Vormundschaft: Definition, Antrag sowie Rechte und Pflichten

Kurz und knapp

  1. Bei Kindern bedeutet Vormundschaft, dass ein gesetzlicher Vertreter die elterliche Sorge übernimmt, weil die Eltern entweder nicht mehr leben oder das Sorgerecht entzogen wurde.
  2. Die Vormundschaft betrifft sowohl die Personen- als auch die Vermögenssorge.
  3. Im Gegensatz zur Pflegschaft ist bei der Vormundschaft die Schutzbedürftigkeit in allen Lebensbereichen gegeben und betrifft nicht nur einzelne Maßnahmen.
  4. Für Erwachsene gibt es in Deutschland seit 1992 die rechtliche Betreuung anstatt der Vormundschaft (§ 1896 BGB).
Im Rahmen der Vormundschaft übernimmt ein gesetzlicher Vertreter die elterliche Sorge für Minderjährige.

Im Rahmen der Vormundschaft übernimmt ein gesetzlicher Vertreter die elterliche Sorge für Minderjährige.

Wenn unmündige Minderjährige, Personen die von geistiger Krankheit betroffen sind oder geschäftsunfähige Erwachsene nicht eigenverantwortlich handeln können, tritt in der Regel die Vormundschaft in Kraft. Das heißt, es wird ein Vormund bestellt, der als gesetzlicher Vertreter im Namen der genannten Personen Entscheidungen trifft. Eine Vormundschaft beinhaltet sowohl Rechte als auch Pflichten, die das Verhältnis zwischen Vormund und Bevormundetem betreffen.

Definition: Was bedeutet Vormundschaft?

Im Gesetz gibt es für die Bestimmungen zur Vormundschaft eine genaue Definition.

Im Gesetz gibt es für die Bestimmungen zur Vormundschaft eine genaue Definition.

Für den Begriff Vormundschaft ist die Definition aus rechtlicher Sicht im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) festgelegt. Da verschiedene Begrifflichkeiten in diesem Zusammenhang von Bedeutung sind, sollen auch diese vorab definiert werden, um Missverständnisse im weiteren Verlauf des Ratgebers zu vermeiden.

  • Mit Vormundschaft ist laut BGB (§§ 1773–1895) die gesetzliche Fürsorge für eine Person (hier: Mündel) gemeint, die nicht in vollem Umfang geschäftsfähig ist.
  • Als Mündel wird die bevormundete Person bezeichnet, für die der bestellte gesetzliche Vertreter das Sorgerecht trägt.
  • Der Vormund ist diejenige Person, an welche das Mündel seine Rechte bezüglich der Geschäftsfähigkeit abtritt und die eine Fürsorgepflicht gegenüber dem Bevormundeten hat.

Vormundschaft für ein Kind: Was gilt hier?

Die folgende Liste gibt einen Überblick, unter welchen Voraussetzungen für einen Minderjährigen bzw. eine Minderjährige die Vormundschaft laut Gesetz in Frage kommt:

  • Das Kind steht nicht unter elterlicher Sorge, weil es keine Eltern mehr hat, die das Sorgerecht übernehmen könnten. Somit gilt das Kind aus rechtlicher Sicht als Waise.
  • Den Eltern des Kindes wurde das Sorgerecht entzogen, was beispielsweise aufgrund einer Gefährdung des Kindeswohls vorkommen kann.
  • Wenn die Mutter des Kindes zum Zeitpunkt der Geburt minderjährig ist.

Die Vormundschaft beinhaltet u.a. eine angemessene Entwicklungsförderung.

Die Vormundschaft beinhaltet u.a. eine angemessene Entwicklungsförderung.

Wenn die genannten Fälle vorliegen, gehört es zu den Pflichten eines Rechtsstaates, eine Vormundschaft anzuordnen. Grund hierfür ist das Recht des Mündels auf Fürsorge, Erziehung und Förderung der eigenen Entwicklung.

Im Unterschied zur Pflegschaft übernimmt der Vormund für ein Kind die Verantwortung in sämtlichen Lebensbereichen. Demzufolge ist das Unterscheidungskriterium die Schutzbedürftigkeit, welche im Falle der Pflegschaft nicht für alle Bereiche des Lebens gilt.

Welche Rolle spielt bei der Vormundschaft das Jugendamt?

Ist in der letzten Verfügung der Eltern kein Vormund festgelegt worden, wird das zuständige Gericht einer Anhörung des Jugendamtes folgen. Dabei sind nach Möglichkeit auch die Verwandten sowie Verschwägerte des zukünftigen Mündels einzubestellen.

In der Praxis kommt es in vielen Fällen auch zur sogenannten Amtsvormundschaft, wenn keine Person aus dem Kreise der Familie als Vormund in Frage kommt. Hiermit ist nichts anderes gemeint, als das ein speziell für diese Tätigkeit ausgebildeter Mitarbeiter vom Jugendamt die Vormundschaft für eine minderjährige Person übernimmt.

Seit einer Änderung im Vormundschaftsrecht, die im Jahr 2011 rechtskräftig wurde, ist eine Verbesserung des Kontakts zwischen Vormund und Mündel umgesetzt worden. Infolgedessen ist in der Regel pro Monat ein persönlicher Besuch beim betreuten Kind vorgesehen.

Ein Pädagoge vom Jugendamt kann für mehrere Minderjährige eine Vormundschaft übernehmen.

Ein Pädagoge vom Jugendamt kann für mehrere Minderjährige eine Vormundschaft übernehmen.

Auch hinsichtlich der Anzahl von Minderjährigen, die pro Sozialarbeiter bzw. Pädagoge zulässig sind, hat eine Anpassung stattgefunden. Waren es bis 2011 bis zu 120 Kinder, die unter der Obhut eines Vormunds vom Jugendamt stehen konnten, wurde die Zahl im Zuge der Gesetzesneuerung auf 50 reduziert.

Dadurch soll zukünftig gewährleistet werden, dass der eingesetzte Vormund immer aktuell über die individuelle Lebenssituation derjenigen Mündel informiert ist, für die er Sorge zu tragen hat. Da viele von Vormundschaft betroffene Kinder in Heimen oder bei Pflegefamilien leben, ist es besonders wichtig, die Umsetzung der Pflichten zu kontrollieren und bei Pflichtverletzungen so schnell wie möglich handeln zu können.

Amtsvormundschaft: Aufgaben des vom Jugendamt bestellten Vormunds

In diesem Zusammenhang soll zunächst geklärt werden, wer wem untersteht. Der Amtsvormund wird auch Realvormund genannt. Beamte und Angestellte des Jugendamtes, die eine Vormundschaft für einen Minderjährigen übernehmen, unterstehen hinsichtlich sämtlicher Tätigkeiten dem Jugendamt, dass daher als Legalvormund bezeichnet wird. Letzterer überträgt also die Ausübung der Vormundschaft an einen einzelnen Mitarbeiter, der weisungsgebunden handelt.

Das Jugendamt selbst untersteht seinerseits der Aufsicht des Familiengerichts. Inhaltlich beschränkt sich diese Beaufsichtigung auf die Überwachung, ob die Vormundschaft entsprechend den geltenden Gesetzen geführt wird und auf die Feststellung von Pflichtwidrigkeiten.

Wenn der Realvormund die gesetzlich vorgeschriebenen Kontakte zum Mündel nicht regelmäßig wahrnimmt oder der vom Legalvormund vorgeschriebenen Berichtspflicht nicht ausreichend nachkommt, kann der Vorgesetzte – in diesem Fall das Jugendamt – eingreifen. Das heißt, in das Vertrauensverhältnis zwischen Vormund und Mündel kann eingegriffen werden, wenn rechtswidrige Handlungen vorliegen.

Im Rahmen der Vormundschaft gehört es zur Aufgabe des Vormunds, die Schulausbildung zu betreuen.

Im Rahmen der Vormundschaft gehört es zur Aufgabe des Vormunds, die Schulausbildung zu betreuen.

Aber welche konkreten Aufgaben hat der vom Jugendamt beauftragte Amtsvormund im Hinblick auf das Mündel zu erfüllen?

Grundsätzlich betrifft die elterliche Sorge, welche durch die Vormundschaft abgedeckt werden soll, sowohl das Mündel als Person als auch dessen Vermögen. Neben der Vertretung rechtlicher Interessen spielen auch die persönlichen Belange des Mündels eine zentrale Rolle.

Folgende Liste zeigt beispielhafte Aufgaben, die im Rahmen der Personensorge konkret anfallen können:

  • Bestimmung des Aufenthalts bzw. Wohnortes (z. B. auch Abschluss vom Mietvertrag)
  • Unterbringung bei Pflegepersonen, Verwandten oder in Einrichtungen der Jugendhilfe usw.
  • Unterhalt und Versicherungsschutz sind sicherzustellen (z. B. Regelung von Sozialleistungen oder Rentenangelegenheiten)
  • Pflege und Erziehung sind zu gewährleisten (z. B. Erziehungsziele, Teilnahme an Hilfeplangesprächen)
  • Gesundheitsfürsorge (z. B. regelmäßige Gesundheitsvorsorge-Maßnahmen, Bewilligung medizinischer Eingriffe falls nötig)
  • Betreuung und Beratung hinsichtlich Schul- und Berufsausbildung (z. B. Hilfe bei der Auswahl der Schule, Entscheidungsfindung bei der Berufswahl)
  • bei gegebenem Anlass Mitwirken am Adoptionsverfahren
  • bei ausländischen Minderjährigen: Asyl-, Aufenthaltsberechtigung, etc.

Welche Aufgaben im Rahmen der Vormundschaft hinsichtlich der Vermögenssorge beispielsweise auf den Amtsvormund zukommen, zeigt die nächste Liste:

Auch die Vermögenssorge zählt zu den Pflichten des Vormunds während der Vormundschaft.

Auch die Vermögenssorge zählt zu den Pflichten des Vormunds während der Vormundschaft.

  • Erbansprüche müssen geprüft, geltend gemacht und geregelt werden (beinhaltet auch die Entscheidung über Erbausschlagung und Nachlassinsolvenz)
  • Vermögensverzeichnis ist anzulegen
  • Vermögen des Mündels ist mündelsicher anzulegen
  • bei gegebenem Anlass Verwaltung von Grundstücken (egal ob unbebaut oder bebaut)
  • Schadenersatzansprüche müssen ggf. geltend gemacht werden
  • Gibt es auch eine Vormundschaft für Erwachsene?

    Grundsätzlich betrifft die Vormundschaft nur minderjährige Personen. Für Volljährige gibt es diese Form der Bevormundung seit der Reform des Betreuungsrechts vom 01.01.1992 nicht mehr. An deren Stelle ist im Zuge einer Gesetzesänderung die Betreuung getreten, welche für Erwachsene gilt. Das heißt, seit 1992 ist es nicht mehr möglich, für volljährige Personen einen Antrag auf Vormundschaft zu stellen.

    Wenn beispielsweise die Eltern im Zuge einer Demenzerkrankung oder in Folge eines anderen Krankheitsbildes nicht mehr geschäftsfähig sind, ist eine Betreuung zu bestellen. Mittels einer Betreuungsverfügung kann prinzipiell jeder einen Betreuer festlegen. Der entsprechende Antrag ist vor dem Betreuungsgericht zu stellen.

    Für Erwachsene muss eine rechtliche Betreuung statt der Vormundschaft beantragt werden. Grund ist eine Gesetzesreform.

    Für Erwachsene muss eine rechtliche Betreuung statt der Vormundschaft beantragt werden. Grund ist eine Gesetzesreform.

    Die Verfügung zur Betreuung steht meistens in Verbindung mit einer Vorsorgevollmacht oder einer Patientenverfügung. Fehlt ein solches Dokument, wird das Gericht nötigenfalls eigenmächtig einen rechtlichen Betreuer oder eine rechtliche Betreuerin für bestimmte Aufgaben einsetzen.

    An die Stelle der Vormundschaft, welche für Eltern wegen der Reform der Gesetze nicht mehr beantragt werden kann, tritt also die Betreuung. Die Kosten für den Betreuer müssen von der zu betreuenden Person selbst übernommen werden.

    Was die Aufgaben des gesetzlichen Betreuers angeht, ist dieser nur für solche Tätigkeiten zuständig, die der Betroffene wegen Krankheit nicht mehr selbstständig ausüben kann. Die Weisungsfreiheit endet daher dort, wo die zu betreuende Person noch zu einem eigenständigen Handeln in der Lage ist.
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