Umgangsrecht: Wer hat einen Anspruch auf Umgang?

Kurz und knapp

  1. Das Umgangsrecht beschreibt den Anspruch auf Kontakt zwischen minderjährigen Kindern und ihren Eltern. Darüber hinaus können auch andere Bezugspersonen ein Recht auf Kontakt haben.
  2. Wie der Umgang gestaltet wird, steht den Eltern in der Regel frei, denn konkrete gesetzliche Vorgaben gibt es hierzu nicht. Stattdessen steht das Wohl des Kindes im Mittelpunkt.
  3. Können sich die Elternteile nicht einigen, besteht allerdings die Möglichkeit, dass das Familiengericht Regelungen zum Umgangsrecht vorschreibt.
Fragen zum Umgangsrecht: Ab wann darf ein Kind selbst darüber bestimmen?
Fragen zum Umgangsrecht: Ab wann darf ein Kind selbst darüber bestimmen?

Geht eine Ehe in die Brüche oder scheitert eine Beziehung, hat dies Auswirkungen auf die gesamte Familie. Denn nicht nur für die beiden Partner, sondern auch für die Kinder bedeutet diese Situation zahlreiche Veränderungen. Damit auch diese – obwohl die Familie nicht mehr in einem gemeinsamen Haushalt lebt – weiterhin Kontakt zur ihren Bezugspersonen haben, sieht der Gesetzgeber das sogenannte Umgangsrecht vor.

Was bedeutet das Umgangsrecht für Kinder und Familien?

Anspruch auf Umgangsrecht: Auch ein Vater ohne Sorgerecht kann diesen geltend machen.
Anspruch auf Umgangsrecht: Auch ein Vater ohne Sorgerecht kann diesen geltend machen.

Gehen Eltern aufgrund von persönlichen Differenzen oder anderen Problemen getrennte Wege,  hat dies auch für die Kinder weitreichende Konsequenzen. Schließlich lässt sich das bis dahin bekannte Zusammenleben als Familie nicht weiter fortführen. Um dennoch sicherzustellen, dass der Kontakt zwischen Kindern und ihren wichtigen Bezugspersonen nicht abbricht, definiert der Gesetzgeber das sogenannte Umgangsrecht.

Hierbei handelt es sich um den rechtlichen Anspruch auf Umgang zwischen Eltern und Kindern, welcher dazu dient, die familiäre Bindung zu beiden Elternteilen aufrechtzuerhalten. Daher ist es für das Umgangsrecht grundsätzlich auch irrelevant, ob die Elternteile in Trennung leben, geschieden sind oder nie miteinander verheiratet waren.

Darüber hinaus können auch weitere Bezugspersonen unter bestimmten Umständen ein Recht auf Umgang haben. Dazu zählen zum Beispiel Pflegeeltern oder Stiefelternteile, die mit dem Kind zusammengelebt haben. Ebenso kann ein Umgangsrecht für Großeltern oder Geschwister des Kindes bestehen.

Diese Rahmenbedingungen zum Umgangsrecht ergeben sich aus dem in § 1626 Abs. 3 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) definierten Grundsatz:

Zum Wohl des Kindes gehört in der Regel der Umgang mit beiden Elternteilen. Gleiches gilt für den Umgang mit anderen Personen, zu denen das Kind Bindungen besitzt, wenn ihre Aufrechterhaltung für seine Entwicklung förderlich ist.

Nicht zuletzt kann auch dem biologischen Vater, selbst wenn dieser rechtlich nicht als Vater gilt, ein Umgangsrecht eingeräumt werden, solange dies nicht dem Kindeswohl entgegensteht. Möglich ist dies seit das Gesetz zur Stärkung der Rechte des leiblichen, nicht rechtlichen Vaters im Jahre 2013 in Kraft trat.

Wichtig! Das Umgangsrecht gemäß BGB ist keine Einbahnstraße. So besteht nicht nur das Recht auf Umgang, sondern auch die Verpflichtung dazu. Denn der Kontakt zu Bezugspersonen ist wichtig für das Wohl und die Entwicklung des Kindes.

Was fällt unter „Umgang“?

Die zum Umgangsrecht getroffene Regelung soll dem Wohl des Kindes dienen.
Die zum Umgangsrecht getroffene Regelung soll dem Wohl des Kindes dienen.

In den meisten Fällen sieht das Umgangsrecht eine Regelung vor, die es dem Elternteil, bei dem das Kind nach der Trennung nicht lebt, erlaubt, in regelmäßigen Abständen gemeinsam mit dem Kind Zeit zu verbringen.

Wie die Ausgestaltung dieses Umgangs genau aussieht, ist den Eltern freigestellt. Da das Umgangsrecht durch kein Gesetz auf eine konkrete Anzahl an Tagen oder Stunden festgelegt ist. Sind sich die Parteien also einig, lassen sich die Vereinbarungen flexibel an die Lebensumstände aller Beteiligten anpassen.

Dabei gilt es verschiedene Aspekte zu berücksichtigen. Ein entscheidender Punkt ist vor allem das Alter des Kindes. So sollte trotz bestehendem Umgangsrecht ein Baby nicht viele Stunden von seiner engsten Bezugsperson – hierbei handelt es sich in der Regel um die Muttergetrennt werden. Darüber hinaus sind auch die Arbeitszeiten der Elternteile bei entsprechenden Vereinbarungen zu bedenken, ebenso wie die Entfernung zwischen den Wohnorten.

Insbesondere die räumliche Distanz zwischen Elternteil und Kind kann mögliche Treffen oder auch Übernachtungen deutlich erschweren. Daher umfasst das Umgangsrecht grundsätzlich auch andere Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme per Telefon, Brief oder Mail.

Die Modelle zum Umgangsrecht

Zum Umgangsrecht lassen sich prinzipiell sowohl flexible als auch starre Regelungen treffen. Eine flexible Vereinbarung setzt allerdings voraus, dass die Eltern auch nach der Trennung noch miteinander kommunizieren und ein Vertrauensverhältnis besteht. Dabei lassen sich grundsätzlich zwei Modelle – das Residenz- und das Wechselmodell – unterscheiden.

Beim Residenzmodell lebt das Kind dauerhaft bei einem Elternteil, hat dort somit seinen Lebensmittelpunkt. Das andere Elternteil erhält das Umgangsrecht und kann in festgelegten Besuchszeiten mit dem Kind Zeit verbringen. Wie lange diese ausfallen und ob zum Beispiel auch Übernachtungen vorgesehen sind, hängt in der Regel vom Alter des Kindes ab.

Das Wechselmodell sieht hingegen vor, dass das Kind seine Zeit gleichwertig zwischen den Elternteilen aufteilt und somit in zwei Haushalten lebt. Dadurch entstehen also zwei Lebensmittelpunkte. Möglich ist dies nur, wenn beide Eltern wichtige Bezugspersonen sind und zudem ausreichend Zeit haben, sich um die Erziehung zu kümmern. Darüber hinaus ist sicherzustellen, dass gerade bei Wohnsitzen in verschiedenen Städten der Besuch der Kita bzw. Schule sichergestellt ist. Denn auch hier steht das Wohl des Kindes im Mittelpunkt.

Im Alltag werden Sorgerecht und Umgangsrecht gerne mal in einen Topf geworfen, dabei handelt es sich juristisch um voneinander getrennte Themen. So erlaubt das Sorgerecht Entscheidung zur Lebensführung des Kindes. Darunter fallen zum Beispiel das Aufenthaltsbestimmungsrecht, die Gesundheitsfürsorge und die Vermögenssorge. Das Umgangsrecht regelt hingegen ausschließlich den Anspruch auf den Umgang mit einem minderjährigen Kind.

Es ist übrigens vollkommen unerheblich für das Umgangsrecht, ob der Vater ein gemeinsames Sorgerecht hat oder nicht. Denn Umgangsrecht und Sorgerecht bestehen grundsätzlich unabhängig voneinander.

Umgangsrecht einklagen: Wann kommt es dazu?

Können sich die Eltern nicht einigen, lässt sich das Umgangsrecht beim Familiengericht einklagen.
Können sich die Eltern nicht einigen, lässt sich das Umgangsrecht beim Familiengericht einklagen.

Da der Gesetzgeber keine konkreten Vorgaben zur Ausgestaltung des Rechts auf Umgang macht, müssen Eltern gemeinsam zufriedenstellende Regelungen treffen. Ist dies nicht möglich, kann das örtlich zuständige Jugendamt gebeten werden, bei der Vermittlung zu helfen.

Scheitert dieser Versuch, ist  der jeweilige Elternteil meist dazu gezwungen, das Umgangsrecht gerichtlich zu beantragen. Der andere Elternteil erhält daraufhin vom zuständigen Familiengericht den Antrag auf Umgangsrecht und kann dazu Stellung nehmen. Anschließend folgt eine mündliche Verhandlung, deren Ziel eine Einigung zur Ausgestaltung des Umgangs ist. Bleibt dieses Unterfangen weiterhin erfolglos, entscheidet das Gericht schlussendlich durch einen Beschluss.

Hierbei wird auch das Jugendamt zu Rate gezogen. Denn dieses tritt als Verfahrensbeteiligter auf. Im Zuge der Verhandlung zum Umgangsrecht nimmt das Jugendamt mit den Eltern und dem Kind Kontakt auf und sprechen aufgrund der dabei erhaltenen Informationen Empfehlungen zum Umgang aus.

Doch welche Regelungen trifft das Familiengericht zum Umgangsrecht? Wie oft Kinder einen umgangsberechtigten Elternteil sehen dürfen, hängt damit häufig vor allem vom Alter der Kinder ab. So erfolgt das Umgangsrecht bei einem Kleinkind unter drei Jahren meist in Form von einem stundenweisen Kontakt einmal die Woche, bei welchem unter Umständen auch die Mutter anwesend ist.

Ab einem Alter von drei Jahren sind in der Regel regelmäßige Übernachtungen vorgesehen. Üblicherweise verbringen die Kinder alle 14 Tage das Wochenende – von Freitagnachmittag bis Sonntagabend – beim umgangsberechtigten Elternteil. Darüber hinaus sind gerade bei Schulkindern auch gerechte Regelungen zum Umgangsrecht in den Ferien zu definieren.

Übrigens! Beim Umgangsrecht haben Kinder ab 14 Jahren ein eigenes Beschwerderecht. Dieses ergibt sich aus § 60 Familienverfahrensgesetz  (FamFG) und kann für alle seine Person betreffenden Angelegenheiten ohne die Mitwirkung eines gesetzlichen Vertreters ausgeübt werden.

Vereinbarungen zum Umgangsrecht: Was gilt es zu beachten?

Flexible Gestaltung beim Umgangsrecht: Wie oft Treffen stattfinden, können die Eltern meist selbst bestimmen.
Flexible Gestaltung beim Umgangsrecht: Wie oft Treffen stattfinden, können die Eltern meist selbst bestimmen.

Feste Regeln sind wichtig und ermöglichen die Strukturierung des Alltags. Allerdings können unvorhersehbare Ereignisse selbst die beste Planung über den Haufen werfen. Ist zum Beispiel das Kind erkrankt, muss der Umgang häufig abgesagt werden. In einem solchen Fall ist es sinnvoll, wenn die Eltern zeitnah einen alternativen Termin vereinbaren. 

Für Uneinigkeit sorgen nicht selten auch die Befugnisse beim Umgangsrecht.  Doch was darf der Vater/die Mutter bestimmen, während das Kind in seiner/ihrer Obhut ist? Grundsätzlich kann der umgangsberechtigte Elternteil während der Besuchszeit alle Entscheidungen zum unmittelbaren Zusammensein treffen. Hierbei kann es sich zum Beispiel um Unternehmungen, Kontakt zu Dritten, die Ernährung und die erzieherischen Maßnahmen in eigenen Haushalt handeln.

Aber auch andere Fragestellungen können zu Diskussionen über das Umgangsrecht führen. Wer muss beispielsweise das Kind holen und bringen? Diese Aufgabe fällt in der Regel in den Verantwortungsbereich des umgangsberechtigten Elternteils. Darüber hinaus muss dieser auch die anfallenden Kosten für einen Transport im Auto oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln tragen.

Pauschale Vorgaben über eine zumutbare Entfernung beim Umgangsrecht sieht der Gesetzgeber nicht vor. Allerdings kann es in solchen Fällen sinnvoll sein, dass der Umgang eher in Form von längeren Blöcken erfolgt. Möglich ist dies zum Beispiel über mehrere Wochen während der Ferien. Darüber hinaus lässt sich der Kontakt notfalls auch mithilfe von Videotelefonie oder anderen Kommunikationsformen aufrechterhalten.

Welche Folgen hat ausbleibender Kontakt?

Es gibt immer wieder Fälle, in denen Eltern ihre Streitigkeiten auf dem Rücken der Kinder austragen. Allerdings sollten sich mögliche Meinungsverschiedenheiten nicht auf die Regelungen zum Umgangsrecht und deren Befolgung auswirken. 

Denn wird einem Elternteil der Kontakt verweigert und somit die gerichtliche Vereinbarung zum Umgangsrecht nicht eingehalten, kann dies weitreichende Folgen haben. Als Sanktionen kommen unter anderem ein Ordnungsgeld oder Ordnungshaft in Frage.

Maßnahmen sind darüber hinaus auch bei mangelndem Kontakt mit dem Vater möglich. Nimmt dieser sein Umgangsrecht nicht wahr, besteht grundsätzlich die Möglichkeit, juristische Schritte einzuleiten. Allerdings gilt es in einem solchen Fall immer auch zu prüfen, ob erzwungene Treffen mit einem unwilligen Elternteil tatsächlich dem Wohl des Kindes dienen können.

Ist es möglich, einem Elternteil das Umgangsrecht zu entziehen?

Nur das Familiengericht ist dazu in der Lage, das Umgangsrecht zu entziehen.
Nur das Familiengericht ist dazu in der Lage, das Umgangsrecht zu entziehen.

Wie zuvor bereits ausgeführt, müssen Eltern, die das Umgangsrecht grundlos verweigern, mit Konsequenzen rechnen. Denn die Befugnis einem grundsätzlich umgangsberechtigten Elternteil den Kontakt zu seinem Nachwuchs zu verbieten, liegt ausschließlich beim Familiengericht.

Damit sich das zuständige Familiengericht dazu entschließt, einem Elternteil das Umgangsrecht zu verbieten, müssen konkrete Gründe vorliegen. So kann ein Ausschluss des Rechts auf Umgang erfolgen, wenn eine Gefährdung des Kindeswohls vorliegt. Dies ist grundsätzlich immer der Fall, wenn gegenwärtig von einer eindeutigen Gefährdung der körperlichen und geistigen, der seelischen Entwicklung auszugehen ist.

So kann zum Beispiel bei einer Erkrankung oder Vernachlässigung das Umgangsrecht durch einen richterlichen Beschluss zeitweise ausgesetzt werden. In der Regel ist der Ausschluss auf ein Jahr begrenzt.

Es gibt allerdings in Einzelfällen auch die Möglichkeit, den Umgang vollständig zu untersagen oder nur unter bestimmten Auflagen zu erlauben. Gründe dafür können die Verletzung der Aufsichtspflicht, die Gefahr auf Entführung, Kindesmisshandlungen, sexueller Missbrauch, ein unsittlicher Lebenswandel sowie ein Alkohol- oder Drogenmissbrauch sein.

Um dennoch das Umgangsrecht für ein Kind wahrnehmen zu können, muss das Elternteil bestimmte Bedingungen erfüllen. Bei einer Suchterkrankung können dies zum Beispiel der Nachweis über den Besuch einer Suchttherapie oder eine Auswertung der Leberwerte, die eine Abstinenz belegen, sein. Besteht hingegen das Risiko für eine Entführung, kann das Gericht die Hinterlegung des deutschen Reisepasses verlangen.

Es gibt viele Gründe, die gegen ein Umgangsrecht sprechen. „Das Kind will nicht zum Vater/zur Mutter.“ überzeugt als pauschale Aussage die Gerichte aber in der Regel nicht. Stattdessen sind konkrete Argumente vorzubringen, schließlich wurde das Kind nach seinen Wünschen befragt und diese beim Beschluss des Familiengerichts berücksichtigt.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (22 Bewertungen, Durchschnitt: 4,45 von 5)
Loading...

One thought on “Umgangsrecht: Wer hat einen Anspruch auf Umgang?

  1. P.

    Eine übersichtliche Zusammenfassung, mit allem, was es braucht.
    Leider ist die deutsche Gesetzgebung noch sehr rückständig und es ist für den Antragsteller ein großes Risiko vor das Gericht zu ziehen. Nicht zuletzte wegen der immensen Kosten.

    Reply

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.