Sterbehilfe: Wenn Ethik, Gesetz und Todeswunsch aufeinandertreffen

Kurz und knapp

  1. Unter Sterbehilfe wird in der Regel die Tötung unheilbar kranker Menschen verstanden.
  2. Dieses Vorgehen ist ethisch sowie medizinisch nicht unumstritten und nur in wenigen Staaten erlaubt.
  3. In Deutschland wird regelmäßig über die Legalisierung der Sterbehilfe diskutiert, eine entsprechende Gesetzesänderung ist aktuell allerdings wohl nicht in Sicht.
Ist Sterbehilfe in Deutschland legal? Die Antwort liefert der nachfolgende Ratgeber.

Ist Sterbehilfe in Deutschland legal? Die Antwort liefert der nachfolgende Ratgeber.

Wenn Menschen unheilbar krank sind und an unerträglichen Schmerzen leiden, kann der Tod auch eine Erlösung darstellen. Um auch diesen letzten Weg des Lebens eigenbestimmt zu bestreiten, beschäftigen sich viele Betroffene mit den Möglichkeiten der Sterbehilfe. Doch die gesetzliche Regelung, die Kirche und auch die Interessen der Schwerkranken lassen sich in Deutschland dabei nur schwer unter einen Hut bringen.

Sterbehilfe – was ist das?

Sterbehilfe: Die deutsche Geschichte kann die Diskussion zu diesem Thema erschweren.

Sterbehilfe: Die deutsche Geschichte kann die Diskussion zu diesem Thema erschweren.

Der Begriff Sterbehilfe kann laut Definition grundsätzlich verschiedene Wortbedeutungen haben. So ist darunter einerseits eine „Hilfe im Sterben“ zu verstehen. Hierbei handelt es sich um Maßnahmen des Sterbebeistands oder der Sterbebegleitung, zu denen auch die Palliativpflege sowie eine schmerzlindernde Behandlung zählen.

Andererseits kann sich Sterbehilfe auch auf die „Hilfe zum Sterben“ beziehen. Damit ist das Töten bzw. Sterbenlassen von schwer kranken und leidenden Menschen zu verstehen, wenn sie dies ausdrücklich selbst wünschen.

Im nachfolgenden Verlauf dieses Ratgebers beschäftigen wir uns ausschließlich mit der letzteren Definition der Sterbehilfe. Die Erörterung beleuchtet dabei unter anderem die gesetzlichen Rahmenbedingungen und die ethischen Aspekte.

Vor allem im Ausland wird für die Sterbehilfe der Fachbegriff „Euthanasie“ Verwendung. Da dieses Wort allerdings in der Zeit des Nationalsozialismus verwendet wurde, um die Morde an kranken und behinderten Menschen zu verschleiern, wird der Begriff in Deutschland weitgehend vermieden.

Lassen sich bei der Sterbehilfe Formen bzw. Arten unterscheiden?

Bei der Sterbehilfe lassen sich aktiv, passiv, indirekt und die Beihilfe zur Selbsttötung unterscheiden.

Bei der Sterbehilfe lassen sich aktiv, passiv, indirekt und die Beihilfe zur Selbsttötung unterscheiden.

Bei der Sterbehilfe als „Hilfe zum Sterben“ lassen sich in der Regel vier verschiedene Formen unterscheiden. Diese Differenzierung kann insbesondere für Einschätzung, ob Sterbehilfe erlaubt oder verboten ist, relevant sein.

Als direkte oder aktive Sterbehilfe wird die absichtliche Tötung schwerkranker Menschen bezeichnet. Möglich ist dies zum Beispiel, wenn jemand einer kranken Person eine Überdosis Schmerz- oder Narkosemittel verabreicht. Dabei erfolgt diese Handlung auf ausdrücklichen Wunsch des Patienten, die aktive Rolle nimmt allerdings ein Arzt, ein Angehöriger oder eine sonstige Person ein.

Besorgen Sie einer sterbewilligen Person auf deren ausdrücklichen Wunsch ein tödliches Medikament, mit dem sich diese dann alleine und ohne Unterstützung das Leben nimmt, bezeichnen dies Experten als Beihilfe zur Selbsttötung oder auch als assistierter Suizid.

Verabreichen Ärzte todkranken Menschen schmerzlindernde Medikamente, können deren Nebenwirkungen den Sterbeprozess beschleunigen. Diese Lebensverkürzung durch palliative Maßnahmen wird auch als indirekte Sterbehilfe bezeichnet. Als Beispiele ließen sich hierbei Schmerzmittel anführen, die auch zu einer Beeinträchtigung der Atmung führen können.

Der Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen lässt sich als Sterbenlassen oder passive Sterbehilfe bewerten. Diese Fälle beinhalten in der Regel den Verzicht auf eine künstliche Beatmung oder Ernährung. Allerdings erfolgt meist weiterhin eine grundlegende Versorgung bzw. Pflege sowie eine schmerzlindernde Behandlung.

Wichtig! Auch bei passiver Sterbehilfe muss die Versicherung ggf. die Hinterbliebenenrente und das Sterbegeld zahlen. Zu diesem Urteil kam das Landessozialgericht Berlin-Brandenburg (Az.: L 3 U 36/12). Die Angehörigen hatten sich dazu entschlossen, die Versorgung über die Magensonde bei einem Wachkoma-Patienten einzustellen, nachdem die Ärzte festgestellt hatten, dass eine positive Veränderung des Gesundheitszustandes nicht mehr zu erwarten sei.

Sterbehilfe in Deutschland: Was das Gesetz besagt

Aktive Sterbehilfe: Das Strafrecht kann die Tat strafmildernd als Tötung auf Verlangen einstufen.

Aktive Sterbehilfe: Das Strafrecht kann die Tat strafmildernd als Tötung auf Verlangen einstufen.

Wie bereits erwähnt, spielt es für die Einschätzung, ob Sterbehilfe laut Gesetz in Deutschland erlaubt ist, eine entscheidende Rolle, welche Form der Hilfe zum Sterben vorliegt. So ist die aktive Sterbehilfe gemäß Strafgesetzbuch (StGB) verboten. Auch die vermeintlich ehrenwerten Motive ändern an dieser Einschätzung nichts.

Allerdings lautet der Tatvorwurf in einem solchen Fall nicht Mord. Denn der Gesetzgeber bewertet dieses Vorgehen gemäß dem ausdrücklichen Wunsch des Erkrankten als „Tötung auf Verlangen“. Kommt es wegen aktiver Sterbehilfe zu einem Urteil, droht gemäß § 216 StGB eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren.

Die Beihilfe zur Selbsttötung ist als Form der Sterbehilfe in Deutschland legal. Dies gilt allerdings nur dann, wenn die unterstützende Person daran nichts verdient. Darüber hinaus ist auch die Hilfe durch Sterbehilfeorganisationen oder -vereine verboten.

Die indirekte Sterbehilfe ist nicht strafbar, wenn für die entsprechenden Maßnahmen der Behandlung das Einverständnis des Patienten vorliegt.

Auch die passive Sterbehilfe ist in der Regel nicht verboten. Dies gilt insbesondere dann, wenn der Verzicht auf eine solche Behandlung dem Willen des Patienten entspricht. Im Idealfall sind entsprechende Wünsche in einer Patientenverfügung definiert.

Sterbehilfe im Ausland: Wo ist sie erlaubt?

Aktive Sterbehilfe: Welche Länder erlauben diese und welche Voraussetzungen gelten?

Aktive Sterbehilfe: Welche Länder erlauben diese und welche Voraussetzungen gelten?

Jedes Land kann grundsätzlich für seine Bürger eigene Gesetze und Vorschriften definieren. Daher ist Sterbehilfe in anderen Ländern – meist unter der Berücksichtigung verschiedener Vorgaben – zulässig.

Als Vorreiter in Bezug auf die Sterbehilfe gelten die Niederlande. Als erstes Land der Welt wurde dort 2001 ein Gesetz verabschiedet, welches Patienten, die aussichtslos krank sind und unerträglich leiden, die Optionen der Sterbehilfe und der ärztlichen Hilfe bei der Selbsttötung einräumt. Darüber hinaus definiert der Gesetzgeber wie bei der Sterbehilfe der Ablauf auszusehen hat. So müssen zwei Mediziner einen entsprechenden Antrag bewilligen.

In Belgien ist die aktive Sterbehilfe nur möglich, wenn der Patient zurechnungsfähig ist und seinen Wunsch frei äußert. Zudem muss es sich um eine medizinisch ausweglose Situation handeln, welche mit einem anhaltenden und unerträglichen Leid einhergeht.

Unter bestimmten Umständen ist aktive Sterbehilfe auch in Luxemburg zulässig. Dort überwacht eine Kontrollkommission alle Fälle von Sterbehilfe.

Gemäß der Gesetzgebung der Schweiz ist aktive Sterbehilfe verboten und steht unter Strafe. Allerdings ist es erlaubt, sterbenskranke Menschen beim Suizid zu helfen, wenn diese den Wunsch danach äußern. Sterbewillige können sich dafür an sogenannte Sterbehilfsorganisationen wenden.

In den USA trägt das Sterbehilfegesetz den Namen „Death-with-Dignity“ (dt. „Sterben mit Würde“). Durch die Verabschiedung dieses Gesetzes erlauben insgesamt sechs Bundesstaaten die Sterbehilfe. Ein Arzt darf ausschließlich in Kalifornien, Montana, New Mexico, Oregon, Vermont und Washington aktiv beim Suizid unterstützen. Dabei können sich die für die Sterbehilfe definierten Voraussetzungen je nach Staat unterscheiden.

In den Niederlanden und in Belgien und ist zudem auch die Sterbehilfe für Kinder möglich. In der Regel muss dafür zusätzlich zur Bewilligung durch einen Arzt auch das Einverständnis der Eltern vorliegen.

Ist im Ausland die Sterbehilfe für Deutsche möglich?

Bei der Entscheidung über die Legalisierung der Sterbehilfe sind Religion und Glaube oft wichtige Faktoren.

Bei der Entscheidung über die Legalisierung der Sterbehilfe sind Religion und Glaube oft wichtige Faktoren.

Für Menschen, die alltäglich unter starken Schmerzen leiden und gegen eine unheilbare Krankheit kämpfen, kann der Wunsch nach Erlösung sehr groß sein. Der Wunsch nach bzw. die Entscheidung für die Sterbehilfe basiert in solchen Fällen nicht auf einer spontanen Idee, sondern ist oft gründlich durchdacht.

Daher sind Deutsche ggf. auch dazu bereit, für einen selbstbestimmten Tod ins Ausland zu reisen. Allerdings gilt es, dabei die gesetzlichen Vorgaben zu beachten. So ist Sterbehilfe in den Niederlanden nur möglich, wenn die entsprechende Person dort gemeldet ist und auch in die Krankenkasse einzahlt.

In der Schweiz ist grundsätzlich ein begleiteter Suizid auch für Ausländer möglich. Allerdings bieten nur wenige der Sterbehilfeorganisationen dies auch an. Für die Sterbehilfe fallen dabei Kosten an, die vom Sterbewilligen selbst zu tragen sind. In der Regel belaufen sich diese auf 5.000 bis 6.000 Franken (entspricht rund 4.350 bis 5.200 Euro).

Die Arbeit einzelner Sterbehilfeorganisationen ist aber nicht frei von Kritik, denn grundsätzlich ist die Suizidbeihilfe aus selbstsüchtigen Motiven in der Schweiz verboten. Aus diesem Grund stellt sich grundsätzlich die Frage, ob diese mit der Sterbehilfe Geld verdienen dürfen.

Laut einer Studie aus dem Journal auf Medical Ethics von 2014 steigt die Anzahl der „Sterbehilfe-Touristen“ jedes Jahr. Laut dieser Sterbehilfe-Statistik nahmen sich zwischen 2008 und 2012 insgesamt 611 Ausländer mithilfe der Sterbehilfeorganisationen in der Schweiz das Leben. Davon stammten 268 aus Deutschland, 126 aus Großbritannien, 66 aus Frankreich, 44 aus Italien, 21 aus den USA, 14 aus Österreich, 12 aus Kanada, 8 aus Spanien sowie Israel und 5 aus Australien.

Diskussion zur Sterbehilfe: Welche Argumente lassen sich anführen?

Sterbehilfe: Konkrete Fallbeispiele und Einzelschicksale heizen immer wieder die Diskussion über eine Legalisierung an.

Sterbehilfe: Konkrete Fallbeispiele und Einzelschicksale heizen immer wieder die Diskussion über eine Legalisierung an.

Über eine Legalisierung der aktiven Sterbehilfe wird in Deutschland immer wieder diskutiert. Dabei zeigte eine Umfrage des Institutes für Demoskopie (IfD) Allensbach aus dem Jahre 2015, dass 63 Prozent der Befragten für eine aktive Sterbehilfe stimmten. Wohingegen sich 15 Prozent gegen die aktive Sterbehilfe aussprachen. Die restlichen 22 Prozent waren bei der Frage unentschieden oder gaben keine Antwort.

Allerdings sind für weitreichende gesetzliche Veränderungen, wie die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe, verschiedenste Faktoren zu berücksichtigen. So gilt es bei der Sterbehilfe Vor- und Nachteile abzuwägen sowie die ethischen Aspekte zu berücksichtigen. Einige wichtige Argumente haben wir in der nachfolgenden Übersicht zusammengestellt:

Aktive Sterbehilfe – ja oder nein?
ProContra
Laut Art. 1 Grundgesetz (GG) ist die Würde des Menschen unantastbar. Dies sollte auch beim eigenen Tod gelten.Die Tötung eines Menschen widerspricht dem hippokratischen Eid der Ärzte.
Die Sterbehilfe kann unnötiges Leid ersparen.Die Entscheidung für den Tod lässt sich nicht umkehren.
Die Erlösung todkranker Menschen erfolgt bereits. Eine Entkriminalisierung könnte die Dunkelziffer verringern.Palliativmedizin und Hospize ermöglichen ein schmerzfreies und humanes Sterben.
Art. 2 GG sieht das Recht auf Selbstbestimmung zu. Jede Form der Sterbehilfe schließt die Kirche aus.
Sterbehilfe reduziert Kosten im Gesundheitssystem.Ältere Menschen könnten sich für die Sterbehilfe entscheiden, nur um ihren Angehörigen nicht zur Last zu fallen.

Ob jemand bei der Diskussion zur Sterbehilfe eine Pro- oder Contra-Position bezieht, ist eine höchst individuelle Entscheidung. Nicht selten ist diese von persönlichen Erfahrungen und eigenen Wertvorstellungen geprägt.

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One thought on “Sterbehilfe: Wenn Ethik, Gesetz und Todeswunsch aufeinandertreffen

  1. Sibylle

    Ärzte leisten keinen Eid. Auch keinen hippokratischen.

    Auch Hospize und palliative Einrichtungen können nicht in jedem Fall für ein schmerzfreies menschenwürdiges Sterben sorgen. Das ist Wunschdenken.

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