Vaterschaftsanerkennung: Wann, wo und mit welchen Unterlagen?

Kurz und knapp

  1. Für Kinder unverheirateter Paare gilt nur die Mutter als rechtlicher Elternteil. Für den biologischen Vater muss erst die Vaterschaftsanerkennung beantragt werden.
  2. Sowohl die vorgeburtliche Beantragung der Vaterschaftsanerkennung als auch ein Antrag nach der Geburt sind zulässig.
  3. Biologischer, rechtlicher und sozialer Vater sind laut Bürgerlichem Gesetzbuch (BGB) drei voneinander getrennt zu betrachtende Vaterschaftsformen.
  4. Jugendamt, Standesamt, Amtsgericht oder auch ein Notar sind befugt, den Antrag auf Anerkennung der Vaterschaft anzunehmen und bei Vorlage der geforderten Unterlagen zu bewilligen.
  5. Bei Zweifeln an der Vaterschaft ist der vermeintlich leibliche Vater berechtigt, ein Abstammungsgutachten einzuholen. Gemeint ist hier der Vaterschaftstest. Wird dies von der Kindsmutter verweigert, kann vor Gericht geklagt werden.

Nicht verheiratete Paare müssen die Vaterschaftsanerkennung für den biologischen Vater beantragen.

Nicht verheiratete Paare müssen die Vaterschaftsanerkennung für den biologischen Vater beantragen.

Immer häufiger kommt es vor, dass Kinder aus nichtehelichen Partnerschaften hervorgehen. Aus juristischer Sicht gilt dann jedoch nur die Mutter als rechtlicher Elternteil des Kindes. Eine Vaterschaftsanerkennung ist daher in diesen Fällen durchzuführen, um dem biologischen Vater Rechte und Pflichten gegenüber dem Nachwuchs einzuräumen.

Es besteht hierbei einerseits die Möglichkeit, eine vorgeburtliche Vaterschaftsanerkennung zu beantragen, andererseits können Paare, die nicht verheiratet sind, mit der Vaterschaftsanerkennung auch bis nach der Geburt warten. Welche Unterlagen erforderlich sind, wo der Antrag gestellt werden muss und welche Kosten dabei entstehen, erläutern wir Ihnen in unserem Ratgeber.

Rechtlicher Hintergrund der Vaterschaftsanerkennung in Deutschland

Es gibt diverse Umstände, die dafür sorgen, dass ein Kind keinen rechtlichen Vater hat. Dies ist unter anderem dann der Fall, wenn eine gesetzliche Vaterschaftsvermutung nicht vorliegt. Grund hierfür kann beispielsweise sein, dass die Mutter ab der Schwangerschaft bis zum Zeitpunkt der Geburt ledig ist oder eine rechtskräftige Eheauflösung durchgeführt wurde. Ferner kann eine Vaterschaftsanerkennung auch dadurch begründet sein, dass der Ehemann bereits seit mehr als 300 Tagen nicht mehr lebt und es somit keinen rechtlichen Vater mehr gibt.

Biologischer, rechtlicher und sozialer Vater sind voneinander getrennt zu betrachten, da es sich um drei verschiedene Formen der Vaterschaft handelt. Ersterer hat das Kind gezeugt und gilt demnach als blutsverwandter, biologischer Vater. Die rechtliche Vaterschaft hingegen bezieht sich ausschließlich auf die vom Gesetzgeber vorgenommene Bestimmung. Mit sozialem Vater ist die Person gemeint, welche gegenüber dem Kind die Vaterrolle einnimmt. Erziehung, Ausbildung und Förderung sind in diesem Zusammenhang relevant.

Gibt es keinen rechtlichen Vater, kann die Vaterschaftsanerkennung beantragt werden.

Gibt es keinen rechtlichen Vater, kann die Vaterschaftsanerkennung beantragt werden.

Was die biologische und rechtliche Vaterschaft anbelangt, kann zum Beispiel im Falle einer Adoption dem Adoptivvater Letztere übertragen werden, wenn im Zuge des Adoptionsverfahrens die Vaterschaftsanerkennung beantragt wird.

Der biologische Vater hat dann aus juristischer Sicht gegenüber dem Kind keinerlei Rechte und Pflichten mehr. Dies betrifft sowohl das Sorgerecht als auch die Pflicht, Kindesunterhalt zu zahlen, denn hierfür hat der rechtliche Vater Sorge zu tragen.

Was bezüglich der Vaterschaft grundsätzlich gilt, ist im Bürgerlichen Gesetzbuch genau festgehalten. Laut § 1592 BGB heißt es:

Vater eines Kindes ist der Mann,

  1. der zum Zeitpunkt der Geburt mit der Mutter des Kindes verheiratet ist,
  2. der die Vaterschaft anerkannt hat oder
  3. dessen Vaterschaft nach § 1600d oder § 182 Abs. 1 des Gesetzes über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit gerichtlich festgestellt ist.

Wenn es zum Gerichtsverfahren kommt, um festzustellen, wer für die Vaterschaft in Frage kommt, wird als Vater in der Regel die Person vermutet, welche während der Empfängniszeit der Mutter beigewohnt hat. Die genannte Vermutung gilt nicht, wenn begründete Zweifel an der Vaterschaft bestehen.

Mit Empfängniszeit ist hier die Zeitspanne vom 300. bis zum 181. Tag vor der Geburt gemeint. Es sei denn, es steht fest, dass das zu erwartende Kind außerhalb dieses Zeitraums empfangen wurde. Ist dem so, dann gilt der abweichende Zeitraum als Zeit der Empfängnis.

Weiterhin ist es in der Regel erst vom Zeitpunkt Ihrer Feststellung an möglich, die Rechtswirksamkeit der Vaterschaft geltend zu machen. Es sei denn aufgrund der gesetzlichen Grundlage ergeben sich andere Möglichkeiten. Das letzte Wort haben in diesem Fall die zuständigen Richter.

Nicht nur zur Vaterschaft im Allgemeinen, sondern auch zur Vaterschaftsanerkennung gibt es einen spezifischen Paragraphen im Bürgerlichen Gesetzbuch (§ 1594 BGB), der wie folgt lautet:

  • Die Rechtswirkungen der Anerkennung können, soweit sich nicht aus dem Gesetz anderes ergibt, erst von dem Zeitpunkt an geltend gemacht werden, zu dem die Anerkennung wirksam wird.
  • (2) Eine Anerkennung der Vaterschaft ist nicht wirksam, solange die Vaterschaft eines anderen Mannes besteht.
  • (3) Eine Anerkennung unter einer Bedingung oder Zeitbestimmung ist unwirksam.
  • (4) Die Anerkennung ist schon vor der Geburt des Kindes zulässig.

Vaterschaftsanerkennung beim Jugendamt oder Standesamt?

Die Vaterschaftsanerkennung kann u.a. beim Jugendamt bantragt werden.

Die Vaterschaftsanerkennung kann u.a. beim Jugendamt bantragt werden.

Wer Vater wird oder schon geworden ist, aber nicht mit der Mutter des Kindes in einer ehelichen Gemeinschaft lebt, kann die Vaterschaft vor oder nach der Geburt des Kindes beantragen.

Als zuständige Anlaufstelle kommen hierfür folgende Institutionen in Frage:

  • Jugendamt
  • Standesamt
  • Amtsgericht
  • Notar

Die Vaterschaftsanerkennung kann also grundsätzlich nur persönlich vor einer Urkundsperson erklärt und von dieser entgegengenommen werden.

Außerdem wird vorausgesetzt, dass sowohl Mutter als auch biologischer Vater über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen.

Andernfalls ist zur Anerkennung der Vaterschaft ein Dolmetscher mitzubringen. Derjenige muss ein gültiges Personaldokument besitzen und darf weder mit der Kindsmutter noch mit dem biologischen Vater verwandt oder verschwägert sein. Weiterhin ist es notwendige Voraussetzung für einen erfolgreichen Antrag, dass die Mutter des Kindes der Vaterschaftsanerkennung persönlich im Beisein der Urkundsperson zustimmt.

Vaterschaftsanerkennung: Welche Unterlagen sind erforderlich?

Unabhängig davon, ob beim Standesamt oder Jugendamt die Vaterschaftsanerkennung beantragt wird, sind eine Reihe von Dokumenten erforderlich, um den Antrag stellen zu können und eine Bewilligung zu bekommen.

In jedem Fall sind von beiden Elternteilen folgende Dokumente im Original vorzulegen:

  • Personalausweis oder Reisepass
  • Geburtsurkunden
  • Nachweise sind vorzubringen, falls der Name der Mutter oder des Vaters von der jeweiligen Geburtsurkunde abweicht. Akzeptiert wird zum Beispiel eine Bescheinigung über die erfolgte Namensänderung nach der Hochzeit oder eine Eheurkunde.

Für die Vaterschaftsanerkennung sind bestimmte Unterlagen erforderlich.

Für die Vaterschaftsanerkennung sind bestimmte Unterlagen erforderlich.

Handelt es sich um ausländische Urkunden, müssen diese zwangsläufig von einem in Deutschland beeidigten Dolmetscher übersetzt werden.

Die Kosten hierfür trägt derjenige, der beabsichtigt, einen Antrag auf Vaterschaftsanerkennung zu stellen. Für manche Länder ist ferner die sogenannte Überbeglaubigung zu erbringen.

Hiermit ist eineApostille oder Legalisation gemeint. Dahinter verbirgt sich letztlich ein zusätzlicher Beglaubigungsvermerk, der sich auf die Unterschrift bezieht. Für Staaten, die dem Haager Übereinkommen beigetreten sind, wird die Apostille erteilt, alle anderen Urkunden bekommen den Legalisationsvermerk.

Unterlagen für die Vaterschaftsanerkennung vor und nach der Geburt

Ob weitere Unterlagen vorgelegt werden müssen, hängt davon ab, wann die Vaterschaftsanerkennung beantragt wird. Entscheiden sich die werdenden Eltern dazu, dies schon im Vorfeld der Geburt des Kindes umzusetzen, dann muss der Mutterpass am Termin der Antragstellung mitgebracht werden.

Jede schwangere Frau erhält in der Regel zu Beginn ihrer Schwangerschaft einen sogenannten Mutterpass. Ausgestellt wird das Schriftstück von der betreuenden Frauenärztin oder dem zuständigen Frauenarzt. Auch Hebammen können den Pass ausstellen. Ziel des Ganzen ist die Begleitung der werdenden Mutter von der Schwangerschaft bis hin zur Geburt. Alle Ergebnisse der Vorsorgeuntersuchungen werden im Mutterpass erfasst. Hierzu zählen u.a. Angaben zu Gewicht und Größe des Babys, aber auch Daten zum gesundheitlichen Zustand der Schwangeren.

Erfolgt die Anerkennung der Vaterschaft hingegen nach der Geburt des Kindes, ist hinsichtlich der Unterlagen für die Vaterschaftsanerkennung ein weiteres Dokument erforderlich: Die Geburtsurkunde des Kindes. Dabei handelt es sich um die amtliche Bescheinigung über die Geburt des Kindes. Aufgeführt sind im Schriftstück folgende personenbezogene Daten:

  • Vorname
  • Familienname
  • Geschlecht
  • Datum und Ort der Geburt
Erstellt wird die Geburtsurkunde als Abschrift aus dem Geburtsregister des Geburtsortes. Im Zuge der Vaterschaftsanerkennung wird dann neben der Mutter des Kindes auch der rechtliche Vater in die Urkunde eingetragen. Ausstellende Behörde ist in der Regel das Standesamt des Geburtsortes.

Beim Standesamt ist die Vaterschaftsanerkennung u. U. ohne Geburtsurkunde des Kindes möglich.

Beim Standesamt ist die Vaterschaftsanerkennung u. U. ohne Geburtsurkunde des Kindes möglich.

Wer mit der Vaterschaftsanerkennung das Standesamt betraut, muss die Geburtsurkunde nur dann vorlegen, wenn die Geburt des Kindes in einem anderen Standesamt beurkundet wurde.

Entscheiden sich betroffene Paare hingegen dazu, die Anerkennung der Vaterschaft im Jugendamt, vor dem Amtsgericht oder von einem Notar durchführen zu lassen, muss die Geburtsurkunde vom Kind in jedem Fall vorgezeigt werden.

In allen Fällen ist es stets notwendige Voraussetzung für die Vaterschaftsanerkennung, dass die Kindsmutter dieser zustimmt. Andernfalls ist der Antrag aus rechtlicher Sicht nicht zulässig.

Sind Vaterschaftsanerkennung und Sorgerecht getrennt voneinander zu behandeln?

Werdenden Eltern sollten nicht den Fehler machen, die Vaterschaftsanerkennung mit dem Sorgerecht gleichzusetzen. Denn es handelt sich hierbei um zwei verschiedene Anträge, die unabhängig voneinander gestellt werden müssen.

Das heißt, Sie können nicht beide Fälle mit einem Antrag abdecken. Wenn sich die Mutter und der Vater, der die Anerkennung der Vaterschaft beantragt hat, das Sorgerecht teilen wollen, so müssen sie dies vor der Geburt des Kindes dem Jugendamt mitzuteilen. Hierfür müssen Sie die Sorgerechtserklärung bei diesem abgeben.

Sorgerecht und Vaterschaftsanerkennung bedürfen getrennter Anträge.

Sorgerecht und Vaterschaftsanerkennung bedürfen getrennter Anträge.

Nachdem die Willenserklärung von einer Urkundsperson bestätigt wurde, ist das gemeinsame Sorgerecht rechtsgültig. Wird von den ledigen Eltern keine entsprechende Erklärung abgegeben, hat zunächst die Mutter des Kindes das alleinige Sorgerecht.

Für Familiengerichte ist in diesem Zusammenhang stets das Kindeswohl entscheidend. Das gemeinsame Sorgerecht soll grundsätzlich Vorrang vor dem alleinigen haben.

2010 gab es bezüglich der Väterrechte beim Sorgerecht eine Gesetzesänderung. Bis 2010 hatten ledige Mütter das Recht, ihr Veto einzulegen, wenn der Vater die gemeinsame Sorge einfordern wollte. Im Zuge der Gesetzesneuerung wurde das Vetorecht abgeschafft. Hintergrund ist die Absicht, ledigen Vätern mehr Mitspracherecht einzuräumen. Anlass war der Grundgesetzverstoß, denn die zuständigen Verfassungsrichter erklärten es für grundgesetzwidrig, dass Mütter gegen eine Sorgerechtsteilung ihr Veto einlegen können.

Seit 2010 sind ledige Väter somit berechtigt, beim Familiengericht Klage gegen das alleinige Sorgerecht der Mutter einzureichen. Das Familiengericht kann dann die Teilung des Sorgerechts durchsetzen, wenn diese im Sinne des Kindeswohls ist.

Schon 2009 hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte darauf aufmerksam gemacht, dass die deutsche Sorgerechtsregelung für eine Diskriminierung lediger Väter sorge und damit gegen die Europäische Menschenrechtskonvention verstoße.

Entstehen im Rahmen der Vaterschaftsanerkennung Kosten?

Einige Jugendämter erheben für den bürokratischen Akt der Vaterschaftsanerkennung Gebühren, andere nicht. Ob die Anerkennung auf Vaterschaft für Antragsteller kostenlos ist oder nicht, erfahren diese auf Nachfrage bei der zuständigen Behörde.

Bei Notaren und Amtsgerichten werden jedoch Kosten für die Vaterschaftsanerkennung bzw. deren Durchführung erhoben. In der Regel belaufen sich diese auf einen Betrag in Höhe von etwa 30 Euro.

Im Rahmen der Vaterschaftsanerkennung können Kosten für Verwaltungsakte entstehen.

Im Rahmen der Vaterschaftsanerkennung können Kosten für Verwaltungsakte entstehen.

Das heißt, wenn die Geburtsurkunde nicht geändert werden muss, fällt das zu begleichende Entgelt weg. Die beschriebene Regelung geht aus § 55a der Kostenordnung hervor, die es auch Notaren untersagt, für die bloße Vaterschaftsanerkennung Kosten in Rechnung zu stellen.

Außerdem beeinflusst ferner die Dauer des Verfahrens sowie dessen Umfang den letztlich zu zahlenden Betrag. Grundsätzlich wird jedoch gemäß Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) abgerechnet.

Tipp: Kosten entstehen nur bei der Vaterschaftsanerkennung nach der Geburt, wer sich also für einen vorgeburtlichen Antrag entscheidet, spart sich die Gebühren. Deshalb raten Jugend- und Standesämter zur rechtzeitigen Beantragung, durch welche nicht nur die Kosten wegfallen, sondern auch lästige Behördengänge.

Können Betroffene die Vaterschaftsanerkennung verweigern oder zurückziehen?

Prinzipiell besteht für werdende Väter die Möglichkeit, einen von der Kindsmutter geforderten Vaterschaftstest zu verweigern. Allerdings kommt es in den seltensten Fällen vor, dass die Mutter diese Verweigerung tatsächlich hinnimmt, ohne ihrerseits Maßnahmen zu ergreifen. Gemeint ist die Vaterschaftsklage, die Müttern in diesem Zusammenhang erheben können.

Ist die Mutter des Kindes in der Lage, vor Gericht glaubhaft zu machen, dass der sich verweigernde Vater das Kind gezeugt hat, wird von den zuständigen Richtern ein Beweisbeschluss veranlasst. Wenn es es zum gerichtlichen Vaterschaftstest kommt, ist von einer Verweigerung abzuraten.

Theoretisch haben Väter die Möglichkeit, die Vaterschaftsanerkennung zu verweigern.

Theoretisch haben Väter die Möglichkeit, die Vaterschaftsanerkennung zu verweigern.

Denn kommt es zu diesem Szenario, ist das Gericht befugt, bei gegebenem Anlass auf Zwangsmittel zurückzugreifen, um eine Vorladung des betreffenden Vaters zu erreichen. Zur Abnahme der für den Test erforderlichen Speichelprobe ist es in der Vergangenheit bereits vorgekommen, dass eine Abholung des widerwilligen Vaters durch Beamte der Polizei durchgesetzt wurde.

Sofern die Vaterschaftsanerkennung ein Jahr nach der Beurkundung noch keine Wirksamkeit erlangt hat, kann der Anerkennende von seinem Widerrufsrecht Gebrauch machen. Damit der Widerruf als rechtsgültig erachtet wird, muss dieser öffentlich beurkundet werden. Hierfür kommt nur ein Beamter in Frage, der berechtigt ist, öffentliche Beurkundungen oder Beglaubigungen vorzunehmen. Außerdem darf der Widerruf nicht an eine Bedingung oder zeitliche Bestimmung gebunden sein.

Vaterschaftsanerkennung anfechten: Wann besteht die Möglichkeit?

Zunächst ist hier die Frage zu klären, wer überhaupt gesetzlich dazu berechtigt ist, eine Anfechtung der Vaterschaftsanerkennung in die Wege zu leiten. Die folgende Liste fasst zusammen, welche Personen im genannten Kontext in Frage kommen:

  1. Der Mann, der mit der Mutter des Kindes zum Zeitpunkt der Geburt verheiratet ist
  2. Der Mann, dessen Vaterschaftsanerkennung bereits rechtskräftig ist
  3. Der sogenannte biologische Vater, welcher eine eidesstattliche Erklärung abgegeben hat, der Mutter des Kindes während der Empfängniszeit beigewohnt zu haben
  4. Die Mutter des Kindes
  5. Das Kind selbst (vertreten durch den sorgeberechtigten Elternteil)
  6. Die verantwortliche Behörde, falls eine missbräuchliche Vaterschaftsanerkennung vorliegt

Der leibliche bzw. biologische Vater ist nur dann berechtigt, eine Anfechtung vorzunehmen, wenn keine Beziehung sozial-familiärer Natur zwischen dem rechtlichen Vater und dem Kind besteht. Wenn hingegen der rechtliche Vater auch die volle Verantwortung für das Kind getragen und gemeinsam mit diesem und der Mutter in einer häuslichen Gemeinschaft gelebt hat, sieht es anders aus. Der biologische Vater kann unter den gegebenen Umständen die Vaterschaftsanerkennung des rechtlichen Vaters nicht anfechten.

Zu einer wirksamen Anerkennung der Vaterschaft kann der leibliche Vater nur dann gelangen, wenn von einem der übrigen Beteiligten die Anfechtung in Erwägung gezogen wird.

Fristen bei der Anfechtung der Vaterschaftsanerkennung

Wer beabsichtigt, die Anerkennung der Vaterschaft anzufechten, ist dabei an gesetzlich festgelegte Fristen gebunden. In der Regel gilt hierbei ein Zeitraum von zwei Jahren, innerhalb derer es zur Anfechtung kommen muss, damit diese rechtswirksam werden kann.

Ausschlaggebend ist in jedem Fall die Frage, wann die betroffene Person darüber Kenntnis erhalten hat, dass die gegebenen Umstände gegen eine Vaterschaft sprechen. Ab dem beschriebenen Zeitpunkt beginnt im jeweiligen Einzelfall die vom Gesetz vorgeschriebene zweijährige Frist.

Falls minderjährige Kinder beteiligt sind, gelten zusätzliche Vorschriften. Falls durch den Vertreter des minderjährigen Kindes die Vaterschaftsanerkennung nicht rechtzeitig angefochten wurde, steht es dem Kind frei, die Anfechtung mit Vollendung des 18. Lebensjahres selbst nachzuholen.

Bei der Vaterschaftsanerkennung ist eine gesetzliche Frist einzuhalten.

Bei der Vaterschaftsanerkennung ist eine gesetzliche Frist einzuhalten.

Seit 2008 besteht zudem eine weitere Möglichkeit, was die Anfechtung der Anerkennung der Vaterschaft betrifft. Hintergrund ist das Verhindernillegaler Einreise. In der Vergangenheit war es nämlich zu Fällen gekommen, in denen Männer die Vaterschaftsanerkennung nur deshalb beantragt haben, um für sich selbst, die Kindsmutter oder das Kind eine Einreise oder Aufenthaltserlaubnis für Deutschland durchzusetzen.

Ferner sind laut dem Rundfunk Berlin Brandenburg auch solche Betrugsfälle bekannt, in denen deutsche Männer sich gegen Bezahlung von Asylbewerberinnen zu Scheinvaterschaften überreden ließen. Von mehreren tausend Euro sei hier die Rede. Im Gegenzug erhielten die Kinder der betreffenden Mütter automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft, und der Frau selbst wurde aufgrund dieser Begebenheit bis auf weiteres ein Bleiberecht gewährt.

Das beschriebene Szenario ist seit der zusätzlichen Regelung, die 2008 in Kraft getreten ist, nicht mehr möglich. Stattdessen können die zuständigen Behörden bei gegebenem Anlass die Anfechtung der Vaterschaft in die Wege zu leiten. Dies ist dann möglich, wenn der begründete Verdacht, dass es sich um eine bloße “Scheinvaterschaft” handelt und somit eine Gesetzeswidrigkeit vorliegt.

Zweifel an der Vaterschaft: Wer hat das Recht auf einen Vaterschaftstest?

Die Vaterschaft kann im Allgemeinen nur dann neu zugeordnet werden, wenn Klarheit darüber herrscht, wer der rechtliche und wer der biologische Vater ist. Mit anderen Worten: Eine Anfechtung macht nur dann Sinn, wenn Sie rechtlich manifestieren soll, was in der Realität bereits gegeben ist.

Betroffene stellen sich allerdings nicht selten die Frage : “Was passiert, wenn Zweifel an der leiblichen Vaterschaft bestehen? So kann es beispielsweise vorkommen, dass der Ehemann daran zweifelt, biologischer Vater des Kindes zu sein. Aus rechtlicher Sicht ist auch für diesen Umstand vorgesorgt.

Denn es existiert im Rahmen der Vaterschaftsanerkennung ein gegenseitiger Anspruch zwischen rechtlichem Vater, Mutter und Kind, ein genetisches Abstammungsgutachten einzuholen. Alle Beteiligten haben Anspruch auf Einsicht des Gutachtens bzw. auf Aushändigung einer Abschrift. Mitunter kann es problematisch werden, wenn die biologische Elternschaft gemäß Abstammungsrecht beispielsweise wegen einer Samenspende nur unter erschwerten Bedingungen zu bestimmen ist, da hier spezifische Gesetze greifen.

Verweigert einer der Beteiligten die Einholung eines entsprechenden Gutachtens, kann vor dem zuständigen Familiengericht ein Antrag gestellt werden. Das ist in § 1598 a) BGB geregelt. Das Kind muss sich allerdings im Gerichtsverfahren vor dem verantwortlichen Familiengericht durch einen Ergänzungspfleger gem. §§ 1629 Abs. 2 a), 1909 BGB vertreten lassen.

Mit Abstammungsgutachten ist das Verfahren gemeint, welches umgangssprachlich den meisten Verbrauchern auch als sogenannter Vaterschaftstest bekannt ist. Als Ausgangsmaterial dient in der Regel ein Abstrich von der Mundschleimhaut des Mannes, dessen Vaterschaft getestet werden soll. Alternativ funktioniert der Test auch mit Hilfe einer Blutprobe.

Die besten Ergebnisse werden erzielt, wenn die DNA aller beteiligten Personen isoliert wird. Letztlich gibt dann ein Vergleich von Marker-Abschnitten auf der DNA Auskunft über die biologische Vaterschaft.

Ein Vater­schafts­test kann nur durchgeführt werden, wenn alle Beteiligten dazu schriftlich ihr Einverständnis erteilen oder wie oben bereits erwähnt die Anordnung zur Testdurchführung vom Gericht ausgesprochen wird.
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (38 Bewertungen, Durchschnitt: 4,00 von 5)
Loading...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.