Pflegegrad erhöhen: Welche Schritte sind notwendig

Kurz und Knapp

  1. Einen Pflegegrad erhöhen zu lassen, ist nur nach einem Antrag möglich.
  2. Hat sich der Pflegebedarf verändert, kann ein Antrag auf Erhöhung vom Pflegegrad bei der Pflegekasse gestellt werden.
  3. Ist eine Entscheidung aufgrund der Aktenlage nicht möglich, wird in der Regel ein erneutes Gutachten durch den MDK veranlasst.
Ob es möglicht ist einen Pflegegrad zu erhöhen, beleuchtet der folgende Ratgeber.

Ob es möglicht ist einen Pflegegrad zu erhöhen, beleuchtet der folgende Ratgeber.

Nach der Umstellung von Pflegestufen auf Pflegegrade haben Pflegebedürftige das Recht, einen Antrag auf Erhöhung des Pflegegrads zu stellen, wenn sich der Bedarf seit der letzten Einstufung deutlich verändert hat. Um einen Pflegegrad zu erhöhen, ist neben dem Antrag bei der Pflegekasse oft auch ein erneutes Gutachten notwendig.

Pflegegrad-Rechner (unverbindliche Einschätzung)

Erhöhung vom Pflegegrad: Wann ist das möglich?

Pflegegrad erhöhen: Ein Antrag ist hierfür immer notwendig.

Pflegegrad erhöhen: Ein Antrag ist hierfür immer notwendig.

Das Ausmaß der Pflegebedürftigkeit kann sich im Laufe der Zeit verändern. Benötigen Bedürftige mehr Pflege, Unterstützung oder Betreuung, kann dies eine Erhöhung des Pflegegrades begründen.

Je nach Sachlage, zum Beispiel bei einer schnell voranschreitenden Erkrankung oder bei neuen Krankheitsbildern, kann sich der Pflegegrad unterschiedlich erhöhen. So ist auch ein Überspringen eines Grades möglich. Entspricht also der zugewiesene Grad nicht mehr dem tatsächlichen Bedarf und hat sich die vorhandene Selbstständigkeit verringert, kann eine Höherstufung bei der Pflegekasse beantragt werden. Dies ist ebenfalls eine Option, wenn weitere körperliche oder psychische Erkrankungen zu den bereits vorhandenen Beeinträchtigungen hinzukommen.

Angehörige und auch Betroffene selbst können darauf achten, ob Pflegepersonal oder der häusliche Pflegedienst auf einen erhöhten Bedarf hinweist und dies als Begründung für einen Antrag angeben.

Pflegegrad erhöhen: Ein Antrag ist immer notwendig

Wie bereits erwähnt, müssen Betroffene die Erhöhung vom Pflegegrad beantragen. Dies können die Versicherten bzw. ein Bevollmächtigter oder ein gesetzlicher Betreuer formlos per Brief tun. Der Antrag ist an die zuständige Pflegekasse zu richten.

Die Erhöhung vom Pflegegrad beantragen können Betroffene bei der Pflegekasse.

Die Erhöhung vom Pflegegrad beantragen können Betroffene bei der Pflegekasse.

Nach Eingang des Antrags, in dem darum gebeten wird, den Pflegegrad zu erhöhen, sendet die Pflegekasse in der Regel ein Antragsformular zu. Bei verschiedenen Krankenkassen können diese Formulare auch online eingesehen und ausgefüllt werden.

Dieses Formular muss ausgefüllt und unterschrieben zurückgeschickt werden. Das Online-Dokument wird von der Krankasse ebenfalls an die zuständige Pflegekasse weitergeleitet. Diese entscheidet dann anhand der vorliegenden Informationen, ob sie den Pflegegrad erhöhen kann oder eine erneute Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) bzw. durch ein privates Unternehmen stattfinden muss.

Kann eine Entscheidung aufgrund der Aktenlage nicht getroffen werden, ist meist ein Gutachten durch den MDK notwendig, um den gestiegenen Pflegebedarf feststellen und so mehr Leistungen aus der Pflegeversicherung genehmigen zu können.

Gutachten für eine Erhöhung von einem Pflegegrad

Ist eine erneute Begutachtung notwendig, um einen Pflegegrad zu erhöhen, gelten wie bei der Erstbegutachtung die Vorgaben des Neuen Begutachtungsassessments (NBA). Es wird die vorhandene Selbstständigkeit anhand eines Punktesystems und sechs Modulen überprüft.

Zu diesen Modulen gehören die folgenden Punkte:

  • Mobilität
  • kommunikative und kognitive Fähigkeiten
  • psychische Probleme und Verhaltensweisen
  • Fähigkeit zur Selbstversorgung
  • Bewältigung von krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen
  • Fähigkeit zur Gestaltung des Alltags und zum Pflegen sozialer Kontakte
Die Gutachter prüfen, inwieweit sich die zuvor festgestellten Punkte verändert haben und vergeben diese neu. Am Ende werden diese zu einer Gesamtpunktzahl zusammenaddiert. Liegt die Gesamtpunktzahl dann im Bereich eines neuen Pflegegrads, wird dieser in der Regel auch erteilt.

Ist ein Widerspruch möglich?

Pflegegrad erhöhen: Ein Widerpsruch ist auch hier möglich.

Pflegegrad erhöhen: Ein Widerpsruch ist auch hier möglich.

Wie beim Erstantrag haben Antragsteller, wenn sie den Pflegegrad erhöhen möchten, auch hier die Möglichkeit, einen Widerspruch gegen die Einstufung einzulegen. Haben Sie beispielsweise Zweifel an der erstellten Eingradung durch das Gutachten, ist ein Widerspruch innerhalb von vier Wochen möglich.

Dieser ist schriftlich bei der zuständigen Pflegekasse einzureichen. Diese prüft, ob ein Widerspruch berechtigt ist und veranlasst gegebenenfalls ein weiteres Gutachten. Fällt dieses anders aus, können Betroffene damit rechnen, dass die Pflegekasse den Pflegegrad erhöhen wird. Kommt das weitere Gutachten zum gleichen Ergebnis, ist ein erneuter Widerspruch eher nicht erfolgversprechend. Hier sollten Antragsteller einen Anwalt konsultieren.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (55 Bewertungen, Durchschnitt: 4,47 von 5)
Loading...

6 thoughts on “Pflegegrad erhöhen: Welche Schritte sind notwendig

  1. Rupert

    Guten Tag!
    Ich beantrage eine Neueinstufung des Pflegegrades meiner Mutter, da sich ihr
    Zustand wesentlich verschlechtert hat.
    Sie kann nicht mehr selbstständig gehen und braucht Betreuung, Tag und Nacht.
    Sie kann auch keinen Vollständigen Satz mehr sprechen, da ihr die Worte nicht
    mehr einfallen und ist öfters sehr aggressiv.

    Reply
    1. familienrecht.net

      Hallo Rupert,

      bitte wenden Sie sich für die Beantragung an die zuständige Pflegekasse. Wir repräsentieren keine zuständige Stelle.

      Ihr familienrecht.net-Team

      Reply
    1. familienrecht.net

      Hallo Brigitte,

      bitte wenden Sie sich an die hierfür zuständigen Stellen.

      Ihr familienrecht.net-Team

      Reply
  2. Bernd

    Liebes Team von Familienrecht.net,

    meine Schwiegermutter befindet sich derzeit im Krankenhaus und hat bereits die Pflegestufe 3. Aufgrund des Krankheitsverlaufes ist eine Erhöhung der Einstufung des Pflegegrades erforderlich. Der Pfegedienst hat uns empfohlen, den Antrag zur Neuanpassung über den Sozialdienst des Krankenhauses vornehmen zu lassen. Dieser Antrag hätte dann etwas mehr Nachdruck. Der für uns zuständige Mitarbeiter des Sozialdienstes weigert sich jedoch, uns bei der Antragstellung behilflich zu sein und argumentiert, er sei nicht zuständig. Kann er sich verweigern? Ist er nicht gerade dafür da?

    Vielleicht habt Ihr eine Antwort für dieses Problem.

    Mit freundlichen Grüßen
    Bernd

    Reply
    1. familienrecht.net

      Hallo Bernd,

      bitte wenden Sie sich zur Klärung an den zuständigen Dienst.

      Ihr familienrecht.net-Team

      Reply

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.