Wann Sie einen Scheidungsanwalt brauchen und was er kostet

Kurz und Knapp

  1. Ein Scheidungsanwalt kann Sie nicht nur hinsichtlich einer Scheidung beraten, sondern auch bei weiteren familienrechtlichen Fragen helfen.
  2. Bei einer Scheidung braucht die Partei, die den Antrag bei Gericht einreicht, zwingend einen Anwalt.
  3. Was ein Scheidungsanwalt kostet, ergibt sich aus dem Rechtsanwalts­vergütungsgesetz (RVG) und hängt von Nettoeinkommen des Ehepaares ab.
Ein Scheidungsanwalt hilft nicht nur im Scheidungsverfahren, sondern z. B. auch bei Fragen zum Unterhalt.

Ein Scheidungsanwalt hilft nicht nur im Scheidungsverfahren, sondern z. B. auch bei Fragen zum Unterhalt.

Geht es um rechtliche Fragen, lohnt es sich häufig einen Fachmann wie einen Anwalt zu befragen. Auch im Scheidungsrecht ergeben sich mitunter viele Probleme, sodass professionelle Hilfe auf dem Plan steht. Doch herrscht  auch ein Anwaltszwang bei einer Scheidung? Welche Aufgaben hat ein Scheidungsanwalt?

Anwalt für Familienrecht: Aufgaben und Ausbildung

Zunächst möchten wir erst einmal auf die formalen Voraussetzungen eingehen. Welche Ausbildung hat ein Scheidungsanwalt und woran können Sie einen guten Anwalt erkennen? Wir erklären Ihnen im Folgenden worauf Sie bei der Anwaltswahl achten sollten und bei welchen Problemen und Fragestellungen Ihnen ein Scheidungsanwalt helfen kann.

Der offizielle Begriff für „Scheidungsanwalt“ ist eigentlich Rechtsanwalt für Familienrecht. Einen Anwalt, der sich ausschließlich mit einer Scheidung auseinandersetzt, gibt es in diesem Sinne nicht.

Was der Scheidungsanwalt studiert hat

Eine Scheidung ohne Anwalt ist nicht möglich.

Eine Scheidung ohne Anwalt ist nicht möglich.

Um Rechtsanwalt zu werden, müssen Sie Jura studieren und zwei Staatsexamen ablegen. Dann können Sie nicht nur Anwalt werden, sondern auch Richter oder Staatsanwalt. Das Studium gliedert sich in verschiedene Phasen:

  • Grundstudium (4 Semester)
  • Hauptstudium mit einem Schwerpunktstudium (5 Semester)
  • 1. Staatsexamen
  • Referendariat über 2 Jahre
  • 2. Staatsexamen

Schon während des Studiums können Sie sich auf einen Fachbereich spezialisieren, spätestens vor der Niederlassung als Rechtsanwalt bietet sich dies allerdings an.

Hierzu ist es nicht zwingend nötig einen Fachanwaltslehrgang zu besuchen. Sie können sich auch ohne diesen z. B. als „Rechtsanwalt für Familienrecht“ bezeichnen. Absolvieren Sie den Lehrgang, dürfen Sie den Titel „Fachanwalt“ tragen.

Nach dem erfolgreich abgeschlossenen zweiten Staatsexamen können Sie dann eine Anwaltszulassung beantragen und sich als Rechtsanwalt niederlassen. Alternativ können Sie in einer bereits bestehenden Kanzlei als Anwalt anfangen.

Um als Rechtsanwalt arbeiten zu können, benötigen Sie eine Zulassung. Diese beantragen sie bei der Rechtsanwaltskammer mit Ihren Zeugnissen.

Welche Aufgaben kommen Scheidungsanwälten zu?

Ein Scheidungsanwalt bzw. Anwalt für Familienrecht beschäftigt sich nicht nur ausschließlich mit dem Scheidungsrecht. Er kann Sie auch hinsichtlich weiterer Themengebiete wie beispielsweise den folgenden beraten:

Möchten Sie beispielsweise kurz vor oder nach der Heirat einen Ehevertrag aufsetzen, um den Güterstand anzupassen, ist ein Anwalt für Familienrecht ebenso der richtige Ansprechpartner.

Scheidungsanwälte übernehmen allerdings nicht nur die Beratung in ihrer Kanzlei, sondern vertreten Sie auch vor Gericht, wenn Sie sich beispielsweise mit Ihren Eltern um den Elternunterhalt streiten.

Woran können Mandanten einen guten Scheidungsanwalt erkennen

Wir erklären, wie Sie den passenden Scheidungsanwalt finden.

Wir erklären, wie Sie den passenden Scheidungsanwalt finden.

Gerade ein Scheidungsanwalt setzt sich mit sehr persönlichen Angelegenheiten auseinander. Daher ist es wichtig, dass Sie dem Profi vertrauen, damit Sie ihm alles erzählen können. Insofern sollten Sie sich bei der Wahl Ihres Scheidungsanwalts Zeit lassen und nichts überstürzen.

Über das Internet und Bewertungen auf Portalen können Sie sich einen ersten Eindruck über die Kanzlei machen. Vereinbaren Sie den ersten Termin telefonisch, so können Sie sehen, ob die Mitarbeiter einen freundlichen Eindruck machen.

Sitzen Sie dann zum ersten Mal dem Scheidungsanwalt gegenüber, sollte die Chemie stimmen. Er sollte Ihnen sympathisch sein, gleichzeitig aber den Eindruck machen, als könne er Ihr Recht im Zweifel auch vor Gericht durchsetzen.

Ihr Scheidungsanwalt sollte Ihnen den Sachverhalt so erklären, dass Sie Ihn verstehen. Auf Ihre Fragen kann er gelassen reagieren und ausführlich antworten.

Ist eine Scheidung ohne Anwalt möglich?

Eine kaputte Ehe muss nicht gleichzeitig auch zum Rosenkrieg führen. Gerade Paare, die sich in Freundschaft trennen, meinen vielleicht, auf einen Scheidungsanwalt verzichten zu können. Da macht Ihnen das Familienverfahrensgesetz (FamFG) allerdings einen Strich durch die Rechnung, denn es herrscht Anwaltspflicht bei einer Scheidung:

Vor dem Familiengericht und dem Oberlandesgericht müssen sich die Ehegatten in Ehesachen und Folgesachen und die Beteiligten in selbständigen Familienstreitsachen durch einen Rechtsanwalt vertreten lassen. (§ 114 Abs. 1 FamFG)

Dies bedeutet also für die Praxis, dass nur ein Scheidungsanwalt den Antrag bei Gericht einreichen kann. Auch beim Scheidungstermin vor Gericht muss ein Anwalt anwesend sein.

Reicht bei einer Scheidung ein gemeinsamer Anwalt?

Vor Gericht müssen sich nicht beide Ehegatten von einem Scheidungsanwalt vertreten lassen.

Vor Gericht müssen sich nicht beide Ehegatten von einem Scheidungsanwalt vertreten lassen.

Ebenfalls im § 114 FamFG finden sich verschiedene Ausnahmen, wann kein Scheidungsanwalt benötigt wird.

Hieraus geht hervor, dass nur der Ehegatte einen Anwalt braucht, der einen Antrag durch seinen Rechtsbeistand einreichen lässt. Theoretisch reicht also ein Scheidungsanwalt.

Dabei ist aber wichtig zu beachten, dass der Scheidungsanwalt nicht beide Ehegatten gleichzeitig vertreten darf, um nicht in einen Interessenkonflikt zu geraten. Dennoch genügt bei einer einvernehmlichen Scheidung ein Scheidungsanwalt.

Eine einvernehmliche Scheidung ist der schnellste und billigste Weg zum Beschluss. Dabei verhandeln die Ehegatten im Vorfeld die Scheidungsfolgesachen und schließen meist eine Scheidungsfolgenvereinbarung ab. Dabei kann Ihnen ein Scheidungsanwalt helfen. Hier können Sie darauf achten, dass dieser gleichzeitig Mediator ist. In gemeinsamen Gesprächen arbeiten Sie dann die Wünsche aus und regeln die Angelegenheiten rund um die Scheidung. Der Mediator übernimmt dabei die Gesprächsführung.

In zwei Situationen benötigen die Ehegatten zwei Anwälte:

  • wenn beide Ehegatten Anträge stellen wollen und
  • wenn vor Gericht eine Vereinbarung oder ein Vergleich geschlossen werden soll.

Trotz des einseitigen Anwaltszwangs vor Gericht, sollte sich auch der Antragsgegner immer anwaltlich beraten lassen, um nicht benachteiligt zu sein. Eine gerichtliche Vertretung ist dann dennoch nicht zwingend nötig.

Scheidungskosten: Das erhält der Anwalt

Nicht nur das Gerichtsverfahren verursacht Kosten, sondern auch der Scheidungsanwalt kommt mit einer Rechnung auf Sie zu. Maßgebend für diese Kosten ist der sogenannte Verfahrenswert. Dieser ermittelt sich aus dem monatlichen Nettoeinkommen der Eheleute, multipliziert mal drei (Quartalsnettoeinkommen). Gemeinsame Darlehensraten und Unterhaltszahlungen sind beispielsweise abzuziehen.

Nun erhält aber weder das Gericht noch der Scheidungsanwalt den gesamten Verfahrenswert, sondern einen Bruchteil davon. Anhand des Verfahrenswertes lässt sich an der Tabelle der Anlage 2 des RVG das Honorar ablesen.

Verhandelt das Gericht weitere Angelegenheiten wie Unterhaltszahlungen, steigen die Kosten an. Zudem kommen 10 % für jede Altersversorgung, die im Versorgungausgleich behandelt wird, zum Verfahrenswert hinzu.

Bei einer Scheidungs fallen nicht nur Gerichtskosten an, auch der Scheidungsanwalt verschickt eine Rechnung.

Bei einer Scheidungs fallen nicht nur Gerichtskosten an, auch der Scheidungsanwalt verschickt eine Rechnung.

Hierzu ein Beispiel: Jutta und Holger streben eine einvernehmliche Scheidung an. Holger verdient 3.000 Euro und Jutta 2.000 Euro. Damit ergibt sich ein gemeinsames Nettogehalt von 5.000 Euro, womit sich der Verfahrenswert auf 15.000 Euro beläuft.

Nun hat jeder der beiden neben der gesetzlichen Rentenversicherung noch eine private Altersvorsorge abgeschlossen. Hieraus ergibt sich für den Versorgungsausgleich ein Betrag von 6.000 Euro (je 10 % bei 4 Versorgungen).

Der gesamte Verfahrenswert liegt also bei 21.000 Euro. Damit ergibt sich aus dem RVG, eine einfache Gebühr von ca. 742 Euro. Es fallen 1,2 Terminsgebühren und ggf. 1,3 Verfahrensgebühr an. Daraus ergibt sich eine Summe von ca. 1850 Euro. Hinzu kommt die Mehrwertsteuer. An das Gericht gehen ca. 690 Euro (2,0 einfache Gebühr von 345).

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