Pflegegrad beantragen: Was ist hier zu beachten?

Kurz und Knapp

  1. Einen Pflegegrad beantragen können Pflegebedürftige bei der Krankenkasse oder der privaten Pflegeversicherung.
  2. Der Antrag für einen Pflegegrad kann formlos per Telefon, E-Mail oder Brief erfolgen. Berechtigt diesen zu stellen, sind Bedürftige selbst, bevollmächtigte Personen und gesetzliche Betreuer.
  3. Nach dem Eingang des Antrags erfolgt in der Regel eine Begutachtung des Antragstellers, damit ein Pflegegrad zugeteilt werden kann.
Wie und wo können Betroffene einen Pflegegrad beantragen? Der folgende Ratgeber informiert.

Wie und wo können Betroffene einen Pflegegrad beantragen? Der folgende Ratgeber informiert.

Um einen Pflegegrad zu erhalten, müssen Pflegebedürftige einen Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung stellen. Im Zuge dessen müssen bestimmte Anforderungen erfüllt werden, damit Leistungen gewährt werden können. Wie Betroffene einen Pflegegrad beantragen, beleuchtet der nachfolgende Ratgeber näher.

Pflegegrad-Rechner (unverbindliche Einschätzung)

Pflegegrad beantragen: Wer kann das?

Notwendiger Schritt für einen Pflegegrad: Einen Antrag stellen.

Notwendiger Schritt für einen Pflegegrad: Einen Antrag stellen.

Seit dem 01.01.2017 müssen Pflegebedürftige einen Pflegegrad beantragen, denn mit diesem Datum wurden die alten Pflegestufen in die fünf neuen Pflegegrade umgewandelt. Neben dieser Umwandlung wurde auch das Begutachtungsverfahren geändert, sodass bei einem Antrag auf einen Pflegegrad nun andere Begutachtungspunkte im Mittelpunkt stehen.

War zuvor der Zeitaufwand für die Pflege maßgebend, steht nun die Selbstständigkeit des Antragstellers im Vordergrund. Bedeutet das auch, dass jetzt weitaus mehr Menschen die Möglichkeit haben, einen Antrag auf Pflegeleistungen zu stellen? Wer ist eigentlich berechtigt, einen Pflegegrad zu beantragen? Wer pflegebedürftig ist, erhält Leistungen aus der Pflegeversicherung. Der Begriff der „Pflegebedürftigkeit“ wurde mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz neu bestimmt.

Gesetzlich ist der Begriff im Sozialgesetzbuch (SGB XI) Elftes Buch definiert. Hier wird festgelegt, wann ein Mensch als pflegebedürftig gilt. Erfüllen Personen also die Vorgaben dieser Definition, können sie einen Pflegegrad beantragen.

Gemäß § 14 SGB XI ist Pflegebedürftigkeit wie folgt definiert:

Pflegebedürftig im Sinne dieses Buches sind Personen, die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen. Es muss sich um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbständig kompensieren oder bewältigen können. Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, und mit mindestens der in § 15 festgelegten Schwere bestehen.

Pflegegrad beantragen: Wo ist das möglich?

Möchten Pflegebedürftige einen Pflegegrad beantragen, müssen sie dies bei der Pflegeversicherung tun. Im Allgemeinen reicht es aus, den Antrag für eine Pflege bei der Krankenkasse einzureichen. Diese leitet das an die zuständige Pflegeversicherung weiter. Sind Antragsteller privat bei einer Pflegeversicherung versichert, ist der Antrag an diese zu richten.

Pflegegrad beantragen: Wo geht das? Hier sind meist  die Krankenkassen zuständig.

Pflegegrad beantragen: Wo geht das? Hier sind meist die Krankenkassen zuständig.

Einen Pflegegrad beantragen können sowohl die Betroffenen selbst, bevollmächtigte Angehörige bzw. Freunde oder Pflegepersonen sowie gesetzliche Betreuer. Dies kann telefonisch oder durch einen formlosen Brief bzw. E-Mail geschehen. In der Regel sendet die Krankenkasse bzw. die zuständige Pflegeversicherung nach einer telefonischen Beantragung dann ein Antragsformular für einen Pflegegrad zu. Dieses muss ausgefüllt und unterschrieben zurückgeschickt werden.

Um eine Einschätzung vornehmen zu können, ob ein Pflegegrad erteilt werden kann und wie hoch dieser ausfällt, wird eine Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) bzw. einem privaten Unternehmen veranlasst.

Haben sich Betroffene entschieden einen Pflegegrad zu beantragen, werden sie gemäß der Vorgaben des neuen Begutachtungsassessments (NBA) begutachtet. Auf Grundlage dieser Beurteilung wird dann der Pflegegrad erteilt.

Was ist bei der Beurteilung wichtig?

Nach einem Antrag für Pflege steht meist eine Begutachtung durch den MDK an.

Nach einem Antrag für Pflege steht meist eine Begutachtung durch den MDK an.

Die Gutachter des MDK bzw. des privaten Unternehmens kündigen sich beim Antragsteller an, um einen Termin für die Begutachtung zu vereinbaren. Dies geschieht erst, wenn der Pflegeversicherung alle notwendigen Informationen über denjenigen, der einen Pflegegrad beantragen möchte, vorliegen.

Bei der Begutachtung stehen dann nicht mehr, wie erwähnt, der Zeitaufwand für die Pflege im Mittelpunkt, sondern die noch vorhandene Selbstständigkeit des Antragstellers. Hierfür werden in sechs verschiedenen Modulen Punkte vergeben und diese am Ende zusammengerechnet. Die Gesamtpunktzahl ergibt dann den Pflegegrad.

Im Allgemeinen gilt, dass je unselbstständiger ein Antragsteller ist, desto höher fallen Punktzahl und Pflegegrad aus. Die Punkteverteilung für die jeweiligen Pflegegrade sieht wie folgt aus:

  • 12,5 bis unter 27 Punkte: Pflegegrad 1
  • 27 bis unter 47,5 Punkte: Pflegegrad 2
  • 47,5 bis unter 70 Punkte: Pflegegrad 3
  • 70 bis unter 90 Punkte: Pflegegrad 4
  • 90 bis 100 Punkte: Pflegegrad 5

Zu den Modulen, in denen die Selbstständigkeit begutachtet wird, zählen neben der Mobilität und der Fähigkeit zur Selbstversorgung auch kommunikative sowie kognitive Fähigkeiten. Darüber hinaus spielen psychische Probleme und Verhaltensweisen ebenso eine Rolle wie die Fähigkeit krankheits- und therapiebedingte Anforderungen zu bewältigen. Zuletzt wird auch geprüft, ob Antragsteller fähig sind, ihren Alltag selbst zu planen und soziale Kontakte zu pflegen.

Ein Antrag auf Pflegeleistungen kann von Betroffenen, Angehörigen oder Betreuern gestellt werden.

Ein Antrag auf Pflegeleistungen kann von Betroffenen, Angehörigen oder Betreuern gestellt werden.

Es ist zu empfehlen, wenn Betroffene einen Pflegegrad beantragen wollen, dass ein sogenanntes Pflegetagebuch erstellt wird. Dieses kann besonders pflegeintensive Situationen widerspiegeln und bei der Begutachtung ebenfalls herangezogen werden.

Werden Pflegeleistungen, die Pflegebedürftige beantragen, bewilligt, ist die Pflegekasse für deren Auszahlung zuständig. Je nachdem was für einen Pflegegrad der Antragsteller erhält, fallen die jeweiligen Leistungen unterschiedlich hoch aus.

Zudem spielt es auch eine Rolle, welche Art von Pflege, Betreuung und Unterstützung ausgewählt wird. Handelt es sich um eine Pflege durch Angehörige, die zu Hause stattfindet, können Antragsteller, wenn sie einen Pflegegrad beantragen, gleichzeitig das Pflegegeld einfordern. Dieses wird in einem solchen Fall gezahlt.

Ist ein professioneller Pflegedienst mit der Betreuung beauftragt, werden sogenannte Pflegesachleistungen gezahlt. Diese unterscheiden sich in der Höhe teils deutlich vom Pflegegeld. Auch eine Kombination beider Leistungen ist oft möglich.

Widerspruch gegen einen Bescheid der Pflegekasse

Nach einer Begutachtung entscheidet die zuständige Pflegekasse anhand der zusammengetragenen Informationen über einen Pflegegrad. Diese wird dem Antragsteller in einem Bescheid mitgeteilt. Es kommt nicht selten vor, dass Betroffene mit der Einschätzung der Gutachter bzw. der Entscheidung der Pflegekasse nicht einverstanden sind.
In einem solchen Fall besteht die Möglichkeit, innerhalb von vier Wochen Widerspruch einzulegen. Betroffene müssen den Pflegegrad nicht neu beantragen, sondern auf das Ergebnis des Widerspruchs warten.

Pflegeberater können bei einem Antrag an die Pflegeversicherung unterstützen.

Pflegeberater können bei einem Antrag an die Pflegeversicherung unterstützen.

Nach dem Eingang eines solchen prüft die Kasse, ob dieser zulässig ist oder sofort abgelehnt wird. Ist der Widerspruch zulässig, werden die Fakten erneut geprüft und gegebenenfalls ein zweites Gutachten veranlasst. Kommt dieses zum gleichen Ergebnis wie das erste, ist ein weiterer Widerspruch in der Regel nicht mehr sinnvoll. Hier kann oftmals nur ein Anwalt weiterhelfen. Fällt das Ergebnis jedoch anders aus, können Antragsteller oft mit der Zuweisung eines höheren Pflegegrades rechnen.

Pflegeberater unterstützen Pflegebedürftige und deren Angehörige oft dabei einen Pflegegrad zu beantragen. Informationen diesbezüglich sind in der Regel bei den Krankenkassen oder Pflegeversicherungen erhältlich.
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