverwalters gehört es, im Chaos Ordnung zu schaffen

Wird dabei festgestellt, dass der Nachlass überschuldet ist und es somit nicht möglich ist, alle Forderungen der Gläubiger zu begleichen, muss unverzüglich die Eröffnung eines Nachlassinsolvenzverfahrens beantragt werden. Auch dies gehört zu den Pflichten, die ein Nachlassverwalter erfüllen muss.

Damit der Nachlassverwalter seinen Aufgaben auch nachgehen kann, werden dem Erben für den Zeitraum der Verwaltung sämtliche Verfügungsrechte am Nachlass entzogen. Erst wenn dieser abschließend geordnet ist und die bestehenden Schulden beglichen sind, erhält der Erbe wieder Zugriff.                            

Jetzt mag sich so mancher die Frage stellen, warum ein Erbe dem Nachlassverwalter freiwillig solch weitreichende Befugnisse einräumen sollte. Die Antwort darauf liefert § 1975 BGB:

Die Haftung des Erben für die Nachlassverbindlichkeiten beschränkt sich auf den Nachlass, wenn eine Nachlasspflegschaft zum Zwecke der Befriedigung der Nachlassgläubiger (Nachlassverwaltung) angeordnet oder das Nachlassinsolvenzverfahren eröffnet ist.

Wie dieses Zitat zeigt, dient die Nachlassverwaltung vor allem dem Schutz des eigenen Privatvermögens, da sich dieses dadurch vom Nachlassvermögen trennen lässt. Hierbei handelt es sich also um eine Möglichkeit, mit der Erben, die die Frist zur Erbausschlagung versäumt haben und dadurch mit Schulden konfrontiert sind, die Haftung beschränken können.

Was kostet ein Nachlassverwalter?

Der Gesetzgeber sieht für die Erledigung der teilweise sehr umfangreichen Aufgaben als Nachlassverwalter eine Vergütung vor. So heißt es in § 1987 BGB:

Der Nachlassverwalter kann für die Führung seines Amts eine angemessene Vergütung verlangen.

Für seine Arbeit steht dem Nachlassverwalter eine angemessene Vergütung zu.
Für seine Arbeit steht dem Nachlassverwalter eine angemessene Vergütung zu.

Allerdings wird im Zuge dessen nicht konkretisiert, was genau unter einer „angemessenen Vergütung“ für einen Nachlassverwalter zu verstehen ist. In der Regel berücksichtigt das zuständige Nachlassgericht bei der Festlegung der Gebühren den Arbeitsumfang sowie die Qualifikation des Verwalters.

Im Zuge dessen kann das Gericht auch festlegen, wie die für den Nachlassverwalter anfallenden Kosten bzw. Gebühren zu berechnen sind. Dabei kommt vor allem ein Stundensatz oder ein prozentualer Anteil vom Nachlass infrage.

Wichtig! Die anfallenden Gebühren für den Nachlassverwalter werden in der Regel vom Nachlass abgezogen.

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