Pflegestufe 3: Was beinhaltet diese?

Kurz und Knapp

  1. Mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz wurde die Stufe in die Pflegegrade 4 oder 5 umgewandelt.
  2. Um die Pflegestufe 3 zu erhalten, musste ein Schwerstpflegebedürftigkeit vorliegen.
  3. Die höchste der drei Pflegestufen begründete Leistungen aus der Pflegeversicherung und bei einem Härtefall zusätzliche Unterstützung.
  4. Der Antrag für eine Pflegestufe 3 musste bei der Krankenkasse bzw. der zuständigen privaten Pflegeversicherung gestellt werden.
Was beinhaltete die Pflegestufe 3? Informationen finden Sie in diesem Ratgeber.

Was beinhaltete die Pflegestufe 3? Informationen finden Sie in diesem Ratgeber.

Die Pflegestufe 3 stellte bis Ende 2016 die höchste Stufe des Pflegesystems dar. Pflegebedürftige erhielten die meisten Leistungen, damit die angemessene Betreuung gewährleistet war. Doch was beinhaltet oder beinhaltete Pflegestufe 3 genau? Wann bekommt bzw. bekam man die Pflegestufe 3? Wie viel Pflegegeld oder Sachleistungen bei Pflegestufe 3 waren möglich?

Pflegegrad-Rechner (unverbindliche Einschätzung)

Was war die Pflegestufe 3?

Die Einstufung in die Pflegestufe 3 geschah erst nach der Beantragung und Begutachtung.

Die Einstufung in die Pflegestufe 3 geschah erst nach der Beantragung und Begutachtung.

Was genau bedeutet oder bedeutete Pflegestufe 3 im Zusammenhang mit einer Pflege­bedürftigkeit? Um das näher betrachten zu können, muss zu nächst definiert werden, wann eine Pflegebedürftigkeit vorliegt. Rechtlich findet sich die Grundlage für eine solche Definition in § 14 Absatz 1 Sozialgesetzbuch (SGB XI) Elftes Buch.

Personen sind demnach dann pflegebedürftig, wenn sie „gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen.“ Beeinträchtigt sind Personen unter anderem dann, wenn sie körperliche, kognitive oder psychische Einschränkungen aufweisen und diese selbst nicht ausgleichen können. In einem solchen Fall kann eine Pflegebedürftigkeit vorliegen.

Je nachdem wie diese Bedürftigkeit ausfällt, können Betroffene einen Anspruch auf Leistungen aus der Pflegeversicherung haben. Ob Stufe 3, 2 oder 1 hing vom Maß der alltäglichen Beeinträchtigungen ab. Bis Ende 2016 wurde der Pflegeaufwand herangezogen, um eine solche Einstufung in die Pflegestufe 3, 2 oder 1 vornehmen zu können. Das hieß, dass der Zeitaufwand für die Hilfe und Unterstützung bei der Zuweisung einer Pflegestufe mit die größte Rolle spielt. Mit jeder dieser Pflegestufen waren Leistungen verbunden, die auf den jeweiligen Pflegeaufwand und den Bedarf abgestimmt waren. So war verständlicherweise das Pflegegeld für Stufe 3 höher angesetzt als für die Stufen 2 und 1.

Ein Zuschuss zur Pfelgestufe 3 musste beispielsweise bei den Heimkosten von den Empfängern selbst getragen werden.

Ein Zuschuss zur Pfelgestufe 3 musste beispielsweise bei den Heimkosten von den Empfängern selbst getragen werden.

Für die Zuweisung einer Pflegestufe 3 musste eine „Schwerstpflegebedürftigkeit“ vorliegen. Diese Pflegestufe sollte die Betreuung von Menschen mit schwerwiegenden körperlichen und kognitiven Beeinträchtigungen sicherstellen. Darüber hinaus konnte die Pflegestufe 3 mit einem Härtefall gleichgesetzt werden und kam dann ebenfalls zur Anwendung.

Kam eine Demenzerkrankung oder ein andere dauerhafte psychische Erkrankung zu den körperlichen Beeinträchtigungen hinzu, wurde in der Regel von einer Pflegestufe mit eingeschränkter Alltagskompetenz gesprochen. Den Betroffenen standen dann ebenfalls alle Leistungen der Pflegestufe 3 zu.

Voraussetzungen für eine Pflegestufe 3

Der Zeitaufwand stand bei Pflegestufe 3, wie bei allen anderen Stufen auch, im Vordergrund. Eine Voraussetzung für die Pflegestufe 3 war es also, dass der Pflegebedürftige mindestens fünf Stunden am Tag auf fremde Hilfe angewiesen war.

Mindestens vier Stunden davon mussten für die sogenannte Grundpflege aufgewendet werden. Zu dieser gehörten Hilfe bei der Nahrungsaufnahme (Ernährung), beim Aufstehen, Hinlegen, Stehen sowie Gehen (Mobilität) und beim Waschen, Duschen, Baden oder dem Toilettengang (Körperpflege). Auch musste der Pflegebedarf rund um die Uhr bestehen, also auch nachts.

Der Zeitaufwand stand bei Pflegestufe 3 im Vordergrund.

Der Zeitaufwand stand bei Pflegestufe 3 im Vordergrund.

Darüber hinaus gehörte die mehrmalige, wöchentliche Hilfe bei der Haushaltsführung bei der Pflegestufe 3 zu den Voraussetzungen, die erfüllt werden mussten.

Hierzu zählten zum Beispiel Hilfe beim Einkaufen, Putzen, Kochen oder anderen im Haushalt zu erledigenden Dingen. Die restliche Zeit der fünf Stunden pro Tag wurde in der Regel für diese Hilfe angesetzt.

Neben dem Zeitaufwand standen auch eher die körperlichen Einschränkungen im Fokus. Doch auch bei der Pflegestufe 3 konnten Leistungen darüber hinaus genehmigt werden. So wurde bei einer vorliegenden Demenz oder einer dauerhaften psychischen Erkrankung bzw. einer geistigen Beeinträchtigung auch geprüft, ob diese zu einer dauerhaft erheblich eingeschränkten Alltagskompetenz führten. Dies erforderte dann ein höheres Maß an Betreuung und Beaufsichtigung, was eine Pflegestufe 3 begründen konnte.

Pflegestufe 3: Zeitaufwand und Minuten

Wie beschrieben musste ein Pflegebedarf von fünf Stunden pro Tag vorliegen, damit ein Pflegesatz der Stufe drei genehmigt werden konnte.

Pflege- und Zeitaufwand für Pflegestufe 3:

PflegestufeHilfebedarf pro TagGrundpflege im täglichen BedarfHilfe im Haushalt beim täglichen Bedarf
35 Stundenmind. 4 Stunden den ganzen Tag durchverbleibende Zeit von 5 Stunden, mehrmals in der Woche

Pflegestufe 3: Wann der Härtefall vorlag

Wie bereits erwähnt, wurden Pflegebedürftige, die mehr Betreuung bedurften, als es für Pflegestufe 3 verlangt wurde, als Härtefälle anerkannt. In einem solchen Fall erhielten Betroffene die höchstmöglichen Leistungen aus der Pflegeversicherung. Dies konnten sowohl Sachleistungen als auch Pflegegeld für die Pflegestufe 3 sein.

Schwerstpflegebedürftige Personen, die bei der Ernährung, Körperpflege und Mobilität täglich etwa sieben Stunden Hilfe benötigten und davon zwei Stunden auch in der Nacht Unterstützung brauchten, galten als Härtefälle.

Handelt es sich bei einer Pflegestufe 3 um einen Härtefall, konnte die Geldleistung auch für die Unterbringung in einem Pflegeheim verwendet werden. So konnten in der Regel mit der Pflegestufe 3 häusliche Pflege, Pflegeheim und Betreuung zu Hause organisiert werden.

Antrag auf die Pflegestufe 3

Lagen die Voraussetzungen für eine Pflegestufe 3 vor, gab der Gutachter dies an die Pflegekasse weiter.

Lagen die Voraussetzungen für eine Pflegestufe 3 vor, gab der Gutachter dies an die Pflegekasse weiter.

Um eine Pflegestufe 3 mit oder ohne einen Härtefall zu erhalten, mussten Pflegebedürftige oder ihre gesetzlichen Betreuer einen Antrag stellen. Dieser konnte formlos per Telefon, E-Mail oder Abschreiben bei der zuständigen Krankenkasse oder der privaten Pflegeversicherung eingereicht werden. Ohne einen Antrag für die Pflegestufe 3 konnten kein Geld oder etwaige Sachleistungen für Pflegebedürftige genehmigt werden.

Die Krankenkassen bzw. die zuständige Versicherung sandte in der Regel dann ein Antragsformular zu, welches die Antragsteller oder ihre Betreuer ausgefüllt und unterschrieben zurücksenden mussten. Dieser Antrag wurde bearbeitet und gemeinsam mit dem durch einen Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) erstellten Gutachten als Grundlage für eine Entscheidung genutzt. Das Gutachten bestimmte dann welche Pflegestufe der Antragsteller zugewiesen bekam und ob Geld für eine Pflegestufe 3 gezahlt wurde.

Dieses Prinzip hat sich im Wesentlichen nach der Umwandlung in Pflegegrade nicht geändert. Allerdings wurden die Kriterien der Begutachtung grundlegend überarbeitet und verändert.

Widerspruch gegen einen negativen Bescheid

Wurden Empfänger der Pflegestufe 3 im Pflegeheim betreut, wurden nur die Kosten der Pflege durch die Zahlungen abgedeckt.

Wurden Empfänger der Pflegestufe 3 im Pflegeheim betreut, wurden nur die Kosten der Pflege durch die Zahlungen abgedeckt.

Das Gutachten konnte jedoch auch bedeuten, dass eine Zuweisung der Pflegestufe 3 und deren Geldleistung abgelehnt wurden, da der Gutachter keine ausreichende Pflegebedürftigkeit festgestellt hat. Waren Antragsteller mit dieser Einschätzung nicht einverstanden, konnten Sie innerhalb von vier Wochen Widerspruch einlegen.

Nach Eingang eines solchen, prüfte die Pflegekasse, ob dieser berechtigt war und veranlasste gegebenenfalls ein zweites Gutachten. Kam dieses allerdings zu dem Schluss, dass das erste Gutachten zu bestätigen war, lohnte sich ein weiterer Widerspruch in der Regel nicht mehr. Hier konnte üblicherweise meist nur noch ein Anwalt behilflich sein.

Bewertete das zweite Gutachten die Situation jedoch anders, konnten Antragsteller oftmals damit rechnen, dass für sie in der Pflegestufe 3 die Kosten für die Unterstützung übernommen wurde.

Was bekommt oder bekam man bei einer Pflegestufe 3?

Wie viel Geld bekommt oder bekam man bei einer Pflegestufe 3? Diese Frage war in der Regel die wichtigste im Zusammenhang mit den Leistungen aus der Pflegeversicherung. Pflegebedürftige konnten sich zwischen zwei Arten der Unterstützung entscheiden. Zum einen war es möglich Pflegegeld bei der Stufe 3 zu erhalten. Zum anderen waren aber auch Pflegesachleistungen eine Option.

Ersteres wurde dann gezahlt, wenn die Pflege durch Familie oder Freunde zu Hause durchgeführt wurde. Die Sachleistungen gab es, wenn ein Pflegedienst die Hilfe zu Hause übernahm. Das Pflegegeld belief sich auf 728 Euro monatlich, wohingegen die Pflegesachleistungen bei 1.612 Euro monatlich lagen. Ebenfalls möglich war eine Kombination aus beiden Arten. Sowohl Angehörige als auch ein Pflegedienst übernahmen dann die Betreuung.

Bei einer Pflegestufe 3 lag das Pflegegeld bei 728 Euro monatlich.

Bei einer Pflegestufe 3 lag das Pflegegeld bei 728 Euro monatlich.

Handelte es sich um Härtefälle mit Pflegestufe 3, blieb das Pflegegeld unverändert, die Pflegesachleistungen für die benötigte professionelle Hilfe erhöhten sich jedoch auf 1.995 Euro. War eine Heimunterbringung oder eine stationäre Pflege notwendig, wurden die Kosten bei einer Pflegestufe 3 von der Pflegekasse nur soweit übernommen, wie es die reinen Pflegeleistungen vorgaben. Das heißt, dass eine Zuzahlung bei Pflegestufe 3 notwendig war.

Diese musste für die Unterkunft, die Verpflegung sowie für einen sogenannten Investitionskostenanteile geleistet werden. Der Eigenanteil unterschied sich je nach Ausstattung der Einrichtung sowie nach Region und Lage. Im Pflegegeld für die Stufe 3 war die Heimunterbringung also keineswegs voll enthalten.

Welcher Pflegegrad korrespondiert nun mit Pflegestufe 3

Mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz fielen die bekannten Pflegestufen weg. Neu erarbeitet wurden die heute gültigen fünf Pflegegrade. Nun steht nicht mehr der Zeitaufwand bei der Pflege im Vordergrund bei der Begutachtung, sondern die Selbstständigkeit des Antragstellers.

Je unselbstständiger Pflegebedürftige sind, desto höher ist der Pflegegrad. Pflegebedürftige mit der Pflegestufe 3 wurden automatisch in die Pflegegrade 4 oder 5 eingestuft.

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