Pflegegrad 1: Wann wird dieser Pflegebedürftigen zugesprochen?

Kurz und Knapp

  1. Der Pflegegrad 1 wird heute anstatt einer Pflegestufe vergeben.
  2. Pflegebedürftigen, die im neuen Begutachtungssystem zwischen 12,5 und 27 Punkten erhalten, wird in der Regel der Pflegegrad 1 zugesprochen.
  3. Mit einem Pflegegrad 1 besteht kein Anspruch auf Pflegegeld oder Pflegesachleistungen. Nur eine Entlastungsleistung in Höhe von 125 Euro ist monatlich möglich.
  4. Pflegebedürftige mit einem Pflegegrad 1 haben jedoch Anspruch auf Zuschüsse und Pflegehilfsmittel.
Wann wird der Pflegegrad 1 zugesprochen? Antworten bietet der folgende Ratgeber.

Wann wird der Pflegegrad 1 zugesprochen? Antworten bietet der folgende Ratgeber.

Im Januar 2017 wurden die vormals verwendeten Pflegestufen in Pflegegrade umgewandelt. Neben einem veränderten Bewertungssystem wurden auch die Leistungen für Pflegebedürftige neu geregelt. Der Pflegegrad 1 gehört nun zum fünfstufigen neuen System. Welche Leistungen bietet der Pflegegrad 1 und welche Kriterien müssen erfüllt sein, um diesen zu bekommen?

Pflegegrad-Rechner (unverbindliche Einschätzung)

Was sind Pflegegrade?

Nach dem neuen Begutachtungssystem ist ein Pflegegrad 1 mit einer Demenz möglich.

Nach dem neuen Begutachtungssystem ist ein Pflegegrad 1 mit einer Demenz möglich.

Bevor sich Pflegebedürftige oder deren Angehörige mit den Voraussetzungen und Leistungen bei einem Pflegegrad 1 befassen, lohnt es sich, in Erfahrung zu bringen, was ein solcher Pflegegrad eigentlich ist und bedeutet.

Die Pflegereform wurde bereits 2016 beschlossen. Da die Durchführung Zeit in Anspruch nahm, trat die Umwandlung der Pflegestufen in Pflegegrade erst im Januar 2017 in Kraft. Die neuen Bewertungskriterien wurden allerdings schon ab Ende 2016 angewendet. Gesetzlich ist diese Umwandlung in § 140 Sozialgesetzbuch Elftes Buch (SGB XI) festgeschrieben. So gibt es nun den Pflegegrad von 1 bis 5, wobei Pflegegrad 1 die geringste Stufe der Pflegebedürftigkeit darstellt.

Im Gegensatz zu den Pflegestufen, bei denen der Zeitaufwand für Pflege und Betreuung beurteilt und entsprechend dann die Einstufung und Leistungen bemessen wurden, steht nun die Selbstständigkeit der Pflegebedürftigen im Vordergrund. Diese wird auch bei Personen mit eingeschränkter Alltagskompetenz herangezogen, um eine Einstufung in einen Pflegegrad (1 bis 5) vornehmen zu können. Zu diesen zählen zum Beispiel psychisch dauerhaft erkrankte Patienten, geistig eingeschränkte Personen sowie Demenzerkrankte.

Durch das neue Verfahren „Neues Begutachtungsassessment“ (NBA) wird die vorhandene oder nicht mehr vorliegende Selbstständigkeit durch verschiedene Kriterien in einem Punktesystem festgehalten. Je mehr Punkte ein Pflegebedürftiger erhält, desto höher fällt in der Regel der Pflegegrad aus. Die Begutachtung findet durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) oder andere Prüforganisationen statt und beruht auf einem Fragenkatalog. Nach der Bewilligung eines Pflegegrades erhalten die Antragsteller Leistungen aus der Pflegeversicherung.

Die nachfolgende Übersicht stellt die jeweilige Pflegebedürftigkeit bei den verschiedenen Pflegegraden dar:

PflegegradGrad der Pflegebe-
dürftigkeit
Pflegegeld im MonatEntlastungs-
leistungen
im Monat
1geringe Pflegebedürftig-
keit bzw. Beeinträch-
tigungen
kein Anspruch125 EUR
2erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit316 EUR689 EUR
3schwere Beeinträch-
tigung der Selbstständigkeit
545 EUR1.298 EUR
4schwerste Beeinträch-
tigung der Selbstständigkeit
728 EUR1.612 EUR
5schwerste Beeinträch-
tigung,
besondere Anforderungen
an die
pflegerische Versorgung
901 EUR1.995 EUR

Grad der Selbstständigkeit als Grundlage für die Begutachtung

Gemäß des, durch das NBA erschaffene, Punktesystems wird die Selbstständigkeit unter verschiedenen Gesichtspunkten überprüft. So sind neben den körperlichen Einschränkungen auch die psychischen und kognitiven Beeinträchtigungen wichtige Punkte bei der Begutachtung.

Eine Voraussetzung für den Pflegegrad 1 ist eine beeinträchtigte Selbstständigkeit.

Eine Voraussetzung für den Pflegegrad 1 ist eine beeinträchtigte Selbstständigkeit.

Im Normalfall wird der Grad der Selbstständigkeit (auch bei Pflegegrad 1) anhand von sechs Modulen bemessen. Zu diesen gehören Mobilität mit 10 Prozent, kommunikative sowie kognitive Fähigkeiten (zusammen 15 Prozent), Selbstversorgung mit 40 Prozent, Verhaltens­weisen, Bewältigung von Anforderungen aufgrund von Krankheiten oder Therapien (20 Prozent) sowie die Gestaltung des Alltags und die Pflege sozialer Kontakte mit 15 Prozent. Zudem spielen bei der Begutachtung auch die Haushaltsführung sowie Aktivitäten außerhalb der eigenen Wohnung bzw. des Zimmers eine Rolle. Diese dienen jedoch nur für die Pflegeplanung, nicht für die Einstufung in einen Pflegegrad.

Was ist der Pflegegrad 1?

Wie bereits erwähnt, stellt der Pflegegrad 1 den niedrigsten Grad der Pflegebedürftigkeit dar. Nach den Kriterien des NBA kann eine geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit, welche zwischen 12,5 und 27 Punkten liegt, den niedrigsten Pflegegrad begründen. So haben Personen, die weitgehend selbstständig sind, jedoch in einigen Bereichen des Alltags Hilfe benötigen, unter Pflegegrad 1 einen Leistungsanspruch.

Um beim Pflegegrad 1 Leistungen von der Pflegekasse zu erhalten, müssen Pflegebedürftige einige Voraussetzungen erfüllen. Diese werden in einem späteren Abschnitt noch näher erläutert. Treffen auf Antragsteller diese Kriterien zu, erhalten sie den Pflegegrad 1. Die notwendigen Punkte werden, wie zuvor beschrieben, anhand eines Fragenkatalogs errechnet.

Pflege- und Betreuungshilfe können also als Leistungen bei einem Pflegegrad 1 von der Pflegekasse genehmigt werden, wenn die Antragsteller körperlich und geistig noch recht selbstständig sind und nur eine geringfügige Hilfebedürftigkeit aufweist.

Pflegegrad 1: Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Pflegegrad 1: Die Körperpflege ist einer der Punkte, die begutachtet werden.

Pflegegrad 1: Die Körperpflege ist einer der Punkte, die begutachtet werden.

Um die Unterstützung aus der Pflegeversicherung zu erhalten, muss auch, wie zuvor bei den Pflegestufen, bei einem Pflegegrad 1 ein Antrag gestellt werden. Das können Betroffene bei Ihrer Krankenkasse oder der zuständigen privaten Pflegeversicherung tun.

Der Antrag wird von diesen bearbeitet und an die Pflegeversicherung weitergeleitet. Diese beauftragt dann den Gutachter, der einen Pflegegrad 1 mit dem Fragenkatalog feststellt oder keine Pflegebedürftigkeit bescheinigt. Wird der Antrag abgelehnt, besteht die Möglichkeit, für einen Pflegegrad 1 Widerspruch einzulegen. Dies muss dann innerhalb von vier Wochen geschehen. Die Pflegekasse prüft, ob dieser gerechtfertigt ist und veranlasst dann unter Umständen ein Zweitgutachten.

Ob die Voraussetzungen für einen Pflegegrad vorliegen, wird anhand des Prüfverfahrens NBA ermittelt. Eine geringfügige Pflegebedürftigkeit bedeutet in diesem Fall, dass der Antragsteller zwischen 12,5 und 27 Punkte zugewiesen bekommt.

Die zuvor genannten Module werden bei der Begutachtung herangezogen. So wird zum Beispiel im Bereich Mobilität überprüft, ob Antragsteller noch Treppen steigen oder wie selbstständig sie aufstehen können. Das Modul „kommunikative und kognitive Fähigkeiten“ begutachtet dann, wie Antragsteller sich örtlich und zeitlich im Alltag zurechtfinden oder ob sie noch selbstständig Entscheidungen treffen können.

Den Pflegegrad 1 beantragen können Betroffen bei der Krankenkasse.

Den Pflegegrad 1 beantragen können Betroffen bei der Krankenkasse.

Im Bereich Selbstversorgung spielt die Selbstständigkeit bei der Körperpflege, beim An- und Ausziehen sowie bei der Nahrungszubereitung. In Bezug auf Verhaltensweisen schaut der Gutachter darauf, ob Antragsteller Auffälligkeiten oder ein psychisch problematisches Verhalten aufweisen. So können nächtliche Unruhe, zwanghafte Tätigkeiten oder motorische Auffälligkeiten ein Anzeichen für psychische Problemlagen sein.

Gutachter beobachten auch, ob der Antragsteller Unterstützung zum Beispiel beim Einteilen der Medikamente oder bei der Zufuhr von Sauerstoff benötigt. Dies unterliegt dann dem Modul „Bewältigung von Anforderungen aufgrund von Krankheit oder Therapie“.

Als letzter Bereich sind die Gestaltung des Alltagslebens und die Aufrechterhaltung sozialer Kontakte wichtig. Hier sind dann Fragen von Bedeutung, wie „Kann sich der Antragsteller selbst beschäftigen?“ oder „Verlässt er das Haus und unterhält selbst soziale Kontakte?“

Diese sechs unterschiedlichen Bereiche werden prozentual bewertet und bei der Entscheidung über einen Pflegegrad 1 herangezogen. Wie beschrieben, ergibt der Grad der Selbstständigkeit der einzelnen Module eine Punktzahl, die zusammengerechnet einen Pflegegrad begründen kann oder nicht.

Pflegegrad 1: Welche Leistungen sind eingeschlossen?

Bei einem Pflegegrad 1 gibt es Geld nur in Form von Entlastungsleistungen.

Bei einem Pflegegrad 1 gibt es Geld nur in Form von Entlastungsleistungen.

Die wichtigste Frage, wenn Menschen einen Pflegegrad 1 beantragen, dürfte wohl die nach den Leistungen sein. Hierbei ist nicht immer ganz klar, welche Unterstützung Inhaber dieses Pflegegrades eigentlich bekommen. Gibt es beim Pflegegrad 1 Pflegegeld oder nur Sachleistungen? Ist finanzielle Unterstützung überhaupt möglich beim Pflegegrad 1 und wer bekommt dann das Geld?

Die Frage nach dem Pflegegeld lässt sich relativ schnell beantworten, denn Inhaber von einem Pflegegrad 1 haben keinen Anspruch. Erfolgt die Pflege bzw. Betreuung beim Pflegegrad 1 durch Angehörige, wird kein Pflegegeld gezahlt. Übernimmt ein Pflegedienst die Betreuung, besteht zudem auch kein Anspruch auf Pflegesachleistungen. Dies wird in der Regel mit der weitestgehend noch vorhandenen Selbstständigkeit begründet.

Leistungen außer dem Pflegegeld bei Pflegegrad 1

Obwohl Betroffenen kein Pflegegeld zusteht, haben sie dennoch Anspruch auf bestimmte Leistungen. So können bei einem Pflegegrad 1 Entlastungsleistungen gezahlt werden. Diese belaufen sich auf 125 Euro im Monat, was zum Beispiel für die Abdeckung der Grundpflege genutzt werden kann.

Somit gibt es auch beim Pflegegrad 1 eine Art Geldleistung, die der Unterstützung der Pflegebedürftigen dient. Dies kann dann zum Beispiel für folgende Dienste verwendet werden:

  • Teilnahme an Betreuungsgruppen
  • Alltagsbegleiter für Spaziergänge, Gespräche oder beim Einkauf
  • Unterstützung bei der Haushaltsführung beim Pflegegrad 1 (Haushaltshilfe, Putzhilfe)

Wichtig zu beachten ist auch, dass ein genereller Anspruch bei Pflegegrad 1 auf Kurzeitpflege ebenfalls nicht besteht. Dieser besteht erst ab Pflegegrad 2. Auch besteht nicht die Möglichkeit, eine Verhinderungspflege bei Urlaub oder Krankheit der pflegenden Angehörigen zu beantragen. Dies muss privat organisiert werden.

Darüber hinaus können Inhaber von einem Pflegegrad jedoch Hilfsmittel oder Zuschüsse beantragen. So kann beispielsweise eine altersgerechte oder bedürfnisgerechte Anpassung des Wohnraums durch Zuschüsse erfolgen. Die Pflegekasse kann bis zu 4.000 Euro für den Einbau eines Treppenlifts, den Umbau einer Badewanne oder die Beschaffung von Hilfsmitteln wie einem Wannenlift genehmigen. In der Regel wird der Zuschuss einmalig für die gesamten notwendigen Maßnahmen gewährt.

Pflegegrad 1: Geld für Angehörige gibt es neben den Entlastungsleistungen nicht.

Pflegegrad 1: Geld für Angehörige gibt es neben den Entlastungsleistungen nicht.

Zu weiteren Hilfsmitteln, die bei einem Pflegegrad 1 beansprucht werden können, gehören unter anderem die Einrichtung eines Hausnotrufs, eine Pauschale für bestimmte medizinische Hilfsmittel sowie auch kostenlose Kurse für pflegende Angehörige oder Personen.
Ändert sich der Pflegebedarf, können Zuschüsse erneut beantragt werden, dann liegt allerdings auch kein Pflegegrad 1 mehr vor.

Pflegegrad 1: Ist Pflege stationär möglich?

Auch bei einer Unterbringung in einem Pflegeheim bei vollstationärer Betreuung steht den Pflegebedürftigen nur der monatliche Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro zu. Eine Bewilligung von Pflegegeld ist auch nicht möglich. Alle anderen anfallenden Kosten müssen bei einem Pflegegrad 1 vom Betroffenen selbst getragen werden.

Sowohl die Unterkunft, die Verpflegung als auch die Pflege an sich, sind dann privat zu zahlen. Bei einem Pflegegrad 1 liegt keine Bedürftigkeit vor, die eine solche Unterbringung rechtfertigen würde, obwohl einige Betroffene hier durchaus besser betreut werden können. Sie sind jedoch noch soweit selbstständig, dass Leistungen aus der Pflegeversicherung für ein Pflegeheim als nicht angemessen angesehen werden.

Weitere Zuschüsse für die Pflege in einem Heim sind beim Pflegegrad nicht vorgesehen. Auch die zuvor mögliche „Hilfe zur Pflege”, die das Sozialamt zahlte, ist derzeit nicht mehr verfügbar. Eine Unterbringung im Heim ist also nur dann möglich, wenn Pflegebedürftige mit einem Pflegegrad 1 über genügend eigene finanzielle Mittel verfügen.
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One thought on “Pflegegrad 1: Wann wird dieser Pflegebedürftigen zugesprochen?

  1. Werner

    lebe völlig allein, es überfordert mich der ganze haushalt

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