Testament anfechten: Gesetzliche Vorschriften, Kosten und Fristen

Kurz und knapp

  1. Bei einer erfolgreichen Testamentsanfechtung hat die Verfügung von Todes wegen rechtlich nie existiert.
  2. Um ein Testament anfechten zu können, muss einer der im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) aufgeführten Gründe vorliegen.
  3. Anfechtungsberechtigt sind dabei die Personen, welche von der Unwirksamkeit des Testaments profitieren würden.
Wer kann ein Testament anfechten und welche Vorschriften gelten dabei? Antworten hier!

Wer kann ein Testament anfechten und welche Vorschriften gelten dabei? Antworten hier!

Testamente und die darin getroffenen Regelungen zum Nachlass führen in Familien nicht selten zu Streitigkeiten. Gehen durch die gewillkürte Erbfolge durch eine Verfügung von Todes wegen Angehörige leer aus, kann dies unter anderem dazu führen, dass die Rechtmäßigkeit des letzten Willens in Frage gestellt wird. Doch damit Sie gemäß deutschem Erbrecht ein Testament erfolgreich anfechten können, müssen gute Gründe vorliegen.

Anfechtung eines Testaments: Was bedeutet dies?

Testament anfechten: Wie die Chancen auf Erfolg stehen, kann ein Anwalt im Einzelfall einschätzen.

Testament anfechten: Wie die Chancen auf Erfolg stehen, kann ein Anwalt im Einzelfall einschätzen.

Durch das deutsche Erbrecht können zukünftige Erblasser relativ frei darüber entscheiden, wem sie im Falle ihres Ablebens Vermögenswerte hinterlassen. Möglich ist dies durch ein Testament oder einen Erbvertrag, denn durch eine solche Verfügung von Todes wegen lässt sich die gesetzliche Erbfolge verändern.

Allerdings räumt der Gesetzgeber auch den vermeintlichen Erben Optionen ein, um ihren Erbanspruch durchzusetzen. So können sie zum Beispiel ein bestehendes Testament anfechten. Eine erfolgreiche Testamentsanfechtung hat dabei zur Folge, dass das Testament unwirksam wird und somit rechtlich keine Relevanz mehr hat.

Möchten Sie ein Testament anfechten, müssen Sie dafür eine Erklärung beim zuständigen Nachlassgericht abgeben. Dies ist grundsätzlich formlos möglich und in der Regel ist auch eine Begründung dieses Vorgehens unnötig. Die bei einer Testamentsanfechtung anfallenden Kosten richten sich nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) und sind abhängig von der Höhe des Nachlasses.

Als Anfechtungsberechtigte kommen gemäß § 2080 BGB nur Personen in Frage, die aus der Anfechtung von einem Testament einen Vorteil ziehen. Dabei kann es sich unter anderem um die gesetzlichen Erben oder die Begünstigten eines früheren Testaments handeln.

Wann ist ein Testament anfechtbar?

Der Gesetzgeber definiert, in welchen Fällen eine Testamentsanfechtung möglich ist.

Der Gesetzgeber definiert, in welchen Fällen eine Testamentsanfechtung möglich ist.

Die möglichen Anfechtungsgründe bei einem Testament sind im BGB definiert. So können Sie gemäß § 2079 BGB ein Testament zum Beispiel anfechten, weil der Pflichtteil nicht beachtet und berechtigte Personen dadurch übergangen wurden. Dies kann der Fall sein, wenn der Erblasser zum Zeitpunkt der Errichtung des Testamentes nichts von möglichen Nachkommen wusste.

Zudem ist gemäß § 2078 BGB eine Anfechtung wegen Irrtums oder Drohung möglich. Dabei unterscheiden Juristen grundsätzlich zwischen Erklärungsirrtum und Motivirrtum. Als Erklärungsirrtum gelten dabei in erster Linie Formulierungs- und Rechtschreibfehler.

Bei einem Motivirrtum spielen die Beweggründe des Erblassers bei der Errichtung des Testaments die entscheidende Rolle. Ging dieser zum Beispiel fälschlicherweise davon aus, dass seine Lebensgefährtin ihn zeitnah heiratet oder ein eingesetzter Erbe ihn pflegt, können Sie ein Testament ggf. anfechten.

Darüber hinaus können Sie ein Testament anfechten, wenn die darin formulierten Verfügungen durch widerrechtliche Drohungen veranlasst wurden. Allerdings lässt sich dies, ebenso wie die anderen Anfechtungsgründe, nur schwer nachweisen.

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird unter einer Anfechtung jedes rechtliche Vorgehen gegen ein Testament verstanden. Aus juristischer Sicht existieren allerdings ausschließlich die zuvor aufgeführten Gründe. Daher können Sie kein Testament anfechten wegen der Demenz des Erblassers. Zudem ist auch eine Testamentsanfechtung wegen einer vermeintlichen Testierunfähigkeit ausgeschlossen. Vielmehr werden solche Gründe im Zuge eines Erbscheinverfahrens zwischen den Beteiligten geklärt.

Achtung! Beachten Sie, für die bei einem Testament angestrebte Anfechtung, die geltende Frist. Gemäß § 2082 BGB beträgt diese ein Jahr. Die Anfechtungsfrist bei einem Testament beginnt aber erst mit dem Zeitpunkt, in welchem der Anfechtungsberechtigte von dem Grund Kenntnis erlangt. Allerdings können Sie ein Testament nicht unbegrenzt anfechten, so erlischt der Anspruch endgültig dreißig Jahre nach dem Erbfall.

Wann kann man ein notarielles Testament anfechten?

Wann ein Testament anfechtbar ist, wird im der Regel nicht durch die Form bestimmt.

Wann ein Testament anfechtbar ist, wird im der Regel nicht durch die Form bestimmt.

Grundsätzlich lassen sich sowohl ein notarielles als auch ein handschriftliches Testament anfechten. Allerdings muss dafür einer der zuvor aufgeführten Gründe vorliegen und auch nachweisbar sein. Daher ist eine Testamentsanfechtung nur in besonderen Ausnahmefällen erfolgversprechend.

Dabei wird häufig davon ausgegangen, dass sich ein handgeschriebenes Testament leichter anfechten lässt, als eine Verfügung von Todes wegen bei einem Notar. Schließlich prüft dieser die Testierfähigkeit und klärt über die rechtliche Tragweite der Formulierungen auf. Dadurch lassen sich ggf. mögliche Erklärungsirrtümer vermeiden. Ob aber ein Motivirrtum vorliegt oder der Erblasser bedroht wird, kann ein Notar in der Regel nicht einschätzen. Einen hundertprozentigen Schutz vor einer Anfechtung kann also auch das notarielle Testament nicht gewährleisten.

Einige Besonderheiten gilt es zu beachten, wenn Sie ein Berliner Testament anfechten wollen. Denn beim Ehegattentestament setzen sich die Eheleute gegenseitig als Alleinerben ein und bestimmen gemeinsam, wer nach dem Tod des Hinterbliebenen den Nachlass erhält. In einem solchen Fall können nämlich sowohl der hinterbliebene Ehegatte als auch die gesetzlichen Erben ein entsprechendes Anfechtungsrecht besitzen.

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