Pflegestufe 1: Wer bekam sie & was bedeutete sie?

Kurz und Knapp

  1. Die Pflegestufe 1 war die niedrigste der drei Stufen im alten Pflegeversicherungssystem.
  2. Mit der Pflegestufe 1 lag ein erhebliche Pflegebedürftigkeit vor, welche einen Anspruch auf Leistungen aus der Pflegeversicherung begründete.
  3. Die Pflegestufe konnte bei der Krankenkasse des Pflegebedürftigen beantragt werden und wurde durch Gutachter entweder bestätigt oder abgelehnt.
  4. Seit Januar 2017 wurden die Pflegestufen in Pflegegrade umgewandelt. Mit dieser Änderung ging auch eine Überarbeitung der Begutachtungsmaßstäbe einher.
Wann bekommt oder bekam man eine Pflegestufe 1? Antworten bietet dieser Ratgeber.

Wann bekommt oder bekam man eine Pflegestufe 1? Antworten bietet dieser Ratgeber.

Seit Januar 2017 werden den Hilfebedürftigen nicht mehr Pflegestufen, sondern Pflegegrade zugewiesen. Neben der neuen Art der Begutachtung wurden auch die Leistungen angepasst. Personen, die zuvor die Pflegestufe 1 genehmigt bekommen hatten, wurden automatisch in den nächsthöheren Pflegegrad eingestuft. Doch was bedeutet Pflegestufe 1 eigentlich und wer bekam sie?

Pflegegrad-Rechner (unverbindliche Einschätzung)

Was ist die Pflegestufe 1?

Für die Pflegestufe 1 waren die Kriterien im SGB XI festgelegt.

Für die Pflegestufe 1 waren die Kriterien im SGB XI festgelegt.

Was Pflegebedürftigkeit ist, wird in § 14 Absatz 1 Sozialgesetzbuch (SGB XI) Elftes Buch bestimmt. Der dort festgelegten Definition nach gelten Personen als pflegebedürftig, die „gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen.“

Um als hilfe- oder pflegebedürftig angesehen zu werden, müssen bestimmte Formen von Beeinträchtigungen vorliegen. Zu den in § 14 SGB XI definierten gehören sowohl körperliche oder kognitive als auch psychische Einschränkungen. Können Betroffene diese nicht selbst ausgleichen oder bewältigen, kann eine Pflegebedürftigkeit vorliegen.

Bis 2016 konnten Pflegebedürftige sogenannte Pflegestufen beantragen. Je nach Grad der Hilfebedürftigkeit und dem damit verbundenen Pflegeaufwand wurden verschiedene Pflegestufen genehmigt. Insgesamt gab es drei dieser Stufen mit einer vorgelagerten Stufe 0, bei der keine Pflegebedürftigkeit vorlag, Betroffene dennoch bestimmte Formen von Hilfe benötigten.

Jeder der Pflegestufen waren bestimmte Geld- und Sachleistungen zugeordnet, die für die Pflege der Betroffenen verwendet wurden. Die Pflegestufe 1 stellte die niedrigste Stufe in diesem System dar und wurde Personen zuerkannt, die eine erhebliche Pflegebedürftigkeit besaßen.

Doch was genau beinhaltet bzw. beinhaltete Pflegestufe 1? Zunächst ist es wichtig zu wissen, dass die Pflegestufe 1 Unterstufen besaß. Diese wurden dann für die Bemessung vom Pflegegeld für die Stufe 1 herangezogen. Zum einem gab es die Pflegestufe 1 mit eingeschränkter Alltagskompetenz und zum anderen die Pflegestufe 1 mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz.

Im Vordergrund standen bei der Pflegestufe 1 eher die körperlichen Beeinträchtigungen, die Betroffene im Alltag einschränkten. Die eingeschränkte Alltagskompetenz bei der Pflegestufe 1 bezog sich größtenteils also auf die körperlichen Symptome der Bedürftigkeit. Der Zeitaufwand bei der Pflege sowie der Grad der Behinderung war für Pflegestufe 1 ausschlaggebend. Was eine erhebliche Pflegebedürftigkeit darstellte, war zudem in § 15 SGB XI definiert. Im Zuge des Zweiten Pflegestärkengesetzes wurde dieser Paragraph angepasst und legt nun fest, wann welcher Pflegegrad zutreffend ist.

Voraussetzungen für die Pflegestufe 1

Fragen wie „Wer bekommt eigentlich die Pflegestufe 1?“ oder „Wann bekomme ich die Pflegestufe 1“ waren nicht selten, wenn es darum ging, zu ermitteln, ob eine Pflegebedürftigkeit vorlag oder nicht. Vielen war überhaupt nicht bekannt, was die Pflegestufe 1 für Voraussetzungen verlangte und welche Kriterien für einen Antrag überhaupt erfüllt sein mussten.

Wie beschrieben, verlangte diese Pflegestufe eine erhebliche Pflegebedürftigkeit. Wann eine solche vorlag, bemaß sich an den Minuten, die für eine Betreuung bzw. Hilfe aufgebracht werden musste. So bestand eine erhebliche Pflegebedürftigkeit üblicherweise dann, wenn im Alltag durchschnittlich mindestens 90 Minuten fremde Hilfe geleistet wurde. Von diesen 90 Minuten mussten mindestens 45 Minuten auf die sogenannte Grundpflege entfallen.

Für die Pflegestufe 1 zählte der Zeitaufwand bei der Hilfe, z. B. beim Putzen.

Für die Pflegestufe 1 zählte der Zeitaufwand bei der Hilfe, z. B. beim Putzen.

Bei Pflegestufe 1 umfasste diese Pflege die Bereiche Ernährung, Körperpflege oder Mobilität. Zur Ernährung gehörten und gehören immer noch Tätigkeiten wie das Essen mundgerecht für den Pflegebedürftigen zuzubereiten oder diesen wenn nötig auch zu füttern.

Bei der Körperpflege zählen das Baden, Duschen, Kämmen, Rasieren und der Toilettengang weiterhin dazu. Im Bereich Mobilität werden Tätigkeiten wie das Aufstehen oder Hinlegen ins Bett sowie das Verlassen und Aufsuchen der Wohnung betrachtet.

Benötigten Pflegebedürftige Hilfe bei zwei Tätigkeiten in diesen Bereichen, waren teilweise die Kriterien für eine Pflegestufe 1 erfüllt. Darüber hinaus musste eine mehrmalige Unterstützung in der Woche bei der Haushaltführung, zum Beispiel beim Einkaufen, Putzen, Heizen oder Kochen erfolgen. Sofern ebenfalls die festgelegten Zeitvorgaben zutrafen, bestand eine Hilfebedürftigkeit. Das heißt der Zeitaufwand entschied, ob Pflegestufe 1 vorlag oder nicht.

Zeit- und Pflegeaufwand für Pflegestufe 1 im Überblick

PflegestufeHilfebedarf pro TagGrundpflege im täglichen BedarfHilfe im Haushalt beim täglichen Bedarf
190 Minutenmehr als 45 Minutenverbleibende Zeit von 90 Minuten

Voraussetzung für die Pflegestufe 1: Ein Beispiel

Ein Pflegebedürftiger lebt im eigenen Haushalt benötigt jedoch täglich Unterstützung beim Aufstehen aus dem Bett, beim Waschen bestimmter Körperbereiche und beim Ankleiden, was mindestens 45 Minuten in Anspruch nimmt.

Die Voraussetzungen für die Pflegestufe 1 waren in bestimmte Bereiche gegliedert.

Die Voraussetzungen für die Pflegestufe 1 waren in bestimmte Bereiche gegliedert.

Zudem ist Hilfe beim Haarewaschen notwendig, was zwei Mal in der Woche geschieht. Darüber hinaus wird mindestens drei Mal pro Woche das Essen für den Pflegebedürftigen zubereitet, eingekauft und auch einige Reinigungsarbeiten durchgeführt.

In einem solchen Fall lag in der Regel eine erhebliche Pflegebedürftigkeit vor und die Bedingungen für die Pflegestufe 1 waren erfüllt. Einem Antrag auf Pflegestufe 1 wäre hier nach einer Begutachtung üblicherweise stattgegeben worden.

Sonderfall: Pflegestufe 1 mit Demenz

Bei einer Demenzerkrankung oder bei dauerhaft psychisch Kranken, die länger als sechs Monate erkrankt sind sowie bei dauerhaften geistigen Beeinträchtigungen, wurde bei der Prüfung für eine Pflegestufe auch betrachtet, ob eine erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz vorlag.

Waren Demenzkranke körperlich fit, benötigten jedoch bei alltäglichen Dingen Hilfe, wurden sie in der Regel in die Pflegestufe 0 eingestuft. Lag jedoch ein erhöhter Bedarf an Betreuung vor, der zusätzlich auch körperliche Beeinträchtigungen umfasste, konnte die Pflegestufe 1 erteilt werden.

Dies bedeutete für die Erkrankten, dass mit der Pflegestufe 1 mehr Leistungen genehmigt wurden und eine Betreuung einfacher zu gestalten war. Zu diesen zählten neben dem Pflegegeld auch die Pflegesachleistung. Mit der Pflegestufe 1 konnte so auch eine Versorgung durch einen häuslichen Pflegedienst stattfinden.

Wie bekomme ich Pflegestufe 1?

Um eine Pflegestufe zu erhalten, mussten Pflegebedürftige einen Antrag bei ihrer Krankenkasse bzw. bei der für sie zuständigen privaten Pflegeversicherung stellen. Die Stufe 1 wurde nicht automatisch zugewiesen, sondern auf Grundlage eines Gutachtens erteilt. Doch was kann oder konnte man bei der Pflegestufe 1 alles beantragen?

Der Antrag auf die Pflegestufe 1 war bei der Krankenkasse bzw. privaten Pflegeversicherung einzureichen.

Der Antrag auf die Pflegestufe 1 war bei der Krankenkasse bzw. privaten Pflegeversicherung einzureichen.

Zunächst ging es nur darum, die Einstufung zu erhalten. Die Leistungen wurden dann auf Grundlage dieser Einstufung gezahlt. Das hieß, wenn Betroffene oder deren Betreuer die Pflegestufe 1 beantragen wollten, wurde dieser Antrag zunächst von der Krankenkasse an die zuständige Pflegekasse weitergeleitet. Eine Beantragung der Pflegestunde 1 konnte zunächst formlos per Telefon, E-Mail oder Anschreiben eingereicht werden.

Die Krankenkasse versandte dann ein Antragsformular, was die Antragsteller ausfüllen mussten. Im nächsten Schritt stattete ein Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) dem Antragsteller einen persönlichen Besuch ab und beurteilte dessen Pflegebedürftigkeit anhand bestimmter Kriterien. Diese Vorgehensweise wurde weitestgehend beibehalten, mit dem Unterschied, dass die Begutachtungskriterien wesentlich verändert wurden.

Auf Basis dieses Gutachtens entschied die Pflegekasse über die Erteilung der Pflegestufe 1, die zustehenden Geldleistungen und eventuelle weitere Unterstützung.

Widerspruch: Wenn Pflegestufe 1 abgelehnt wurde

Wurde ein Antrag auf Pflegestufe 1 abgelehnt, konnte das viele Ursachen haben. Oftmals stellten Gutachter bezogen auf den Zeitaufwand keine Pflegebedürftigkeit fest, welche eine Pflegestufe 1 gerechtfertigt hätte.

Sind Betroffene mit der Einschätzung nicht einverstanden oder scheinen die Angaben fehlerhaft, besteht auch heute noch die Möglichkeit, Widerspruch einzulegen. Die Pflegekasse entscheidet dann immer noch, ob dieser zulässig ist und ein Zweitgutachten erfolgt.

Auch bei der Erteilung der Pflegestufe 1 wurde dies so gehandhabt. Ergab das zweite Gutachten eine Pflegebedürftigkeit, wurde in der Regel die Pflegestufe 1 genehmigt. Wurde der Widerspruch abgelehnt oder kam das zweite Gutachten zum gleichen Ergebnis wie das erste, war ein erneuter Widerspruch eher zwecklos.

Leistungen der Pflegestufe 1

Die wichtigsten Fragen stellten sich meist in Bezug auf das Pflegegeld. „Was bekommt man bei Pflegestufe 1“ oder „Bekomme ich Pflegestufe 1? Was steht mir zu?“ wurden nicht selten schon bei den Überlegungen zur Antragsstellung mit herangezogen.

Ein Widerspruch war bei Pflegestufe 1 durchaus möglich.

Ein Widerspruch war bei Pflegestufe 1 durchaus möglich.

Sowohl Geld- als auch Sachleistungen waren bei Pflegestufe 1 möglich. Das Geld konnte an Angehörige ebenso wie an Pflegedienste oder andere pflegende Personen überwiesen werden. Leistungsbezieher konnten entscheiden, ob sie bei Pflegestufe 1 Sachleistungen oder Pflegegeld erhalten wollten.

Das Pflegegeld oder Sachleistungen wurden dann gezahlt, wenn die Betreuung nur durch Angehörige oder Freunde zu Hause stattfand. Ein Anspruch auf Pflegesachleistungen bestand dann, wenn die Pflege vom Pflegedienst zu Hause oder zeitweise in einer Tages- oder Nachtpflegeeinrichtung stattfand.

Der Pflegesatz lag für Pflegestufe 1 bei 244 Euro bei monatlichem Pflegegeld oder bei 468 Euro bei monatlichen Pflegesachleistungen. Bei einer Pflegestufe 1 mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz bei einer Demenz lag das Pflegegeld bei 316 Euro und die Pflegesachleistungen bei 689 Euro.

Pflegestufe 1: Welcher Pflegegrad gilt nun?

Aus Pflegestufe 1 wurden Pflegegrad 2 oder 3.

Aus Pflegestufe 1 wurden Pflegegrad 2 oder 3.

Mit dem Inkrafttreten des Zweiten Pflegestärkungsgesetzes wurde auch die Pflegestufe 1 in einen Pflegegrad umgewandelt. Nach dem neuen Begutachtungssystem zählt nun die Selbstständigkeit, zu der der Antragsteller noch fähig ist, nicht mehr der Zeitaufwand für die Hilfe.

Grundsätzlich kann gesagt werden, dass aus der Pflegestufe 1 der Pflegegrad 2 wurde. Diese Umwandlung geschah automatisch, ohne dass eine erneute Begutachtung notwendig war. Inhaber der Pflegestufen erhielten automatisch den nächsthöheren Pflegegrad.

Pflegebedürftigen mit einer Demenz wurde in der Regel ein Grad zwei Stufen höher zugewiesen, sodass aus der Pflegestufe 1 hier ein Pflegegrad 3 wurde.

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4 thoughts on “Pflegestufe 1: Wer bekam sie & was bedeutete sie?

  1. Hans

    Ich würde gern mein Bad mit Badewanne , dass ich heute nur noch schwierig benutzen kann in eine
    barierefreie Dusche umbauen lassen, weil für mich heute sonst Sturzgefahr bei der Benutzungdes Bades besteht, wenn ich in die Badewanne einsteigten will .
    Dafür hätte ich gerne bitte eine Zusage für die Umbaukosten.
    Ich habe keine Pflegestufe und würde zur Zeit auch noch keine benötigen. Es ginge nur um eine Kostenübernahme für diesen Umbau. Ich habe auch keine Demenz. Erhalte ich diese Kostenübernahme nicht, sehe ich eine Möglichkeit für den Umbau derzeit nicht und müsste ich daher weiter mit diesem Problem leben nicht mehr baden oder duschen zu können, weil ich keine weiteren finanziellen Mittel habe . Ich bin 77 Jahre alt.

    Reply
    1. familienrecht.net

      Hallo Hans,

      bitte wenden Sie sich an das zuständige Sozialamt oder Ihre Krankenkasse. Wir können an dieser Stelle keine entsprechenden Zusagen erteilen, da unsere Plattform keine offizielle Stelle repräsentiert. Wir können auch nicht einschätzen, inwieweit eine Berechtigung in Ihrem Fall vorliegt und welche Chancen Anträge haben können.

      Ggf. kann die Beratung durch einen Rechtsanwalt zusätzlich helfen.

      Ihr familienrecht.net-Team

      Reply
  2. R.

    Hallo
    Ich habe Pflegestufe 1 bekommen weil ich wegen meiner Gesundheit nicht mehr selber meine Wohnung reinigen kann. Jetzt meine Frage wie viel Zeit für die Reinigung steht mir denn nun zu ???
    Und heißt denn nun auch in Zukunft Pflegestufe 1 weiterhin Pflegestufe 1 oder heißt es jetzt
    Pflegegrad und wenn was ist denn Pflegestufe 1 in Pflegegrad ???
    Für eine Antwort bedanke ich mich schon einmal im Voraus und verbleibe,
    mit freundlichen Grüßen
    R.

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