Pflegegrad 3: Schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit

Kurz und Knapp

  1. Der Pflegegrad 3 gehört seit Januar 2017 zum neuen Pflegesystem.
  2. Für die Zuweisung von einem Pflegegrad 3 muss eine „schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ vorliegen.
  3. Pflegebedürftige, die entsprechend des neuen Begutachtungssystems 47,5 bis unter 70 Punkte erhalten, bekommen den Pflegegrad 3 zugesprochen.
  4. Pflegegeld, Pflegesachleistungen sowie eine Kombination aus beiden gehören zu den grundsätzlichen Leistungen bei einem Pflegegrad 3.
  5. Pflegebedürftige mit einem Pflegegrad 3 haben zudem einen Anspruch auf Entlastungsleistung in Höhe von 125 Euro im Monat sowie auf Zuschüsse und Pflegehilfsmittel.
Was bedeutet Pflegegrad 3? Der folgende Ratgeber informiert.

Was bedeutet Pflegegrad 3? Der folgende Ratgeber informiert darüber.

Der Pflegegrad 3 wurde im Januar 2017 im Zuge der Pflegereform eingeführt. Im Fokus steht nun nicht mehr der Zeitaufwand für die Pflege, sondern der Grad der Selbstständigkeit, den ein Pflegebedürftiger aufweist. Was bei einem Pflegegrad 3 für Leistungen möglich sind, ist gesetzlich festgelegt.

Pflegegrad-Rechner (unverbindliche Einschätzung)

Was bedeutet Pflegegrad 3

Ein Pflegegrad 3 ermöglicht, das Hilfsmittel beantragt werden können.

Ein Pflegegrad 3 ermöglicht, das Hilfsmittel beantragt werden können.

Zum 01.01.2017 traten die letzten Änderungen, die durch das Zweite Pflegestärkungsgesetz beschlossen wurden, in Kraft. Mit diesem Termin wurden aus den drei Pflegestufen die fünf Pflegegrade.

Den Pflegegrad 3 erhalten nun Pflegebedürftige, die eine „schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ aufweisen. Das heißt, dass bei einer Pflegestufe 3 immer mit eingeschränkter Alltagskompetenz gerechnet wird. Wer genau kann diesen Pflegegrad erhalten? Das sind zum einen neue Antragsteller sowie auch Demenzerkrankte der Pflegestufen 1 oder 2. Auch bisherige Inhaber der Pflegestufe 2 wurden automatisch in den Pflegegrad 3 eingegliedert.

Erhalten Pflegebedürftige den Pflegegrad 3 stehen ihnen die entsprechenden Leistungen aus der Pflegeversicherung zu. Das können bei einem Pflegegrad 3 Geldleistungen, Kombinationsleistungen sowie auch Pflegehilfsmittel sein. Wie die jeweiligen gesetzlich festgelegten Leistungen für die Pflegegrade aussehen, zeigt die folgenden Übersicht:

PflegegradGrad der Pflegebe-
dürftigkeit
Pflegegeld im MonatEntlastungs-
leistungen
im Monat
1geringe Pflegebedürftig-
keit bzw. Beeinträch-
tigungen
kein Anspruch125 EUR
2erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit316 EUR689 EUR
3schwere Beeinträch-
tigung der Selbstständigkeit
545 EUR1.298 EUR
4schwerste Beeinträch-
tigung der Selbstständigkeit
728 EUR1.612 EUR
5schwerste Beeinträch-
tigung,
besondere Anforderungen
an die
pflegerische Versorgung
901 EUR1.995 EUR

Für eine Pflegegrad 3 ist eine Voraussetzung, dass Hilfe bei der Nahrungszubereitung benötigt wird.

Für eine Pflegegrad 3 ist eine Voraussetzung, dass Hilfe bei der Nahrungszubereitung benötigt wird.

Der Übergang von Pflegestufen zu Pflegegraden und wie diese definiert sind, findet sich in den §§ 14 und 15 Sozialgesetzbuch (SGB XI) Elftes Buch. Die neuen Begutachtungsmaßstäbe, die ebenfalls mit der Pflegereform eingeführt wurden, sind im „Neuen Begutachtungsassessment (NBA)“ festgehalten. Die Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) sowie der privaten Prüforganisationen nutzen diese neuen Vorgaben, um eine Einstufung vorzunehmen. In sechs verschiedenen Bereichen wird die vorhandene Selbstständigkeit geprüft und entsprechende Punkte vergeben.

Diese Punkte werden zusammengerechnet und ergeben am Ende den Grad der Pflegebedürftigkeit. Bei einem Pflegegrad 3 (auch mit Demenz) liegt der Wert zwischen 47,5 und unter 70 Punkten. Neben den körperlichen Einschränkungen stehen nun auch psychische sowie kognitive Beeinträchtigungen im Fokus. So ist es möglich, dass der Pflegegrad 3 auch bei einer Demenz, einer dauerhaft psychischen Erkrankung oder einer geistigen Behinderung zugesprochen werden kann.

Pflegegrad 3 und die Voraussetzungen dafür

Um bei einem Pflegegrad 3 den Entlastungsbetrag, das Pflegegeld oder andere Leistungen in Anspruch nehmen zu können, müssen Pflegebedürftige bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Ob die Kriterien erfüllt sind, prüfen die Gutachter des MDK (bei gesetzlich Versicherten) bzw. der anderen Prüforganisationen (bei privat Versicherten). Dies wird, wie zuvor beschrieben, anhand eines Fragenkatalogs und eines Punktesystems ermittelt. Grundsätzlich kann hier gesagt werden, dass je mehr Punkte ein Betroffener erhält, desto höher ist der Pflegegrad.

Bei einer Begutachtung gemäß NBA stehen sechs bestimmte Bereiche im Mittelpunkt. Zu diesen gehören die Mobilität, kognitive sowie kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweise und psychische Problemlagen, die Fähigkeit zur Selbstversorgung, die Bewältigung von Anforderungen aufgrund von Krankheiten oder Therapien sowie die Gestaltung des Alltagslebens.

So wird beispielsweise im Bereich Mobilität kontrolliert wie selbstständig Pflegebedürftige stehen, gehen, aufstehen oder ihre Sitz- bzw. Liegeposition verändern können. Im Modul „kognitive und kommunikative Fähigkeiten“ steht die Frage im Mittelpunkt, ob und wie sich Betroffene zeitlich sowie örtlich orientieren können. Auch die Fähigkeit Entscheidungen zu treffen oder Bedürfnisse klar mitteilen zu können, wird hier begutachtet.

Pflegegrad 3 beantragen: Das ist formlos bei der Krankenkasse möglich.

Pflegegrad 3 beantragen: Das ist formlos bei der Krankenkasse möglich.

Bei den Verhaltensweisen wird darauf geachtet, ob zum Beispiel Angstzustände, Zwangsverhalten oder eine erhöhte Aggressivität vorliegen, die den Alltag des Betroffenen einschränken und somit auch die Selbstständigkeit beeinflussen. Ähnlich spielt dies auch bei der Bewältigung von Anforderungen aufgrund von Krankheiten oder Therapien eine Rolle. Benötigen Betroffene Hilfe bei der Medikamentengabe oder beim Verbandswechsel, wird geschaut wie sie mit diesen Anforderungen umgehen.

Im Bereich der Selbstversorgung achten Gutachter darauf, wie selbstständig der Pflegebedürftige bei der täglichen Körperpflege sowie beim Bereiten von Essen und Trinken ist. Das letzte Modul umfasst dann das Thema „Alltagsleben“ und betrachtet, ob Betroffene den Alltag selbst planen können und soziale Kontakte auch selbst aufrechterhalten.

Antrag auf einen Pflegegrad richtig stellen

Bevor Pflegebedürftige einen Pflegegrad 3, Pflegegeld, eine Pflegesachleistung oder andere Hilfsmittel erhalten, müssen sie dies beantragen. Doch oftmals ist nicht wirklich bekannt, wo ein solcher Antrag zu stellen ist und wer für die Einstufung zuständig ist.

Einen Pflegegrad 3 beantragen, können Betroffene grundsätzlich immer bei ihrer Krankenkasse oder bei der privat abgeschlossenen Pflegeversicherung. Zunächst kann dies formlos per Brief, E-Mail oder Telefon erfolgen. Sowohl Pflegebedürftige selbst als auch deren gesetzliche Betreuer können den Antrag stellen.

Die Leistungen beim Pflegegrad 3 umfassen Pflegegeld, Pflegesachleistungen und weitere Punkte.

Die Leistungen beim Pflegegrad 3 umfassen Pflegegeld, Pflegesachleistungen und weitere Punkte.

Bei einer telefonischen Antragstellung erhalten Betroffene in der Regel ein Formular, das sie dann ausgefüllt und unterschrieben an die Krankenkasse zurücksenden.

Gleiches geschieht, wenn der E-Mail kein unterschriebenes Dokument beigefügt wurde.

Die Krankenkasse leitet den Antrag an die Pflegekasse weiter, die dann wiederum den Gutachter beauftragt. Dieser kündigt sich zu einem Termin beim Antragsteller vor Ort an und fertig das Gutachten, welches dann als Grundlage für den Bescheid der Pflegekasse dient.

Ist eine Widerspruch möglich?

Sind Antragsteller mit der Einstufung nicht einverstanden, haben sie die Möglichkeit, innerhalb von 4 Wochen Widerspruch gegen den Bescheid der Pflegekasse einzureichen. Dies muss schriftlich geschehen und ist an die Kasse zu richten, die den Bescheid erstellt hat.

Nach Eingang des Widerspruchs wird geprüft, ob ein solcher berechtigt ist und ob gegebenenfalls ein zweites Gutachten veranlasst werden muss. Kommt dies zum gleichen Ergebnis wie das erste, ist ein weiterer Widerspruch eher zwecklos. Hier kann dann nur noch ein Anwalt weiterhelfen. Führt ein zweites Gutachten jedoch zu einer anderen Entscheidung, können Betroffene oft mit einem Pflegegrad 3 sowie entsprechendem Geld rechnen.

Pflegegrad 3: Was steht mir zu?

Bei Pflegegrad 3 kann der Entlastungsbetrag für die Teilnahme an Betreuungsgruppen verwendet werden.

Bei Pflegegrad 3 kann der Entlastungsbetrag für die Teilnahme an Betreuungsgruppen verwendet werden.

Die wichtigste Frage, die im Zusammenhang mit einem Antrag auf Pflegegrad 3 aufkommt, ist dann die nach den Leistungen und der Unterstützung, welche Pflegebedürftige dann erhalten. Wie bereits erwähnt, gehören zu diesen neben dem Pflegegeld, den Pflegesachleistungen auch Kombinationen aus beiden sowie die Gewährung von Pflegehilfsmitteln.

Zudem haben Inhaber von einem Pflegegrad 3 Anspruch auf Verhinderungspflege. Das heißt, sind pflegende Angehörige oder Freunde erkrankt bzw. im Urlaub, werden Leistungen für eine Ersatzpflege in diesem Zeitraum bereitgestellt.

Grundsätzlich wird ein Pflegegeld ausgezahlt, wenn die Pflege zu Hause durch Angehörige oder Freunde stattfindet. Wird ein Inhaber von einem Pflegegrad 3 ambulant per Pflegedienst versorgt, handelt es sich um die sogenannten Pflegesachleistungen. Übernehmen sowohl Angehörige als auch ein Pflegedienst die Betreuung werden Kombinationsleistungen gezahlt.

Das Pflegegeld beträgt hier dann monatlich 545 Euro. Wird beim Pflegegrad eine ambulante Pflege genutzt, beläuft sich die Pflegesachleistung auf 1.298 Euro pro Monat. Sogenannte Betreuungs- und Entlastungsleistungen werden bei allen Pflegegraden gleich bemessen und in Höhe von 125 Euro im Monat ausgezahlt. Mittel diesen Betrags können bei einem Pflegegrad 3 eine Haushaltshilfe oder Besuchsdienste oder Alltagshelfer beauftragt werden. So sind bei einem Pflegegrad 3 Arbeiten abgedeckt, die Pflegebedürftige zwar allein bewältigen könnten, das jedoch nur unter großen Anstrengungen. Eine Alltags- bzw. Haushaltshilfe kann dann zum Beispiel beim Putzen, Wäschewaschen oder den Einkäufen behilflich sein.

Auch die Teilnahme an Betreuungsgruppen oder Kursen für Angehörige kann über die Entlastungsleistungen finanziert werden.

Weitere Leistungen bei Pflegegrad 3

Inhaber von einem Pflegegrad 3 können Fahrtkosten zu Ärzten und Therapien bezahlt bekommen.

Inhaber von einem Pflegegrad 3 können Fahrtkosten zu Ärzten und Therapien bezahlt bekommen.

Neben der finanziellen Unterstützung aus der Pflegeversicherung kann ein Pflegegrad 3 auch bedeuten, dass weitere Gelder und auch sogenannte Pflegehilfsmittel bereitgestellt sowie Fahrtkosten für notwendige Fahrten zu Ärzten oder Therapien oder der Betreuungseinrichtung übernommen werden.

Ist beispielsweise für die Genesung nach einem Krankenhausaufenthalt eine Unterbringung in einer Kurzzeit- oder Tagespflegeeinrichtung notwendig, kann die Pflegekasse hier ebenfalls Mittel zur Verfügung stellen. Bei einem Pflegegrad 3 wird die Tagespflege oder die Kurzeitpflege für maximal 28 Tage im Jahr mit höchsten 1.612 Euro unterstützt.

Wird im Jahr keine Verhinderungspflege (1.612 Euro für höchstens vier Wochen im Jahr) genutzt, kann für eine Kurzzeitpflege bei Krankheit oder Urlaub der pflegenden Angehörigen ein Zuschuss von bis zu 3.224 Euro für bis zu acht Wochen (56 Tage) gewährt werden. Hinzu kommt hier dann auch die Hälfte des Pflegegeldes von etwa 272,50 Euro.

Anders herum ist es auch möglich, wenn keine Kurzzeitpflege genutzt wird, für die Verhinderungspflege maximal 2.418 Euro jährlich für bis zu sechs Wochen zu erhalten. Hier wird ebenfalls die Hälfte des Pflegegeldes weiter gezahlt.

Bei einem Pflegegrad 3 sind Hilfsmittel, wie zum Beispiel ein Hausnotruf, medizinische Gebrauchsgegenstände (Einmalhandschuhe, Bettschutzeinlagen, Desinfektionsmittel) oder auch Gehhilfen und Rollatoren ebenfalls auf Antrag möglich.

Beim Pflegegrad 3 werden Heimkosten nicht vollständig getragen.

Beim Pflegegrad 3 werden Heimkosten nicht vollständig getragen.

Darüber hinaus können Pauschalen für die alters- bzw. bedürfnisgerechte Anpassung des Wohnraums oder Bades beantragt werden. So ist der Einbau eines Treppenlifts oder eines barrierefreien Zugangs zur Dusche/Badewanne möglich. Höchsten 4.000 Euro werden pauschal für alle notwendigen Änderungen bewilligt. Steigt der Pflegebedarf kann dieser Zuschuss erneut beantragt werden.

Pflegegrad 3: Zuzahlung ja oder nein?

Findet bei einem Pflegegrad 3 die Pflege stationär statt, erhalten Versicherte ebenfalls eine Unterstützung von der Pflegekasse. Diese beläuft sich im Monat auf 1.262 Euro und soll die reinen Pflegekosten decken.

Dennoch werden auch bei einem Pflegegrad 3 die Heimkosten nicht vollkommen übernommen. Pflegebedürftige müssen den sogenannten „einrichtungseinheitlichen Eigenanteil“ (EEE) sowie die Kosten für Unterkunft, Verpflegung also auch die anteiligen Investitionskosten selbst tragen. Dieser Anteil unterscheidet sich je nach Einrichtung und Region.
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