Recht auf gewaltfreie Erziehung nach § 1631 BGB

Kurz und Knapp

  1. Minderjährige haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung.
  2. Schon ein Klaps oder eine Ohrfeige beschneidet dieses Recht.
  3. Liegt eine Kindesmisshandlung vor oder ist das Kindeswohl anderweitig gefährdet, drohen weitreichende Konsequenzen.
Kinderrechte im BGB: Laut § 1631 müssen Eltern ihre Kinder gewaltfrei erziehen.

Kinderrechte im BGB: Laut § 1631 müssen Eltern ihre Kinder gewaltfrei erziehen.

Die Polizeiliche Kriminalstatistik verzeichnete für das Jahr 2015 3.441 Fälle von Kindesmisshandlungen im Sinne des § 225 Strafgesetzbuch. Es liegt auf der Hand, dass die Dunkelziffer deutlich höher liegen dürfte, denn viele Fälle werden nicht zur Anzeige gebracht. Wir erklären in diesem Ratgeber, wo das Recht auf gewaltfreie Erziehung verankert ist und welche Konsequenzen drohen, wenn Eltern dem Kind Verletzungen zufügen.

Was besagt Paragraph 1631 BGB zur Erziehung ohne Gewalt?

Bis vor einigen Jahrzehnten war es gesellschaftlich in Ordnung, wenn die Kinder mit Prügel erzogen wurden. Im Jahr 2000 schob der Gesetzgeber mit dem Gesetz zur Ächtung von Gewalt in der Erziehung diesem Verhalten einen Riegel vor. Seitdem heißt es in § 1631 Abs. 2 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB):

Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.

Es ist also nun Eltern, aber auch anderen Aufsichtspersonen untersagt, einem Kind eine (seelische) Verletzung zuzufügen. Vielmehr haben besonders die Eltern eine Personensorge, die umfasst, dass das Kind gepflegt und erzogen wird.

Indirekt findet sich dieses Recht auf gewaltfreie Erziehung auch im Grundgesetz. Nach Art. 6 Abs. 2 ist es die zuvörderste Ihnen obliegende Pflicht, den Nachwuchs zu pflegen und zu erziehen.

Das Recht auf gewaltfreie Erziehung wurde im BGB im Zusammenhang mit der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen aus dem Jahr 1989 aufgenommen. Eine eigens entwickelte Kampagne sollte die Gesetzesänderung in der Bevölkerung verbreiten.

Strafe und weitere Konsequenzen bei Kindesmisshandlungen

Recht auf eine gewaltfreie Erziehung: Die Kinderrechte stehen dem Nachwuchs immer und in jeder Situation zu.

Recht auf eine gewaltfreie Erziehung: Die Kinderrechte stehen dem Nachwuchs immer und in jeder Situation zu.

Halten sich Personen nicht an die Kinderrechte und die gewaltfreie Erziehung, führt dies ohne Bekanntwerden erst einmal zu keinen Konsequenzen. Erfährt aber das Jugendamt davon und sehen die Sachbearbeiter das Kindeswohl gefährdet, ist mit weiteren Maßnahmen zu rechnen. Den Eltern bzw. dem Elternteil kann beispielsweise gerichtlich das Sorgerecht entzogen werden.

Darüber hinaus ist ggf. der Straftatbestand der Kindesmisshandlung nach § 225 Strafgesetzbuch erfüllt.

Wer eine Person unter achtzehn Jahren oder eine wegen Gebrechlichkeit oder Krankheit wehrlose Person, die

  1. seiner Fürsorge oder Obhut untersteht,
  2. seinem Hausstand angehört,
  3. von dem Fürsorgepflichtigen seiner Gewalt überlassen worden oder
  4. ihm im Rahmen eines Dienst- oder Arbeitsverhältnisses untergeordnet ist,

quält oder roh mißhandelt, oder wer durch böswillige Vernachlässigung seiner Pflicht, für sie zu sorgen, sie an der Gesundheit schädigt, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft.

Bereits der Versuch ist strafbar.

Wer das Recht auf gewaltfreie Erziehung missachtet, erfüllt im Einzelfall insbesondere bei Prügel auch den Straftatbestand der Körperverletzung und ggf. den der Misshandlung Schutzbefohlener. Es droht dann eine Geld- bzw. Freiheitsstrafe und ggf. der Entzug des Sorgerechts.

Wie können Sie eine Kindesmisshandlung melden?

Räumen Eltern ihren Kindern nicht das Recht auf gewaltfreie Erziehung ein, sollten Sie handeln. Verschiedene Anlaufstellen helfen Ihnen dann weiter. Sie können sich mit Beratungsstellen, dem Jugendamt oder auch der Polizei in Verbindung setzen. Dies ist anonym möglich.

Bereits eine Ohrfeige entspricht nicht dem Recht auf eine gewaltfreie Erziehung.

Bereits eine Ohrfeige entspricht nicht dem Recht auf eine gewaltfreie Erziehung.

Insbesondere Erzieher und andere sozialpädagogische Fachkräfte sind gesetzlich verpflichtet, bei einem Verdacht tätig zu werden. Handeln diese Person nicht, drohen straf- bzw. zivilrechtliche Konsequenzen.

Neben den genannten Stellen können Sie sich auch telefonisch Hilfe suchen:

  • Elterntelefon “Nummer gegen Kummer”: 0800 111 0 550
  • Kinder- und Jugendtelefon: 116 111
  • Hilfetelefon “Gewalt gegen Frauen”: 0800 166 016
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (27 Bewertungen, Durchschnitt: 4,22 von 5)
Loading...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.