Pflegestufen heißen jetzt Pflegegrade

Pflegegrad-Rechner (unverbindliche Einschätzung)

Kurz und Knapp

  1. Die ehemaligen Pflegestufen legten den Grad der Pflegebedürftigkeit fest und definierten, welche Leistungen aus der Pflegeversicherung Betroffene erhielten.
  2. Mit dem Pflegestärkungsgesetz wurden 2017 die Pflegestufen in Pflegegrade umgewandelt. Die Begutachtung findet nun nicht mehr auf Basis des Zeitaufwands für die Pflege statt, sondern zieht das Maß der Selbstständigkeit des Pflegebedürftigen heran.
  3. Der Antrag für einen Pflegegrad muss jedoch weiterhin bei der Krankenkasse gestellt werden. Die Leistungen bemessen sich dann anhand des festgestellten Pflegegrades.
Welche Pflegestufen gab es und wer erhielt sie? Informationen dazu finden Sie hier,

Welche Pflegestufen gab es und wer erhielt sie? Informationen dazu finden Sie hier.

Seit Januar 2017 werden den Hilfebedürftigen von den Pflegekassen nicht mehr die bekannten Pflegestufen zugewiesen, sondern neu definierte Pflegegrade. Betroffene, die bereits zuvor eine Pflegestufe hatten, wurden automatisch in den nächsthöheren Pflegegrad übernommen. Umgangssprachlich wird meist weiterhin von Pflegestufen gesprochen. Diese bestimmen, welchen Grad an Hilfe und Unterstützung Antragsteller von den Pflegekassen erhalten.

Wozu gab es Pflegestufen?

Eine Einstufung in eine Pflegestufe erfolgte aufgrund einer definierten Bedürftigkeit.

Eine Einstufung in eine Pflegestufe erfolgte aufgrund einer definierten Bedürftigkeit.

Personen, die Hilfe im Alltag sowie Pflege benötigen, werden durch die Pflegekassen unterstützt, wenn sie dies beantragen und die gesetzlich festgelegten Voraussetzungen für eine Hilfebedürftigkeit erfüllen. Bis Dezember 2016 wurde das Maß einer solchen Hilfebedürftigkeit in unterschiedliche Pflegestufen eingeteilt.

Je nach dem bestehenden Bedarf erhielten Hilfebedürftige Leistungen, die einer bestimmten Pflegestufe zugewiesen waren. Dieses Prinzip besteht auch nach der Änderung in Pflegegrade weiterhin. Aus den vier Pflegestufen wurden fünf Pflegegrade, die jeweils verschiedene Ausmaße der Pflege- bzw. Hilfebedürftigkeit abdecken und entsprechende Leistungen zuweisen.

Die rechtliche Grundlage, was eine Hilfebedürftigkeit definiert und ab wann eine Pflegestufe bzw. ein Pflegegrad erteilt werden kann, findet sich in § 14 Absatz 1 Sozialgesetzbuch (SGB XI) Elftes Buch. Demnach gelten Personen als pflegebedürftig, die „gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen.“

Betroffene müssen, um dieser Definition zu entsprechen, bestimmte Arten von Beeinträchtigungen aufweisen. Zu diesen zählen gemäß § 14 SGB XI körperliche, kognitive oder psychische Einschränkungen, die durch die Betroffenen nicht selbst bewältigt werden können. Auch gesundheitliche Belastungen sowie alltägliche Anforderungen können eine solche Pflegebedürftigkeit begründen.

Eine Einstufung in Pflegestufen und jetzt Pflegegrade stützt sich in der Regel auf diese Definition. Ebenso ist festgelegt, dass der Zustand der Bedürftigkeit für mindestens sechs Monate bestehen und in einer Schwere, die in § 15 SGB XI definiert ist, vorliegen muss.

Diese Definition des Begriffs macht deutlich, dass eine Pflegebedürftigkeit nicht vom Alter eines Menschen abhängig ist. Auch Personen, die schwer krank, geistig oder körperlich eingeschränkt sind, können Hilfe und Unterstützung beantragen.

Grundlage für Pflegestufen und die Einstufung in diese

Neue Pflegestufen: Auch die Pflegegrade beruhen auf der Definition im SGB XI.

Neue Pflegestufen: Auch die Pflegegrade beruhen auf der Definition im SGB XI.

Um einen Antrag auf eine Pflegestufe bzw. einen Pflegegrad stellen zu können, müssen Betroffene, wie zuvor beschrieben, bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Die andauernde Einschränkung im täglichen Leben muss durch einen Arzt oder Gutachter festgestellt werden. Diese Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) oder anderer Prüforganisationen werden beauftragt, wenn ein Antrag eingegangen ist.

Dies galt für die Beantragung einer Pflegestufe und wird nun auch bei einem Antrag auf einen Pflegegrad verlangt. Antragsteller müssen nachweisen, dass sie in der Ausübung alltäglicher Tätigkeiten beeinträchtigt sind und Hilfe benötigen.

Im SGB waren für die Pflegestufen vier Bereiche festgelegt, in denen Hilfebedürftige Unterstützungen von den Pflegekassen erhalten können. Diese Bereiche wurden bei einer Einstufung zu bestimmten Pflegestufen unter den Voraussetzungen der gesetzlich definierten Bedürftigkeit betrachtet.

Zum Bereich Körperpflege zählten Baden, Duschen, Waschen, Kämmen, Rasieren, Zahnpflege sowie der Toilettengang. Der nächste Bereich umfasste die Hilfe bei der Nahrungsaufnahme, entweder durch Füttern oder durch die Zubereitung der Nahrung.

Der dritte Bereich beinhaltete alles, was mit Mobilität zusammenhängt. Inbegriffen sind hier zum Beispiel das An- und Ausziehen der Kleidung, sowie das Aufstehen oder Hinlegen. Darüber hinaus waren auch das Gehen, Stehen und die Treppennutzung sowie auch das Verlassen der Wohnung in diesem Bereich vertreten.

Voraussetzungen für eine Pflegestufe: Hilfe bei der Nahrungsaufnahme und in einem weiteren Bereich das Alltags.

Voraussetzungen für eine Pflegestufe: Hilfe bei der Nahrungsaufnahme und in einem weiteren Bereich das Alltags.

Als letztes wurde die Versorgung in der eigenen Wohnung benannt. Diese hauswirtschaftliche Hilfe umfasste dann die Reinigung der Wohnung, das Waschen der Wäsche sowie auch das Abspülen des Geschirrs. Zudem zählten auch Einkaufen und Kochen zu diesem Bereich.

Sind Personen nicht in der Lage, Tätigkeiten aus diesen Bereichen selbstständig auszuführen, erfüllen sie eventuell die Voraussetzungen für eine Pflegestufe bzw. einen Pflegegrad. Bei einem Antrag für eine Pflegestufe wurden diese Bereiche betrachtet, um das Maß an Hilfebedürftigkeit festlegen zu können. Ähnlich geschieht das nun auch bei den Pflegegraden, jedoch unter anderen Maßstäben.

Wie sieht der Unterschied zwischen Pflegestufe und Pflegegrad aus?

Das Zweite Pflegestärkungsgesetz (PSG II) brachte im Januar 2017 umfassende Änderungen mit sich. Eine der bedeutendsten ist die Einführung der fünf neuen Pflegegrade. Diese sind an die Stelle der bis dahin bestehenden Pflegestufen getreten.

Auch wenn es umgangssprachlich immer noch heißt „die 5 neuen Pflegestufen“ gibt es doch wesentliche Unterschiede zwischen beiden Systemen zu beachten. Die bisher bestehenden Pflegestufen 0 bis 3 wurden in die Pflegegrade 1 bis 5 umgewandelt. Dieses Vorgehen ist rechtlich in § 140 Sozialgesetzbuch Elf (SGB XI) festgehalten.

Mit dieser Umwandlung soll die Unterstützung verbessert werden und auch Menschen mit geringeren Einschränkungen dazu berechtigen, Hilfe zu erhalten. Nun werden Pflegebedürftige und Personen mit eingeschränkter Alltagskompetenz nach neuen Richtlinien beurteilt. So können Demenzkranke oder längerfristig psychisch Kranke ebenfalls einen Pflegegrad erhalten, auch wenn sie körperlich durchaus in der Lage sind, den Alltag zu meistern.

War für eine Pflegestufe zuvor kein Antrag möglich, können Betroffene nun unter Umständen doch mit einer Unterstützung rechnen und Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten. Die Bereiche der Begutachtung wurde im Zuge des PSG II angepasst und erweitert.

Nun gehören zu den Bereichen, die für eine Begutachtung herangezogen werden, folgende:

Die Kriterien für eine Pflegestufe wurden mit der Umwandlung in Pflegegrade verändert.

Die Kriterien für eine Pflegestufe wurden mit der Umwandlung in Pflegegrade verändert.

  • Mobilität
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  • Selbstversorgung
  • Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
  • Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte

Damit haben sich die für die Pflegestufen geltenden Kriterien geändert, sodass sich Gutachter nun eher die Einschränkungen der Selbstständigkeit sowie die Fähigkeiten des Antragstellers ansehen. Um Betroffene nach den neuen Grundlagen beurteilen zu können, wurde neben der Umwandlung der Pflegestufen auch ein neues Prüfverfahren erstellt.

Das „neue Begutachtungsassessment“ (NBA) beinhaltet einen Fragenkatalog, der darauf ausgerichtet ist, den Grad der Selbständigkeit zu ermitteln. Dies geschieht anhand eines Punktesystems. Je mehr Punkte dem Antragsteller zugebilligt werden, desto höher fällt der Pflegegrad aus. Dies wurde bei den Pflegestufen zuvor anders gehandhabt. Im Gegensatz zu den Pflegestufen wird bei den Pflegegraden der Aufwand nicht mehr nur aufgrund der Zeitaufwendung für die Pflege oder Betreuung bemessen. Der Grad der Selbstständigkeit beeinflusst nun auch die Einstufung in einen Pflegegrad.

Aufgrund dieses Gutachtens entscheidet die zuständige Pflegekasse dann, welcher Pflegegrad und welche Leistungen bewilligt werden oder ob der Antrag abzulehnen ist.

Größter Unterschied bei einer Demenzerkrankung

Für die Erteilung der Pflegestufen wurden die Zeiten als Basis genommen. Dies ändert sich mit den Pflegegraden.

Für die Erteilung der Pflegestufen wurden die Zeiten als Basis genommen. Dies ändert sich mit den Pflegegraden.

Der Sonderfall Demenz, der zuvor Pflegestufe 0 ausmachte, ist durch die Umwandlung nun Teil der Begutachtungskriterien. War es zuvor schwer bei körperlich aktiven Erkrankten eine Pflegestufe bei Demenz zu erhalten, soll das neue System dies erleichtern. Insbesondere für eine Demenzerkrankung oder eine psychische Beeinträchtigung ist es wichtig, dass die Unterscheidung zwischen körperlichen und geistigen Einschränkungen entfällt.

Das Thema „Demenz und Pflegestufe“ war für viele Betroffene und auch Angehörige beziehungsweise Pflegepersonal oftmals ein sehr schwieriges, da meist keine oder nur geringe Hilfen bewilligt wurden. Dies lag daran, dass Erkrankte oft körperlich noch fit waren. So kam es durchaus vor, dass das gezahlte Pflegegeld bei einer Demenz nicht ausreichte. Dies soll durch die neue Einstufung in Pflegegrade unterbunden werden, sodass diese Betroffenen nicht benachteiligt sind.

Pflegegrade und Pflegestufen in der Übersicht

Pflegebedürftige fragen sich, bevor sie Unterstützung beantragen, meist auch, welche Pflegestufen bzw. Pflegegrade auf sie zutreffen könnten. Dazu ist es wichtig zu wissen, was die Stufen bzw. Grade jeweils bedeuten. Nachfolgend findet sich eine kurze Übersicht zu den Pflegestufen, die lange Zeit Grundlage für die Pflegestufensätze, also die bewilligten Leistungen waren.

Bis Januar 2017 wurden, wie erwähnt, die Pflegestufen 0 bis 3 vergeben, wobei es sich bei der Pflegestufe 0 im eigentlichen Sinne nicht um eine solche handelte. Hier wurden Leistungen bewilligt, ohne dass eine eigentliche Pflegebedürftigkeit festgestellt wurde. In der Regel zählten oft Demenzkranke zu den Leistungsempfängern. Voraussetzung war eine eingeschränkte Alltagskompetenz.

Um die Pflegestufe 1 zu erhalten, musste eine erhebliche Pflegebedürftigkeit vorliegen. Hierbei handelte sich um die unterste Stufe der Pflegebedürftigkeit. Antragsteller mussten bei mindestens zwei Tätigkeiten aus den Bereichen Mobilität, Ernährung oder Körperpflege täglich Unterstützung benötigen. Zudem musste es mehrmals in der Woche Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung oder Hausreinigung geben. Je nach Ausmaß der Bedürftigkeit wurde hier auch zwischen verschiedenen Pflegegeldstufen unterschieden.

Stieg der Zeitaufwand, war eine Erhöhung der Pflegestufe möglich.

Stieg der Zeitaufwand, war eine Erhöhung der Pflegestufe möglich.

Bei der Pflegestufe 2 musste eine sogenannte Schwerpflegebedürftigkeit vorliegen. Bedürftige mussten mindestens dreimal am Tag Hilfe in verschiedenen Bereichen benötigen. Auch hier wurde der Zeitaufwand für die Unterstützung bei der Mobilität, der Ernährung oder der Körperpflege bemessen und beurteilt. Hinzu kam bei dieser Pflegestufe ebenfalls die mehrmalige Hilfe in der Woche bei der Hauswirtschaft, wie Einkaufen oder Reinigen.

Die Pflegestufe 3 bedeutete, dass eine Schwerstpflegebedürftigkeit vorhanden war. Betroffene benötigten rund um die Uhr Pflege und Hilfe bei der Ernährung, der Körperpflege sowie bei der Mobilität. Wie bei den Stufen 1 und 2 zählte die mehrmalige Unterstützung bei der Hauswirtschaft auch hier zu den Kriterien. Zudem wurde bei einer vollstationären Versorgung ebenfalls oft die Pflegestufe 3 erteilt.

Stieg bei einer Pflegestufe der Zeitaufwand erheblich, war eine Erhöhung der betreffenden Pflegestufe auf die nächsthöhere möglich, sofern nicht bereits die Pflegestufe 3 vorlag. Welche Leistungen Antragsteller erhielten, war vom Zeitaufwand für die Hilfe abhängig. Je mehr Zeit benötigt wurde bzw. durch den Gutachter für die Tätigkeiten prognostiziert wurde, desto mehr konnten Betroffene von Pflegestufen erwarten. Pflegegeld bemaß sich dann an dieser Einschätzung und der bewilligten Stufe.

Anders sieht dies nun bei den neuen Pflegegraden aus. Im Gegensatz zu den Pflegestufen werden die Zeiten für die Betreuung in den Hintergrund gestellt.

Wie sehen die neuen Pflegegrade aus?

Die Kriterien für eine Pflegestufe waren, wie erwähnt, auf den Zeitaufwand bei der Pflege und Unterstützung von Pflegebedürftigen konzentriert. Bei der Einstufung in Pflegegrade steht jedoch der Grad der Selbstständigkeit der Pflegebedürftigen im Vordergrund.

Pflegestufen und Pflegegeld wurden aufgrund des Zeitaufwands bemessen. Nun gilt der Grad der Selbstständigkeit.

Pflegestufen und Pflegegeld wurden aufgrund des Zeitaufwands bemessen. Nun gilt der Grad der Selbstständigkeit.

Alle neuen Anträge werden nun auf Grundlage der Kriterien für Pflegegrade bearbeitet. Betroffene, die vor der Umwandlung bereits Pflegestufen zuerkannt bekommen hatten, wurden nicht erneut nach NBA begutachtet, sondern automatisch in den nächsthöheren Pflegegrad eingestuft. Eine Ausnahme stellen hier Demenzkranke und dauerhaft psychisch Erkrankte dar. Sie wurden um zwei Grade höher eingestuft.

Diese Neueinteilung soll den Leistungsempfängern keine finanziellen Nachteile bringen, daher ist im PSG II klar geregelt, dass Inhaber von Pflegestufen nicht weniger Leistungen erhalten als vor der Umstellung.

So sehen die neuen Pflegegrade aus:

  • Pflegegrad 1: Geringe Beeinträchtigung der Selbständigkeit (12,5 bis unter 27 Punkte)
  • Pflegegrad 2: Erhebliche Beeinträchtigung der Selbständigkeit (27 bis unter 47,5 Punkte)
  • Pflegegrad 3: Schwere Beeinträchtigung der Selbständigkeit (47,5 bis unter 70 Punkte)
  • Pflegegrad 4: Schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit (70 bis unter 90 Punkte)
  • Pflegegrad 5: Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung (90 bis 100 Punkte).

(Quelle: Bundesministerium für Gesundheit)

Härtefälle werden auch weiterhin gesondert betrachtet. Haben Personen einen außergewöhnlichen und spezifischen Pflegebedarf, wird ihnen der Pflegegrad 5 zugewiesen, auch wenn sie in der Begutachtung die dazu notwendigen 90 Punkte nicht erreichen.

Pflegegrad (früher Pflegestufe) beantragen: Was ist dafür nötig?

Bei der Beantragung von Hilfe hat sich mit dem Inkrafttreten des PSG II im Grundsatz bis auf die Begutachtung nichts geändert. Zuständig für die Bearbeitung des Antrags und der Prüfung sind weiterhin die Pflegekassen. Dennoch sind Fragen wie „Wie beantragt man eine Pflegestufe?“, „Wo beantragt man eine Pflegestufe“ oder „Wann muss ich eine Pflegestufe beantragen?“, immer noch die am häufigsten gestellten in diesem Zusammenhang.

Pflegestufe beantragen: Wo dies zu tun war, hing von der Art der Versicherung ab.

Pflegestufe beantragen: Wo dies zu tun war, hing von der Art der Versicherung ab.

Vor der Beantragung einer Pflegestufe und jetzt eines Pflegegrades empfiehlt es sich, ein Pflegebuch zu führen. Hier kann der Bedarf und der benötigte Aufwand detailliert festgehalten werden. Anträge für die Pflegestufen an sich sind bei der Krankenkasse oder bei der privaten Pflegeversicherung des Antragstellers einzureichen.

Dies kann formlos per E-Mail oder Telefon geschehen. Betroffene haben jedoch auch die Möglichkeit dies per Post zu tun. Oftmals kann es wichtig sein, nachweisen zu können, wann ein Antrag eingegangen ist, daher bietet sich die schriftliche Antragsstellung an. Der Versicherte muss als Antragsteller diesen auch immer unterschreiben. Wurde ein Betreuer bestellt, kann dieser die Informationen ausfüllen und das Schreiben unterschreiben, muss jedoch eine Kopie des Betreuerausweises beifügen.

Das Antragsformular für eine Pflegestufe bzw. einen Pflegegrad wird dann nach Eingang und Kenntnisnahme des formlosen Antrags zugesandt. Dieses müssen Antragsteller wahrheitsgemäß beantworten, allerdings ist es empfehlenswert nicht zu viele Angaben zu machen. In der Regel hat die zuständige Pflegekasse dann fünf Wochen Zeit über den Antrag zu entscheiden.

Werden Zahlungen genehmigt, beginnen diese erst ab dem Tag der Antragstellung und nicht rückwirkend. Das heißt, für Pflegestufen wird das Geld erst mit dem Tag der Antragstellung berechnet und dann überwiesen.

Ist ein Widerspruch gegen die Ablehnung möglich?

Wird nach der Begutachtung durch den MDK der Antrag für einen Pflegegrad (Pflegestufe) abgelehnt, war und ist ein Widerspruch eine Option. Wurde keine Pflegebedürftigkeit festgestellt oder die Pflegestufen/Pflegegrade anders erteilt als erwartet, ist ein Widerspruch innerhalb von vier Wochen einzulegen.

Ein Antrag zur Pflegestufe muss begründet sein.

Ein Antrag zur Pflegestufe muss begründet sein.

Eine Begründung muss in jedem Fall erfolgen, allerdings kann diese auch nachträglich eingereicht werden. Der Widerspruch gegen eine Pflegestufe bzw. den zugeteilten Pflegegrad sowie auch ein Widerspruch gegen die Ablehnung der Pflegestufe/des Pflegegrads werden vom MDK im Zuge des Widerspruchsverfahrens geprüft.

Wird dem Widerspruch stattgegeben, findet ein sogenanntes Zweitgutachten statt, welches die Gesamtsituation nochmals prüft und erneut zu einer Entscheidung führt. Kommt es erneut zu einer Ablehnung, ist ein weiterer Widerspruch eher nicht sinnvoll. Hier sollten Betroffene einen Anwalt konsultieren.

Kommt es zu einem positiven Bescheid, können Pflegebedürftige aufgrund der zugesprochenen Pflegestufen mit Leistungen rechnen. Diese können sowohl als Geld- oder auch als Sachleistungen erfolgen.

Leistungen der Pflegegrade

Mit der Umwandlung der Pflegestufen in Pflegegrade haben sich auch die dazugehörigen Leistungen etwas verändert. Dies hatte eine Erhöhung der Beiträge für die Pflegeversicherung um 0,2 Prozent zur Folge. Angedacht ist ein stabiler Satz bis 2022 ohne weitere Erhöhungen in diesem Zeitraum.

Wie die Leistungen bei den neuen Pflegegraden aussehen, ist in der nachfolgenden Tabelle dargestellt:

PflegegradeGeldleistung für ambulante PflegeSachleistung für ambulante Pflegezweckgebundener Entlastungsbetrag, ambulantBetrag bei vollstationärer Pflege
1--125 EUR125 EUR
2316 EUR689 EUR125 EUR770 EUR
3545 EUR1.298 EUR125 EUR1.262 EUR
4728 EUR1.612 EUR125 EUR1.775 EUR
5901 EUR 1.995 EUR125 EUR2.005 EUR

(Quelle: Bundesministerium für Gesundheit)

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One thought on “Pflegestufen heißen jetzt Pflegegrade

  1. Mira

    Wenn man die Änderungen in Kürze so liest, denkt man doch sofort, dass die Begutachtung sich auf eine Mischung von Zeitaufwand UND Maß der Selbständigkeit fokussieren sollte. Ansonsten sieht es danach aus, dass Kosten gespart werden sollen. Was werden wohl die Folgen dieser Änderung sein? Werden ambulante Pflegedienste an Bedeutung gewinnen oder stationäre?

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