Testamentsfälschung: Durch eine gefälschte Urkunde ans Erbe?

Kurz und knapp

  1. Bei der Testamentsfälschung handelt es sich um eine Form der Urkundenfälschung.
  2. In der Regel führt diese Methode der Erbschleicherei zur Erbunwürdigkeit.
  3. Zudem kann eine Geld- oder Freiheitsstrafe als strafrechtliche Konsequenz drohen.
Welche Folgen eine Testamentsfälschung haben kann, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Welche Folgen eine Testamentsfälschung haben kann, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Wer seinen letzten Willen festhalten möchte, hat dafür in Deutschland gemäß Erbrecht verschiedene Möglichkeiten. Weil es in der Regel nur mit einem geringen Aufwand und keinerlei Kosten verbunden ist, gilt dabei das eigenhändige oder handschriftliche Testament als besonders einfach,. Allerdings hat diese Verfügung von Todes wegen gegenüber dem notariellen Testament einen großen Nachteil, denn es ist verhältnismäßig anfällig für Fälschung. Doch wie lässt sich eine Testamentsfälschung beweisen?

Wann liegt eine Testamentsfälschung vor?

Ein Testament zu fälschen, ist eine Straftat.

Ein Testament zu fälschen, ist eine Straftat.

Die Testamentsfälschung wird grundsätzlich zu den Urkundendelikten gezählt. Sie liegt insbesondere dann vor, wenn eine bestehende Urkunde – also ein Testamentverfälscht wird. Dies kann zum Beispiel dann der Fall sein, wenn bestehende Formulierungen verändert oder neue Passagen zu einer bestehenden Verfügung von Todes wegen hinzugefügt werden.

Aber auch wenn jemand die gesamte Urkunde fälscht, also ein Schriftstück als vermeintliches Testament eines Verstorbenen ausgibt, um dadurch die gesetzliche Erbfolge zu umgehen, liegt eine Testamentsfälschung vor. Darüber hinaus können auch Sanktionen drohen, wenn Sie wissentlich ein gefälschtes Testament gebrauchen.

Testamentsfälschung: Welche Strafe droht?

Juristisch ist eine Testamentsfälschung als eine Urkundenfälschung einzuordnen, welche gemäß Strafgesetzbuch (StGB) unter Strafe steht. In § 267 Abs. 1 StGB heißt es dazu:

Wer zur Täuschung im Rechtsverkehr eine unechte Urkunde herstellt, eine echte Urkunde verfälscht oder eine unechte oder verfälschte Urkunde gebraucht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Der Gesetzgeber stellt zudem bereits den Versuch der Testamentsfälschung unter Strafe. Darüber hinaus wirkt sich eine nachgewiesene Urkundenfälschung auf einen möglichen Erbanspruch aus. Denn gemäß § 2339 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) handelt es sich dabei um einen der aufgeführten Gründe für eine Erbunwürdigkeit.

Gilt eine Person, weil sie ein Testament gefälscht hat, als erbunwürdig, wird diese bei der Erbfolge so behandelt, als ob sie nicht mehr am Leben wäre. Die Nachkommen der erbunwürdigen Person sind allerdings dadurch nicht automatisch aus der (gesetzlichen) Erbfolge ausgeschlossen, dies geht aus § 2344 BGB hervor.

Die Strafverfolgung einer Testamentsfälschung unterliegt grundsätzlich der Verjährung. Gemäß § 274 Abs. 1 Nr. 1 StGB gilt hierfür eine Frist von fünf Jahren. Die Frist beginnt mit der Vollendung der Urkundenfälschung. Dies kann die Herstellung des unechten Testaments, die Fälschung einer bestehenden Verfügung oder deren Gebrauch bedeuten.

Testament vermeintlich gefälscht – was nun?

Testament gefälscht: Tritt die Verjährung ein, drohen in der Regel keine weiteren Sanktionen.

Testament gefälscht: Tritt die Verjährung ein, drohen in der Regel keine weiteren Sanktionen.

Besteht ein Verdacht auf eine Testamentsfälschung sind etwaige Einwände in der Regel im Erbscheinverfahren vor dem zuständigen Nachlassgericht vorzubringen. Möglich ist dies, indem Sie gegen den Antrag des testamentarischen Erben auf Erteilung eines Erbscheins widersprechen. Alternativ dazu können Sie auch einen eigenen Erbschein beantragen.

Durch dieses Vorgehen muss das Nachlassgericht zur Echtheit des Testaments von Amtswegen ermitteln. Allerdings ist die Einschätzung, ob tatsächlich eine Testamentsfälschung vorliegt, häufig schwierig. Nicht selten wird daher bei einem privatschriftlichen Testament ein Schriftgutachten zur Handschrift in Auftrag gegebenen.

Darüber hinaus können auch die Aussagen von Zeugen, die ggf. bei der Errichtung des Testaments anwesend waren, eine Einschätzung über die Echtheit des Schriftstücks ermöglichen.

Die Prüfung eines Testaments und die Bewertung, ob tatsächlich eine Testamentsfälschung vorliegt, ist in der Regel recht komplex. Aus diesem Grund kann es sinnvoll sein, einen Anwalt für Erbrecht zu konsultieren und gemeinsam mit diesem mögliche Schritte zu prüfen.
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