Pflegegrad 5: Besondere Anforderungen an die Pflege

Kurz und Knapp

  1. Der Pflegegrad 5 ist seit Januar 2017 der höchste Pflegegrad im neuen Pflegesystem.
  2. Personen mit „schwersten Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit und besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung“ können einen Pflegegrad 5 zugesprochen bekommen.
  3. Gemäß des neuen Begutachtungssystems wird der Pflegegrad 5 bei einer Punktzahl zwischen 90 und 100 erteilt.
  4. Pflegebedürftige mit einem Pflegegrad 5 können Pflegegeld, Pflegesachleistung und zudem auch Zuschüsse zur Wohnraumanpassung erhalten.

Wer kann einen Pflegegrad 5 erhalten? Der folgende Ratgeber informiert.

Wer kann einen Pflegegrad 5 erhalten? Der folgende Ratgeber informiert.


Das Zweite Pflegestärkungsgesetz hat umfangreiche Änderungen mit sich gebracht. Unter anderem wurden die Pflegestufen in Pflegegrade umgewandelt. Die höchste dieser neuen Einstufungen stellt der Pflegegrad 5 dar. Eine Definition und welche Kriterien hier wichtig sind, erklärt der folgende Ratgeber.

Pflegegrad-Rechner (unverbindliche Einschätzung)

Was bedeutet Pflegegrad 5?

Auch für einen Pflegegrad 5 müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein.

Auch für einen Pflegegrad 5 müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein.

Mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz gelten seit 01.01.2017 die fünf neuen Pflegegrade. Diese Umstellung ist in den §§ 14 und 15 Sozialgesetzbuch (SGB XI) Elftes Buch geregelt. Hier finden sich auch die Voraussetzungen, die für einen Pflegegrad wichtig sind. Um einen Pflegegrad 5 zu erhalten, müssen bei den Pflegebedürftigen schwerste Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit und zu dem auch besondere Anforderungen für die pflegerische Versorgung vorhanden sein.

Ist dies der Fall haben Betroffene Anspruch auf umfangreiche Leistungen aus der Pflegeversicherung. Pflegebedürftige, die vormals eine Pflegestufe 3 innehatten bzw. als Härtefall eingestuft waren, wurden automatisch in den Pflegegrad 5 eingeteilt. Gleiches galt für an Demenz Erkrankte mit einer dieser Einstufungen.

Mit der Erteilung von einem Pflegegrad gehen verschiedenste Leistungen einher. Diese können bei einem Pflegegrad 5 aus Geld bestehen, Sachleistungen beinhalten oder Beratungen und Kurse für pflegende Angehörige umfassen. Die nachfolgende Übersicht verdeutlicht die gesetzlichen Leistungen, die mit den jeweiligen Pflegegraden einhergehen:

PflegegradGrad der Pflegebe-
dürftigkeit
Pflegegeld im MonatEntlastungs-
leistungen
im Monat
1geringe Pflegebedürftig-
keit bzw. Beeinträch-
tigungen
kein Anspruch125 EUR
2erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit316 EUR689 EUR
3schwere Beeinträch-
tigung der Selbstständigkeit
545 EUR1.298 EUR
4schwerste Beeinträch-
tigung der Selbstständigkeit
728 EUR1.612 EUR
5schwerste Beeinträch-
tigung,
besondere Anforderungen
an die
pflegerische Versorgung
901 EUR1.995 EUR
Um diese Leistungen erhalten zu können, müssen Pflegebedürftige bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Ob dies der Fall ist, wird weiterhin aufgrund einer Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) oder bei privat Versicherten durch ein privates Unternehmen ermittelt.

Pflegegrad 5: Diese Voraussetzungen sind zu erfüllen

Unterstützung im Alltag: Für einen Pflegegrad 5 sind die Voraussetzungen klar definiert.

Unterstützung im Alltag: Für einen Pflegegrad 5 sind die Voraussetzungen klar definiert.

Mit den Änderungen der Pflegereform wurden auch die Richtlinien und Vorgaben für eine Begutachtung verändert und angepasst. Die Gutachter des MDK und anderer Prüfunternehmen arbeiten mit den Vorgaben des „Neuen Begutachtungsassessments (NBA)“. Es steht nun nicht mehr der Zeitaufwand für die Pflege und Betreuung im Vordergrund, sondern die Selbstständigkeit des Pflegebedürftigen.

Im Allgemeinen gilt, je unselbstständiger jemand ist, desto höher fällt der Pflegegrad aus. Damit Gutachter dies einschätzen können, werden sechs verschiedene Module geprüft und Punkte vergeben. Diese werden dann zu einer Gesamtpunktzahl addiert und bilden die Grundlage für die Entscheidung der Pflegekasse.

Ein Pflegegrad 5 setzt eine Gesamtpunktzahl zwischen 90 und 100 voraus. Zu den sechs Modulen, in den die vorhandene Selbstständigkeit der Pflegebedürftigen geprüft wird, gehören folgende:

  • Mobilität
  • kommunikative und kognitive Fähigkeiten
  • psychische Probleme und Verhaltensweisen
  • Fähigkeit zur Selbstversorgung
  • Bewältigung von krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen
  • Fähigkeit zur Gestaltung des Alltags und zum Pflegen sozialer Kontakte

Diese neuen Richtlinien tragen dazu bei, dass nicht nur körperlich beeinträchtigte Menschen einen Pflegegrad erhalten, sondern auch psychisch Erkrankte oder Menschen mit einer geistigen Behinderung. Der Pflegegrad 5 ist mit einer Demenz also ebenso möglich wie mit einer schweren körperlichen Beeinträchtigung oder einer einschränkenden psychischen Erkrankung.

Liegt eine außerordentliche Pflegebedürftigkeit vor, kann dies einen Pflegegrad 5 mit einem Härtefall begründen. Bei einer bestehenden Demenz wird in der Regel auch von einem Pflegegrad 5 mit eingeschränkter Alltagskompetenz gesprochen.

Sechs Module bei der Begutachtung

Pflegegrad 5: Ambulant Betreute werden ebenfalls begutachtet.

Pflegegrad 5: Ambulant Betreute werden ebenfalls begutachtet.

Wie bei jeder Begutachtung stehen bei einer Prüfung für den Pflegegrad 5 auch bestimmte Kriterien in jedem der sechs Module im Mittelpunkt. So werden im Modul „Mobilität“ beispielsweise Punkte wie der Positionswechsel im Bett, das Umsetzen, das Halten einer stabilen Sitzposition, die Fähigkeit zur Fortbewegung im eigenen Wohnraum sowie auch das Aufstehen und das Treppensteigen begutachtet.

Im zweiten Modul sind dann Themen enthalten wie das Erkennen von Personen, die örtliche und zeitliche Orientierung, das Erinnerungsvermögen sowie auch die Fähigkeit Entscheidungen zum Alltagsleben zu treffen und sich an Gesprächen beteiligen zu können.

Bezüglich der Verhaltensweisen prüfen die Guteachter, ob Verhaltensauffälligkeiten, Unruhen, autoaggressives oder verbal aggressives Verhalten vorhanden sind. Auch spielt es hier eine Rolle, ob Betroffene Wahnvorstellungen haben, unter Depression leiden oder die notwendige Pflege aggressiv zurückweisen.

Beim Modul „Selbstversorgung“ wird dann begutachtet, inwieweit eine selbstständige Nahrungs- und Getränkeaufnahme möglich ist. Sind Betroffene noch fähig die Körperpflege selbst durchzuführen und in welchem Maße? Auch das An- und Ausziehen sowie der Toilettengang stehen hier im Mittelpunkt.

Das fünfte Modul beschäftigt sich mit der Frage, wie Betroffene mit ihren Medikamenten bzw. Injektionen umgehen. Darüber hinaus wird begutachtet, wie viel Hilfe beispielsweise bei der Sauerstoffgabe, dem Versorgen von Wunden oder Zugängen usw. benötigt wird. Wie Betroffene mit Arzt- und Therapiebesuchen umgehen, ist ebenfalls von Bedeutung für die Einstufung. Das letzte Modul betrifft die Fähigkeit, den Alltag selbstständig zu planen. Hier wird begutachtet, ob ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus selbst geregelt werden kann. Darüber hinaus steht die Fähigkeit, für die Zukunft zu planen und selbst soziale Kontakte zu pflegen, hier im Mittelpunkt.

Erfüllen Pflegebedürfte für einen Pflegegrad 5 diese Kriterien, spiegelt sich das in der Gesamtpunktzahl wieder. Bevor es jedoch zu dieser wichtigen Begutachtung kommt, müssen Pflegebedürftige einen Antrag stellen.

Einen Pflegegrad 5 beantragen

Zu den Leistungen beim Pflegegrad 5 zählt auch die Verhinderungspflege.

Zu den Leistungen beim Pflegegrad 5 zählt auch die Verhinderungspflege.

Um bei einem Pflegegrad 5 Leistungen erhalten zu können, muss ein Antrag bei der Krankenkasse des Antragstellers bzw. bei der privaten Pflegeversicherung gestellt werden. Dies kann formlos per Telefon, E-Mail oder Brief geschehen und vom Antragsteller persönlich, einem Bevollmächtigten oder einem gesetzlichen Betreuer erfolgen.

Wird der Antrag per Telefon gestellt oder bei den anderen Varianten nicht alle notwendigen Informationen angegeben, sendet die Krankenkasse ein Antragsformular zu. Dieses muss ausgefüllt und unterschrieben zurückgeschickt werden. Die Krankenkasse leitet den Antrag an die zuständige Pflegekasse weiter, welche dann den Gutachter beauftragt. Dieser setzt sich in der Regel mit dem Antragsteller bzw. dessen gesetzlichem Vertreter in Verbindung und vereinbart einen Termin für die Begutachtung vor Ort.

Das Gutachten dient dann als Grundlage für die Entscheidung der Pflegekasse, welche dem Antragsteller in einem Bescheid mitgeteilt wird.

Widerspruch gegen einen Bescheid der Pflegekasse

Es kann jedoch auch vorkommen, dass Pflegebedürftige mit der Einschätzung des Gutachters oder mit dem Bescheid der Pflegekasse nicht einverstanden sind. In einem solchen Fall kann innerhalb von vier Wochen Widerspruch eingelegt werden.

Beim Pflegegrad 5 werden Heimkosten nicht komplett übernommen.

Beim Pflegegrad 5 werden Heimkosten nicht komplett übernommen.

Die Pflegekasse prüft, ob der Widerspruch berechtigt ist und veranlasst gegebenenfalls eine zweite Begutachtung. Kommt diese zum gleichen Ergebnis wie die erste, ist ein weiterer Widerspruch eher nicht sinnvoll. Hier sollten sich Betroffene an einen Anwalt wenden, um weitere Möglichkeiten zu besprechen. Fällt das zweite Gutachten jedoch anders aus, können Pflegebedürftige mit einem Pflegegrad 5 und den damit verbundenen Leistungen rechnen.

Welche Leistungen sind bei einem Pflegegrad 5 vorgesehen?

Wie bereits erwähnt, können Leistungen bei einem Pflegegrad 5 als Geldleistung, als Pflegesachleistung oder auch in Form von Pflegehilfsmitteln in Anspruch genommen werden. In der Regel sind Pflegebedürftige mit einem Pflegegrad 5 sehr auf die Hilfe anderer angewiesen.

Um diese Pflege und Betreuung gewährleisten zu können, sieht der Gesetzgeber für diesen Pflegegrad die umfangreichsten Leistungen vor. Wie diese genau aussehen können, erklären die nachfolgenden Abschnitte dieses Ratgebers.

Pflegegrad 5: Pflegegeld und Pflegesachleistungen

Das Pflegegeld wird beim Pflegegrad 5 auch nur dann ausgezahlt, wenn die Betreuung von Angehörigen, Freunden oder Bekannten zu Hause durchgeführt wird. Die häusliche Pflege darf in diesem Fall also nicht durch einen professionellen Pflegedienst erfolgen.

Wie hoch beim Pflegegrad 5 das Pflegegeld ausfällt, ist gesetzlich festgelegt,.

Wie hoch beim Pflegegrad 5 das Pflegegeld ausfällt, ist gesetzlich festgelegt,.

Das Pflegegeld beträgt monatlich 901 Euro. Zusätzlich können Angehörige beim Pflegegrad 5 auch einen Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro beantragen. Dieser kann dann für die Beauftragung einer Haushaltshilfe oder eines Alltagsbegleiters verwendet werden.

Wird die Pflege bei einem Pflegegrad 5 ambulant durch einen Pflegedienst übernommen, werden Pflegesachleistungen durch die Pflegekasse ausgezahlt. Diese betragen bei einem Pflegegrad 5 1.995 Euro im Monat.

Werden bei einem Pflegegrad 5 die Heimkosten übernommen?

Sind Betroffene mit einem Pflegegrad 5 stationär untergebracht, stellt sich oft die Frage, ob die Heimkosten hier komplett übernommen werden. Für die Pflege zahlt die Pflegekasse bei einer vollstationären Versorgung monatlich 2.005 Euro.

Allerdings deckt dies die Heimkosten nicht vollständig ab, sodass auch bei einem Pflegegrad 5 ein Eigenanteil gezahlt werden muss. Dieser bezieht sich dann auf die Kosten der Unterkunft sowie Verpflegung und beinhaltet den sogenannten „einrichtungseinheitlichen Eigenanteil“ (EEE). Der EEE ist für alle Bewohner gleich hoch. Wie hoch für die anderen Kosten unter einem Pflegegrad 5 die Zuzahlung ausfällt, ist je nach Einrichtung und Ausstattung unterschiedlich.

Wie sehen bei einem Pflegegrad 5 weitere Leistungen aus?

Neben den bereits genannten Leistungen können Pflegebedürftige mit einem Pflegegrad 5 weitere Unterstützung in Anspruch nehmen. Eine wichtige Hilfe auch bei einem Pflegegrad 5 ist die Verhinderungspflege, wenn pflegende Angehörige erkrankt oder im Urlaub sind.

In einem solchen Fall wird bis zu 28 Tage im Jahr eine Unterstützung in Höhe von 1.612 Euro gewährt. Wird keine Kurzzeitpflege im Jahr genutzt, kann sogar bis zu sechs Wochen eine Verhinderungspflege unterstützt werden. Dies kann dann mit maximal 2.418 Euro erfolgen. Das Pflegegeld wird während dieser Zeit weiterhin zur Hälfte gezahlt und beträgt dann 450,50 Euro monatlich.

Zuschüsse gehören beim Pflegegrad 5 zu den Leistungen, die in Anspruch genommen werden können.

Zuschüsse gehören beim Pflegegrad 5 zu den Leistungen, die in Anspruch genommen werden können.

Soll jedoch eine Kurzzeitpflege in Anspruch genommen werden, z. B. bei Urlaub der Pflegeperson oder nach einem Krankenhausaufenthalt, beträgt der Zuschuss für 28 Tage ebenfalls maximal 1.612 Euro. Wird allerdings keine Verhinderungspflege durch einen Pflegedienst im Jahr geleistet, kann die Unterstützung hier bis zu 3.224 Euro für maximal acht Wochen betragen. Auch hier wird die Hälfte des Pflegegeldes ausgezahlt.

Sind beispielsweise Tages- oder Nachtpflege notwendig, erhalten Pflegebedürftige mit einem Pflegegrad 5 einen Zuschuss von 1.995 Euro im Monat, wenn die Versorgung teilstationär geschieht. Auch Angehörige, die zu Hause pflegen, können Zuschüsse für Tages- und Nachtpflege erhalten. Diese werden nicht auf das Pflegegeld angerechnet.

Darüber hinaus können Pauschalen für Pflegehilfsmittel, wie Verbandsmaterial, Handschuhe oder Betteinlagen, sowie für einen Wohnraumumbau, wie der Einbau eines Treppenlifts oder eines barrierefreien Bades, beantragt werden. Für den Umbau sind einmalig bis zu 4.000 Euro möglich. Pflegehilfsmittel werden mit bis zu 40 Euro im Monat unterstützt. Ebenfalls gefördert werden etwa der Einbau eines Hausnotrufsystems oder gemäß § 45 SGB XI Pflegekurse für pflegende Angehörige und ehrenamtlich Pflegende.
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