Testamentseröffnung: Bekanntgabe des letzten Willens

Kurz und knapp

  1. Mit der Testamentseröffnung wird der Inhalt einer Verfügung von Todes wegen bekannt gemacht.
  2. Befindet sich das Testament in amtlicher Verwahrung, erfolgt dies automatisch.
  3. Zuständig für die Eröffnung ist das jeweilige Nachlassgericht, welches die Erben informiert.
Wer eröffnet ein Testament? Die Antwort liefert dieser Ratgeber.

Wer eröffnet ein Testament? Die Antwort liefert dieser Ratgeber.

Glaubt der Filmfan Hollywood, dann handelt es sich bei einer Testamentseröffnung um eine Versammlung der in schwarz gekleideten Verwandtschaft. Diese kommen auf Einladung des Familienanwalts zusammen, um dem letzten Willen des Verstorbenen zu lauschen. Im Film kommt dabei so manches Familiengeheimnis ans Licht. Doch wie wird ein Testament wirklich eröffnet?

Testamentseröffnung: Wann ist diese notwendig?

Testamentseröffnung: Laut BGB müssen Sie ein Testament eröffnen lassen.

Testamentseröffnung: Laut BGB müssen Sie ein Testament eröffnen lassen.

Durch das deutsche Erbrecht kann jeder Mensch frei darüber entscheiden, an wen das Vermögen im Falle seines Todes übergehen soll. Um die gesetzliche Erbfolge nach den eigenen Wünschen mit Hilfe einer Verfügung von Todes wegen – Testament oder Erbvertrag – zu verändern.

Tritt der Erbfall ein, erfolgt die Testamentseröffnung. Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich ein Verfahren, in dem die Erben und die sonstigen Beteiligten vom Inhalt einer Verfügung von Todes Kenntnis erhalten.

Im Zuge der Testamentseröffnung verliest das Nachlassgericht den letzten Willen. Eine Prüfung, ob das Dokument auch tatsächlich rechtswirksam ist oder ob es ggf. anfechtbar ist, erfolgt hingegen nicht. Eine solche findet erst beim Verfahren für den Erbschein statt.

Unter der Bezeichnung Testamentseröffnung bzw. Testamentsverkündung wird sowohl die Eröffnung eines Testaments als auch die eines Erbvertrages verstanden. Somit ist auch eine Testamentseröffnung ohne ein Testament möglich.

Muss ein Testament vom Nachlassgericht eröffnet werden?

Laut dem Gesetz über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit (FamFG) – inoffiziell auch als Familienverfahrensgesetz bezeichnet – ist die Eröffnung von einem Testament gesetzlich festgeschrieben. Denn in § 348 Abs. 1 FamFG heißt es:

Sobald das Gericht vom Tod des Erblassers Kenntnis erlangt hat, hat es eine in seiner Verwahrung befindliche Verfügung von Todes wegen zu eröffnen.
Haben Sie ein Testament gefunden, ist die Testamentseröffnung zu beantragen.

Haben Sie ein Testament gefunden, ist die Testamentseröffnung zu beantragen.

Das bedeutet, wenn sich eine solche Verfügung von Todes wegen in der Verwahrung des Amtsgerichts befindet, wird ein Testament automatisch eröffnet. Die Hinterlegung in der amtlichen Verwahrung ist bei einem notariellen Testament vorgeschrieben.

Sie können sich aber auch dazu entschließen, Ihren handschriftlichen letzten Willen bis zur Testamentseröffnung beim Amtsgericht zu hinterlegen. Dadurch lässt sich eine möglich Manipulation oder Unterschlagung der Verfügung verhindern.

Haben Sie nach dem Tod eines Angehörigen eine Verfügung von Todes wegen unter den Habseligkeiten gefunden, sind Sie gemäß § 2259 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) dazu verpflichtet, diese beim Nachlassgericht für die Testamentseröffnung abzugeben:

Wer ein Testament, das nicht in besondere amtliche Verwahrung gebracht ist, im Besitz hat, ist verpflichtet, es unverzüglich, nachdem er von dem Tode des Erblassers Kenntnis erlangt hat, an das Nachlassgericht abzuliefern.

Kommen Sie dieser Ablieferungspflicht nicht nach, machen Sie sich strafbar. In diesem Fall liegt der Tatbestand der Urkundenunterdrückung vor, welcher eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren nach sich ziehen kann. Zudem kann unter Umständen auch ein Anspruch auf Schadensersatz bestehen.

Wann ist es nötig, eine Testamentseröffnung zu beantragen?

Wie zuvor bereits erwähnt, werden Verfügungen von Todes wegen, welche sich in amtlicher Verwahrung befinden, automatisch eröffnet. Daher ist es in diesem Fall nicht nötig, einen Antrag auf Testamentseröffnung zu stellen.

Anders sieht es allerdings aus, wenn Sie nach dem Eintritt des Erbfalls ein Testament finden. Übersenden Sie dieses ans zuständige Nachlassgericht, beantragen Sie im Zuge dessen auch die Testamentseröffnung. Wie ein solches Schreiben aussehen kann, zeigt das nachfolgende Muster:

[Absender]

[Zuständiges Amtsgericht]
[Ort, Datum]

Betreff: Antrag auf Testamentseröffnung

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit beantrage ich unter Vorlage der Sterbeurkunde im Original die Eröffnung des Testaments des am [Todestag] verstorbenen zuletzt in [Adresse] wohnhaft gewesenen [vollständiger Name des Erblassers].

Die Verfügung von Todes wegen vom [Datum des Testaments] ist dem Antrag beigefügt. Diese ist vom Erblasser eigenhändig geschrieben und unterschrieben worden.

Mit freundlichen Grüßen

[Unterschrift]

Frist für die Testamentseröffnung: Wie lange bleiben die Erben im Ungewissen?

Um ein privates oder notarielles Testament zu eröffnen, muss dieses dem Amtsgericht vorliegen.

Um ein privates oder notarielles Testament zu eröffnen, muss dieses dem Amtsgericht vorliegen.

Nachdem der Tod einer geliebten Person eingetreten ist, fragen sich viele Menschen, wie lange es bis zur Testamentseröffnung dauert. Der Ablauf beginnt in dem Moment, in dem das Nachlassgericht vom Tod des Erblassers erfährt. Dies geschieht in der Regel durch eine Mitteilung vom Standesamt.

Der Termin für die Testamentseröffnung – genauer die Dauer zwischen Erbfall und Verlesung – wird vor allem von der Tatsache beeinflusst, ob sich die Verfügung von Todes wegen bereits in der Verwahrung befindet oder ob das Amtsgericht für eine Testamentseröffnung auf die Abgabe warten muss.

Liegt das Testament vor, ist dieses gemäß § 348 Abs. 1 FamFG sobald wie möglich zu eröffnen. Allerdings schreibt der Gesetzgeber für die Testamentseröffnung keine explizite Frist vor.

Für die Testamentseröffnung fallen pauschal Kosten in Höhe von 100,00 Euro an. Diese ergeben sich aus Nr. 12101 Kostenverzeichnis (Anlage 1) des Gesetzes über Kosten der freiwilligen Gerichtsbarkeit für Gerichte und Notare (GNotKG).

Wie läuft eine Testamentseröffnung ab?

In Baden-Württemberg erfolgt eine Testamentseröffnung beim Notar.

In Baden-Württemberg erfolgt eine Testamentseröffnung beim Notar.

Zu Beginn dieses Ratgebers riefen wir das Bild einer Testamentsverkündung im Stil von Hollywood hervor, denn genauso stellen sich vermutlich die meisten Menschen das Geschehen vor.

Allerdings hat eine solche Inszenierung nur wenig mit dem wirklichen Ablauf einer Testamentseröffnung in Deutschland gemeinsam.

So erfolgt in den meisten Fällen die Testamentseröffnung ohne die Anwesenheit der Erben. Diese erhalten anschließend automatisch nur ein Eröffnungsprotokoll sowie das Testament in Kopie übersandt. Eine dramatische Szene wegen der Aufteilung des Erbes wie im Film bleibt damit aus.

Nur in Sonderfällen setzt das Nachlassgericht noch einen Termin für die Eröffnung an. Können Sie diesen Termin nicht wahrnehmen, erhalten Sie wie bei der Verkündung ohne anwesende Erben eine Benachrichtigung zur Testamentseröffnung samt Inhalt der Verfügung von Todes wegen.

Verfügen Sie über eine beglaubigte Testamentsabschrift sowie das Protokoll der Testamentseröffnung, kann ein Erbschein dadurch unter Umständen bei Banken oder Versicherungen ersetzt werden.

Achtung! Beim Notar ist eine Testamentseröffnung nur in Baden-Württemberg möglich. Denn in diesem Bundesland übernehmen diese die Nachlassverwaltung.

Testamentseröffnung beim Berliner Testament: Ein Sonderfall

Die Testamentseröffnung beim Berliner Testament erfolgt meist nur in Teilen.

Die Testamentseröffnung beim Berliner Testament erfolgt meist nur in Teilen.

Beim Berliner Testament handelt es sich um die Willenserklärung mehrerer Personen, denn diese Sonderform des Testaments können nur Ehegatten miteinander schließen. Dabei setzen sich diese gegenseitig als Alleinerbe ein.

Verstirbt der erste Ehegatte, gilt es daher die Interessen des Längerlebenden zu wahren. Aus diesem Grund wird das Berliner Testament bei der Eröffnung nur insoweit verlesen, wie es den Verstorbenen und somit den Erbfall betrifft.

Dies hat zur Folge, dass Erben unter Umständen Kopien vom Testament erhalten, in denen Passagen geschwärzt und unkenntlich gemacht sind. Eine ähnliche Vorgehensweise ist auch beim Erbvertrag möglich.

Testament eröffnet – wie geht es nun weiter?
Nach der Testamentseröffnung und der Bekanntgabe des Inhalts endet in der Regel die Zuständigkeit des Nachlassgerichts. Nun müssen sich die Erben um die Abwicklung der Erbschaft kümmern. Dies beinhaltet unter anderem auch die Zahlung der Erbschaftssteuer.
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10 thoughts on “Testamentseröffnung: Bekanntgabe des letzten Willens

  1. R

    Meine Lebensgefährtin ist am 26 Januar gestorben. Ich bin alleinerbe. Es gibt 5 Vermächtnisse. Immernoch kein hinweis wenn das Testament eröffnet wird. Mein Lebensgefährtin war Witwe–ihr ehemann starb 1974–Nachlassgericht M. [anonymisiert v. d. Red.] will den Sterbeakte des verstorbenen mannes sehen.—Warum`? Was het der Tod ihres mannes mit den heutigen Testament zutun haben? Er ist mit 29 j gestorben–Hirntunort. Er war Student–kein eigeneinkommen–die beiden haben von der gehalt seine Frau gelebt–mit etzwas unterstutzung von seine mutter. Es gab kein Testament damals—Nachlassgericht M. [anonymisiert v. d. Red.] machen mein leben noch schwieriger –

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    1. familienrecht.net

      Hallo,

      bitte wenden Sie sich bei rechtlichen Fragen zum Erbrecht an einen Anwalt. Wir dürfen keine Rechtsberatung erteilen.

      Ihr familienrecht.net-Team

      Reply
  2. A

    Wie lange dauert es im Durchschnitt nach dem Todestag bis das Testament eröffnet wird?

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    1. familienrecht.net

      Hallo,

      eine pauschale Aussage hierzu kann nicht getroffen werden, da die Umstände im Einzelfall eine wichtige Rolle spielen (Auffinden aller Testamente, Auslastung des Nachlassgerichts, Auffinden aller Erben usf.).

      Ihr familienrecht.net-Team

      Reply
  3. barbara

    Angeblich hatten meine Eltern ein Berliner Testament, aus dem hervor geht, dass die Überlebende’ aha Meine Mutter” das Geld bei Bedarf nur innerhalb ihrer eigenen Familie verteilen kann. Also Ihre Mädchennamen Familie. Mein Vater war Selbstständig und der Betrieb lief auf ihn , Privatbesitz lief auf den Namen meiner Mutter. Nach Papas Tot, wurde der Kontakt von Mutter und Geschwister zu mir abgebrochen. ?? Kann ich vorsichtshalber meinen Pflichtteil einklagen obwohl Mama noch lebt?

    Reply
    1. familienrecht.net

      Hallo Barbara,

      bitte wenden Sie sich für eine rechtliche Einschätzung an einen Rechtsanwalt.

      Ihr familienrecht.net-Team

      Reply
  4. Hans

    Hallo,ich habe vom Nachlassgericht ein eröffnetes Testamet erhalten .Bin Alleinerbe.Kann ich mit dem Testament die Konten des Erblassers auflösen.

    Reply
    1. familienrecht.net

      Hallo Hans,

      in der Regel bedarf es eines geeigneten Nachweises der Erbberechtigung. Hierbei kann ggf. auch ein Testament oder eine Vollmacht genügen. Vereinzelt verlangen Banken jedoch dennoch einen Erbschein. Bitte wenden Sie sich an die Banken, um die Frage nach den benötigten Unterlagen zu klären.

      Ihr familienrecht.net-Team

      Reply
  5. Mia

    Ein bekanntes Paar, will sich auch zur Errichtung eines Testamentes beraten lassen. Sie haben zwar schon vom Berliner Testament gehört, wissen aber nicht wie das geht funktioniert. Ich habe ihnen geraten zum Profi zu gehen, der kennt sich nicht nur besser aus, sondern kann auch beraten ob diese Form die Richtige ist.

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  6. Ursula

    Mein Mann ist im Mai dieses Jahres verstorben, wir haben beide ein Berliner Tetament im Bei-
    sein mit dem Notar verfasst und uns gegenseitig zum Alleinerben eingesetzt. Nun habe ich
    Nachricht vom Nachlaßgericht bekommen dass dieses Testament eröffnet werden soll , ich
    verstehe nur nicht dass ein Testament eröffnet wird, wenn es nur ein Alleinerbe gibt, und noch 100.- € Gebühren verlangt wird. Wir haben eine gegenseitige Vollmacht geschrieben
    dass das Testament nach Ableben eines Partners geändert werden soll, es gab zwingende
    Gründe dafür. Wir sind beide das 2.Mal verheiratet und beide haben Kinder aus der 1. Ehe.
    Erklären Sie mir bitte wie das vonstatten geht, ich habe das Nachlaßgericht per Mail ange-
    schrieben doch bis jetzt keine Antwort erhalten, was ich nicht nachvollziehen kann. Ich habe angerufen aber diese Person konnte mir keine aufklärende Antwort geben und hat
    versprochen dass diese mich wieder anruft was sie nicht getan hat, warum ich den Betrag
    zahlen soll. Ich war noch nie mit einer Testamentsache betraut worden.

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